Dienstag, 28. Februar 2012

Das Alphabethaus – Jussi Adler-Olsen

Taschenbuch

Ja, ich gebe es zu, ich mag die Mørck-Serie. Nicht nur wegen der Charaktere sondern auch wegen der Art und Weise, wie Jussi Adler-Olsen Geschichten erzählt.
Natürlich hat ‚Das Alphabethaus’ nichts mit dem Sonderdezernat Q zu tun, aber die Art und Weise ist die gleiche. Eben eine schnörkellose Art und Weise, die sich weder in endlosen Beschreibungen verliert noch in unnötiger Grausamkeit. Nur eines wird auch in diesem Buch (oder vor allem in diesem) deutlich: dem Autor geht es um das Innenleben der dargestellten Personen.
Und er liebt Straßennamen!

Der Plot gehört nun nicht unbedingt zu meinen bevorzugten. ‚Kriegsgeschichten’ sind nicht mein Genre. Und so hatte ich während der ersten etwa 40 Seiten einige Probleme, in die Geschichte zu finden. Zumal mir der Stil seltsam simpel und fast unbeholfen erschien. Irgendwann war ich aber in der Geschichte ‚angekommen’ und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Vorallem den zweiten Teil, der 1972 spielt. Hier laufen die Fäden zusammen und Knoten werden gelöst.

Typisch Jussi Adler-Olsen: das große Finale, bei dem sich aus unterschiedlichen Gründen plötzlich alle relevanten Protagonisten an einem Ort befinden. Da sieht man, wie die Geschichte aufgebaut ist, nicht willkürlich sondern quasi von Anfang an durchdacht und zu diesem Moment hinführend – mir gefällt so etwas, der ‚Blick hinter die Kulissen’ des Schreibens.

Verwirrend fand ich die vielen Namen für die gleichen Personen, besonders gegen Ende. Ein gutes Stilmittel, ganz bestimmt, aber verwirrend (vor allem nachts um zwei, wenn man es unbedingt durch lesen will).

Empfehlung?
Sicher ein typisches Buch des Autors, und damit ganz sicher kein Buch, das allen gefällt. Die Liebhaber amerikanischer Thriller werden einfach nicht bedient, dafür die, die sich von einem Buch mehr versprechen.
Leider muss ich gestehen, dass sich das für mich allerdings ein wenig abnutzt. Jussi Adler-Olsen erzählt seine Geschichten nach einem gewissen Schema, das mich zuerst fasziniert hat, doch spätestens nach dem vierten Buch ergibt sich eine Vorhersehbarkeit, die mich langsam stört.

Dr. Jekyll und Mr. Hyde – Robert Louis Stevenson

Audible, ungekürzt, gelesen von David Nathan

Natürlich ein Klassiker, sehr gut vorgelesen von David Nathan.
Aber überhaupt nicht mein Fall!

Die Handlung, natürlich durch Dutzende Verfilmungen bekannt, ist so farblos und öde, dass selbst ein vor sich hinglimmendes Kaminfeuer aufwühlender ist. Worüber regen sich die Herren eigentlich auf?
Nun, es ist ein Buch seiner Zeit und moralisch-christliche Entrüstung ist für mich einfach nicht nachvollziehbar, tut mir leid. Denn selbst die wird nur am Rande erwähnt. In erster Linie geht es um das Versteckspiel, dem ein paar Männer auf die Spur zu kommen scheinen, aber erst durch den Tod erfährt der Rechtsanwalt, und damit der Leser/Hörer, was wirklich vor sich geht. Und dann ist Schluss.

Nein, mir kam die Geschichte zu altbacken daher, hatte zu wenig Tiefe und zu viele farblose Gestalten.
Und auch der Stil ist meiner Meinung nach blass und ohne eine gewisse Eleganz.
Sehr enttäuschend!

Empfehlung?
Wenn man unbedingt die Originalgeschichte lesen oder hören möchte, ist dies wahrscheinlich noch die beste Variante.
Wer einen Klassiker erwartet, der Einblicke in das Denken der Zeit ermöglicht, wird hier im gewissen Maße sicherlich bedient.
Wer jedoch ein Meisterwerk der Weltliteratur sucht, ist meiner Meinung nach hier so richtig falsch!

Saphirblau – Kerstin Gier

gebundene Ausgabe

So, der zweite Band der Edelstein-Trilogie. Gut, wenn man ihn gleich nach dem Lesen des ersten zur Hand hat.

Wenn ich den ersten Teil schon gut fand, so ist der zweite Teil wirklich noch besser. Allein wegen des Wasserspeiers lohnt es sich, was sich jetzt vielleicht seltsam anhört, aber lest einfach selbst.

Ernsthaft, Frau Gier bleibt ihrem Stil absolut treu und scheucht Gwen durch die nächsten Abenteuer, dass es richtig Spaß macht – und spannend ist es auch noch. Nicht im Thriller-Sinn, aber einfach so, man will halt wissen, wie es weitergeht, und wer nun wirklich der Böse ist und wer der Gute.

Was mich stört ist die Zusammenfassung des ersten Teils, die nicht immer korrekt ist. In der Erinnerung haben sich wohl kleine Missverständnisse eingeschlichen, die beim zeitnahen Lesen leider auffallen. Auch sind diese ‚Rückblenden’ eher lästig. Bei Fortsetzungen bin ich schon öfter darauf gestoßen und ich finde sie im Großen und Ganzen überflüssig.
Wenn ich eine Reihe nicht in einem Rutsch lesen kann, dann lese ich die ersten Bände halt noch mal, aber meist reicht der Klappentext.
Ein Beispiel: natürlich weiß ich, wenn ich mit ‚Saphirblau’ anfange, dass Gwen durch die Zeit reisen kann, und ich kenne Charlotte und Leslie. Warum muss so etwas noch einmal ausführlich erklärt werden?

Empfehlung?
Wer bei der Hälfte von ‚Rubinrot’ merkt, dass er einfach mehr wissen will, sollte sich diesen Band unbedingt sofort besorgen. Die Bücher enden nicht mit Cliffhangern sondern quasi mitten im Satz!
Und um Himmels Willen sollte man bei diesen Büchern unbedingt die Reihenfolge einhalten, Quereinstieg ist vollkommen sinnfrei!
Ansonsten: gute Unterhaltung!

Rubinrot – Kerstin Gier

Gebundene Ausgabe

Ein Buch mit einem rosafarbenen Einband in meinem Haushalt?
Eigentlich undenkbar.
Aber ich habe nun einmal eine kleine, völlig unerhebliche Vorliebe für Zeitreise-Romane. Und weil die nun nicht so oft vorkommen, wie es hier inzwischen den Anschein hat, äh, ich bin schwach geworden.

Kerstin Giers Stil hat mir schon bei anderen Büchern gefallen, sie schreibt locker-flüssig, ihre ‚Heldinnen’ sind selbstkritisch und machen sich gerne über sich selbst lustig, auf eine Art, wie man es selbst wohl auch oft tut. Dabei ist es auch egal, ob es sich um ein ‚Erwachsenenbuch’ oder wie bei dem hier vorliegenden um ein Jugendbuch handelt.

Vor einiger Zeit hatte ich dieses Buch schon einmal in der Hand und war erstaunt über die buchbinderische Kunst. Es ist wirklich ein Buch, das man gerne anfasst – ausnahmsweise mal etwas, das mir meinen geliebten kindle ein wenig abspenstig machen könnte.

Aber nun zu dem Inhaltlichen.
Es ist eine nette Geschichte mit einem gehörigen Schuss Phantasie, aber doch nicht so abgedreht, dass es mich schocken würde. Die Charaktere sind gut dargestellt und manche könnte man richtig gern haben. Andere nicht, aber das ist durchaus gewollt.

Empfehlung?
Gute Unterhaltung, die auch bei ‚Erwachsenen’ noch den richtigen Nerv trifft – leider macht die Geschichte auch extrem süchtig, weil sie quasi mittendrin endet (zum Glück habe ich alle drei Bände, ich wäre sonst die Wände hochgegangen).

Zwei Dinge stören mich jedoch gewaltig.
Zum einen der meiner Meinung nach sehr hohe Preis, die paar Seiten hatte ich innerhalb eines Tages durch, da sind mir knapp 14 € einfach zuviel. Obwohl sich die Ausstattung wirklich sehen lassen kann, aber soviel ist mir das nun doch nicht wert. Ich könnte mir vorstellen, dass es irgendwann mal eine Taschenbuchausgabe gibt, oder so viele gebrauchte Bücher, dass es nicht mehr abschreckt.
Zum zweiten gibt es keine ungekürzte deutsche Hörbuchfassung (nur eine englische, ich hab mal reingehört und die Stimme erinnerte mich an meine Sprachlaborzeiten, eher gruselig). Ich habe Frau Gier angeschrieben, aber natürlich noch keine Antwort erhalten.

Freitag, 24. Februar 2012

Zwischenspiel

Eigentlich wollte ich heute zwei ausstehende Rezensionen schreiben, allerdings kam etwas dazwischen!
Lezte Nacht erreichte mich ein mail von amazon, die mich als Vine-Tester haben wollen.

Das Prinzip ist relativ einfach: nachdem ich nach meinen Vorlieben befragt wurde, bekam ich eine Liste mit Artikeln, aus denen ich mir zwei aussuchen durfte. Die werden mir dann irgendwann nächste Woche zugeschickt, ich muss sie 'testen' und dann eine Rezension schreiben.

Ich entschied mich für zwei Bücher!!!!! (wer hätte das gedacht?)
Eines davon wollte ich sowieso ganz gerne haben, es war mir aber schlichtweg zu teuer und so dringend war es dann auch nicht.
Das zweite, nun, das wird eine Überraschung!

Jetzt bin ich ziemlich aufgeregt und gespannt - und frage mich, wie lange ich Tester sein darf.

Warum die mich ausgesucht haben, weiß ich nicht, ich schreibe eher selten Rezensionen auf amazon, wofür habe ich schließlich meinen blog? Aber es ist einfach toll!

Ich werde berichten!

Mittwoch, 22. Februar 2012

Revenge – Douglas Preston / Lincoln Child

Audible, ungekürzt, gelesen von Detlef Bierstedt

Wenn man die Romane von Preston/Child mag, mag man natürlich auch dieses Buch, obwohl es nicht so wissenschaftlich-lastig ist und auch nicht mythisch oder sonst etwas, was in den anderen Büchern oft eine große Rolle spielte. Nein, es geht auch hier ganz speziell um Spezialagent Pendergast. Und man ahnt es schon, der nächste Band wird auch der letzte sein. Hoffentlich.
Auch hier verknüpfen sich einige Fäden, die ein oder andere Person aus der Vergangenheit taucht auf (um gleich wieder zu verschwinden? Hoffentlich nicht!). Und das Ende ist einfach keines.

Empfehlung?
Ich weiß nicht, ob ich dieses Buch wirklich gebraucht habe. Aber die ganze Geschichte braucht es. Und so warte ich jetzt gespannt auf den nächsten (und hoffentlich letzten) Teil, damit ich abschließen kann.
Und dann werde ich wohl alle Teile noch einmal hören! In der richtigen Reihenfolge!

Dann muss es Liebe sein – Cathy Woodman

Kindle

Der Fall war tief, oh ja.
Eben noch umgeben von wundervollen Charakteren und noch wundervolleren Satzkonstuktionen, und schon in einem dahingestümperten Geschreibsel einer sicherlich erfolgreichen Autorin, die weder von dem, was sie schreibt, noch wie sie es schreibt, auch nur die blasseste Ahnung hat.
Den ersten Band (Stadt, Land, Kuss) fand ich irgendwie gut, weshalb ich natürlich auch die Fortsetzung lesen wollte. Aber hier fallen die schriftstellerischen Fehlleistungen so eklatant auf, dass es mich würgte. (Vielleicht einfach auch im direkten Vergleich mit ‚Die Landkarte der Zeit’)

Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, was ein ‚gutes’ Buch ausmacht.
‚Es ist, als ob die jemand gegenüber sitzt und dir die Geschichte erzählt’ – hat meine Mutter mal gesagt, und ich glaube, so unrecht hatte sie damit nicht.
Ein Autor, der es schafft, dass man vergiss, ein Buch in der Hand zu haben, der einen hineinführt in seine Gedanken und Vorstellungen, ohne dass einem noch auffällt, wo man ist, dass der Rücken und die Hände schmerzen, der hat seine Arbeit gut gemacht. ‚Eintauchen’ in eine Geschichte, ‚Dabeisein’, die Kälte oder die Hitze spüren, vergessen, wo man ist, mitfiebern, noch einen Abschnitt lesen zu wollen, und noch einen, obwohl man eigentlich…

Bücher sollen genau das, neue Welten eröffnen, neue Gedanken denken – und vergessen lassen, was gerade eigentlich Realität ist.

Ein Buch, bei dem man ständig über die verwendete Zeitform stolpert, über Unstimmigkeiten oder sogar grobe Fehler, kann das einfach nicht leisten.

Empfehlung?
Die Bücher von Cathy Woodman haben sicher für andere Leser ihre Daseinsberechtigung, für mich aber nicht! Dafür ist mir meine Zeit inzwischen zu kostbar!

Sonntag, 19. Februar 2012

Die Landkarte der Zeit – Félix J. Palma

Kindle, übersetzt von Willi Zurbrüggen

Und wieder ein Zeitreiseroman!
Aber ein ganz anderer – nämlich ein gut durchdachter, stilistisch wundervoll geschriebener. Ohne logische Fehler (bis auf eine Wortverwechslung, denn ‚später’ ist das Gegenteil von ‚früher’, und wenn man das eine meint….).
Die Melodie der Wörter setzt sich ins Ohr und in das Denken, das ist richtig schön.

Die Geschichte, aufgeteilt in drei Teile, hat ihre Höhen und Tiefen, und ich hatte nach eine längeren Pause Schwierigkeit, mich aufzuraffen und weiterzulesen. Doch das gab sich nach ein paar Sätzen und ich tue dem Autor Unrecht, wenn ich ihn der Langatmigkeit bezichtige. Es gehört dazu, dieses Abschweifen. Das wird durch den Stil mehr als ausgeglichen.

Und ein Wort wie ‚Sterbegetue’ bleibt haften, versprochen.
Ganz zu schweigen von der ‚blödsinnigen Szene’, die ich drei Mal gelesen habe, weil sie so wunderbar blödsinnig ist. So viel Mut muss man erst einmal haben, selbst Erdachtes als blödsinnig einzuleiten.

Félix J. Palma (und auch der Übersetzer, deshalb erwähne ich ihn) hat ein Werk geschaffen, das seinesgleichen sucht.

Empfehlung?
Meiner Meinung nach der beste Zeitreise-Roman, den ich je gelesen habe (und davon gibt es einige). Inhaltlich und in der Umsetzung absolut kein Einheitsbrei, und man muss schon ganz genau aufpassen, um sich nicht zu verlieren.
Bestimmt kein einfaches Buch, aber davon gibt es mehr als genug.


Und es bestätigte sich meine Befürchtung, denn das (einfache) Buch, das ich jetzt gerade lese, ist doch arg simpel im Gegensatz zu diesem Meisterwerk. Und seltsam gehetzt!
‚Die Landkarte der Zeit’ hat mich wohl für einen Moment in ganz andere literarische Höhen gehoben. Und der Sturz schmerzt!

Mittwoch, 15. Februar 2012

Die Insel der besonderen Kinder – Ransom Riggs

Audible, ungekürzt, gelesen von Simon Jäger

Da ich nie den so genannten Klappentext lese, jedenfalls nicht komplett sondern nur die ersten zwei, drei Sätze, war dieses Buch doch eine ziemliche Überraschung. Denn ich hatte mir eine ganz falsche Vorstellung gemacht.

Also fängt die Geschichte an und ich frage mich ‚äh, nun, was soll das jetzt?’. Vater-Sohn-Großvater-Konflikt, oder was? Teenager-Selbstfindung?

Ja, ‚Die Insel der besonderen Kinder’ ist eine ungewöhnliche Geschichte, die ganz normal anfängt und in der man langsam herangeführt wird an das Phantastische. Absolut nachvollziehbar auf irgendeine Art und Weise.

Empfehlung?
Trotz der Aufregung zwischendurch ein ruhiges Buch, das ein Kaleidoskop an Außergewöhnlichem in sich trägt. Überraschende Wendungen inbegriffen – und die Erkenntnis, dass nichts immer so ist, wie es scheint.
Ich mag es.
Auch geeignet für Hörer/Leser, die es nicht allzu abgedreht mögen.

Dienstag, 14. Februar 2012

Mein wirst du bleiben – Petra Busch

Audible, ungekürzt, gelesen von Lutz Riedel

Wieder ein Krimi mit viel Psychologie und menschlichen Verstrickungen.
Leider nicht so gut und fesselnd wie der erste Teil ‚Schweig still mein Kind’. Fand ich jedenfalls.
Auch Lutz Riedel liest mir hier zu altbacken, zwar gut und routiniert, aber nicht so, dass sich bei mir wirklich Spannung aufbaut.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, Petra Busch versucht in diesem Buch, eine ähnliche Stimmung wie in ‚Schweig still mein Kind’ darzustellen, doch dazu sind die Charakteren nicht komplex genug.

Empfehlung?
Meine Erwartungen wurden definitiv enttäuscht. Was im ersten Buch einfach genial rüberkam, ist hier eher ein Abklatsch und höchstens als gut zu bezeichnen.
Also nicht wirklich schlecht, aber nicht so, wie man es hätte erwarten können.

Donnerstag, 9. Februar 2012

Erlösung – Jussi Adler-Olsen

Kindle

Der dritte und bisher letzte Band (der vierte kommt im Sommer).
Hier hat der Autor mich wirklich überrascht, die Erzähltechnik ist richtig gut und erfordert doch ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit. Szenen- und Perspektivwechsel gab es auch schon vorher, jetzt aber wird auch noch kurzfristig der zeitliche Ablauf geändert, sehr interessant. Und dezent verwirrend.

Inhaltlich fand ich auch diese Geschichte sehr gelungen, wobei es Ähnlichkeiten mit dem ersten Band gab, die für mich noch einmal ein bestimmtes Gefühl von Mitgefühl und Beklommenheit verstärkt haben.

Doch, auch dieses Buch hat mich völlig überzeugt, auch, weil er ohne Wiederholungen auskommt und man nicht ständig über längst vergangene (und selbst gelesene) Ereignisse stolpert.

Empfehlung?
Ich freue mich auf den nächsten Teil – mehr muss ich wohl nicht schreiben, oder?

Lehrerkind: Lebenslänglich Pausenhof – Bastian Bielendorfer

Kindle

Das ist mal ein richtiges Klugscheißer-Buch!
Die Satzkonstruktionen sind haarsträubend kompliziert, die Wortwahl fast noch schlimmer, meine Güte. Da wird mit Fremdwörtern um sich geworfen, als wolle Herr Bielendorfer aller Welt beweisen, dass die Aufzucht durch Lehrer ein so hohes Bildungsniveau mit sich bringt, vor dem jeder halbwegs Gebildete nur kapitulieren kann, in Ehrfurcht natürlich.
Und nur, um dann im nächsten Satz auf Fäkalsprache vom Feinsten zu treffen.
Dabei hatte ich den Verdacht, dass einfach ein paar Worte eingestreut werden, die er selbst nicht richtig reflektiert hat. So wird der ‚Obelisk’ mindestens dreimal erwähnt, und zwar im falschen Zusammenhang, meiner Meinung nach hätte ‚Basilisk’ besser gepasst.

Für den kindle ist dieses Buch ziemlich ungeeignet, da es Textpassagen gibt, die wohl eine handschriftliche Ausführung sein sollen. Die Schrift ist hell und klein (Kontrast und Größe lassen sich nicht verändern) und es schmerzt mit der Zeit gewaltig in den Augen. Der am Ende abgedruckte Brief mit den Anmerkungen des Vaters ist genauso schlecht zu lesen.

Natürlich ist das Buch sehr unterhaltsam, versteht mich hier nicht falsch. Voller netter Anekdoten aus dem Schülerleben (und darüber hinaus).
Ich glaube, Herr Bielendorfer musste einfach den Frust seiner Kindheit und Jugend herauslassen. Das ist ihm gut gelungen. Es wäre schön, wenn er damit auch einen gewissen finanziellen Erfolg hat, schließlich steht die halbe Millionen noch aus.

Mich hat das Buch insoweit berührt, das mein Vater (ebenfalls Lehrerkind und dazu noch Legastheniker) auch mal einen Brief an seinen Vater schrieb und dieses korrigiert zurück bekam (er schrieb ihm glaub ich nie wieder). Und weil ich selbst das dicke Kind war, auf dem alle herumhackten. Dazu noch sozial inkompetent. Nunja, ich gehe eben nicht zum Klassentreffen und mag mich auch nicht an meine Schulzeit erinnern.

Empfehlung?
Man muss schon ziemlich genau hinschauen, um etwas über den Menschen Bastian Bielendorfer zu erfahren, auf den ersten Blick ist er ein arroganter Besserwisser, der sein ‚Scheitern’ in Satzkonstrukten versteckt – und sich selbst wahrscheinlich viel zu kritisch sieht.
Für Alle, die schon immer wissen wollten, wie man sich als unbeliebter Schüler fühlt, kann dieses Buch sicher hilfreich sein, die wahren Tiefen der Verzweiflung findet man hier jedoch weniger. Dazu wird einfach zuviel ins Lächerliche gezogen.

Jeder Autor hat das Recht darauf, seine Geschichte so zu erzählen, wie er es für richtig hält.
Bastian Bielendorfer hat einen Weg gefunden, der bei mir Unbehagen ausgelöst hat. Aber es ist sein Befreiungsschlag, nicht meiner!

Sonntag, 5. Februar 2012

Für alle kindle-Besitzer!

Wenn Ihr auf der Suche nach kostenlosen kindle-Büchern seid und Mut habt, dann hab ich heute einen Tipp für Euch:
auf der amazon-Seite auf 'kindle ebooks' gehen, dort auf 'Kundendiskussion' und dann den Thread 'Aktuelle kostenlose deutsche Kindlebücher' anklicken.
Am besten ganz hinten anfangen, weil viele Bücher nur sehr kurz gratis sind.

Die dort genannten Bücher sind meist unbewertet, d.h. keiner weiß, was auf einen zu kommt. Aber zum Reinlesen hat wohl kaum einer Zeit, also einfach bestellen, löschen kann man immer noch!
Ich glaube aber fest daran, dass man auch auf einige 'Schätze' stößt!

Wenn Ihr keinen kindle haben solltet aber ein amazon-Konto und ein Smartphone (PC geht natürlich auch), einfach App runterladen und schon kann es losgehen. Ich habe schon einige Bücher auf meinem Handy gelesen, so schlimm ist das gar nicht.

Es gibt übrigens auch einen Thread für englische Bücher (ebenfalls gratis)!

Also, ran an die Bücher und viel Spaß beim Lesen!

Samstag, 4. Februar 2012

Schändung – Jussi Adler-Olsen

Gebundene Ausgabe

Wow, hier geht es richtig zur Sache und ist an Brutalität in meinen Augen kaum zu überbieten. Ja, es ist regelrecht abartig! Hat mir nicht so richtig gefallen – gehört aber leider zur Geschichte.
Obwohl auch hier wieder durch Charakterstudien erklärt wird, warum, finde ich die Vorstellung, dass es solche Menschen in den beschriebenen Positionen wirklich gibt, erschreckend, nein, geradezu widerwärtig. Vielleicht in irgendwelchen fernen Diktaturen, gut, das kann sein. Aber in Dänemark? Pfui Teufel!
Aber auch Kinderschänder wohnen schließlich auch nicht auf einem fernen Planeten.
Menschen sind schon eine ganz spezielle Spezies.

Empfehlung?
Meiner Meinung nach nichts für schwache Nerven, allerdings insgesamt ein Buch, das gerade am Ende irgendwie versöhnt.
Ansonsten spannende, fundierte Unterhaltung mit Protagonisten, die einem so richtig ans Herzen wachsen können (und es auch tun) – und um Klassen besser, als andere Bestseller.

Erbarmen – Jussi Adler-Olsen

gebundene Ausgabe

Und wieder so ein skandinavischer Krimi, dachte ich noch.
Tja, das ist er, ein dänischer Krimi, sorry, Thriller durch und durch. Allein die Namen haben was von vergangenen Urlauben *seufz*
Und dann, plötzlich und ziemlich unerwartet (höchstens der Erfolg des Buches hätte mich warnen sollen) war ich so mitten drin, lachte an den humorigen Stellen, war gebannt von den spannenden, habe mitgefiebert, war erst enttäuscht, dann doch beruhigt.

Der Blick in die Tiefen der menschlichen Psyche war nachvollziehbar, wenn auch gelinde gesagt seltsam.

Empfehlung?
Ja, tatsächlich ein Buch, das mich wirklich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert hat – einfach, weil dieser Carl so eine Type ist, Assad sowieso, der Charakter vielschichtig und ab und zu erschreckend anders, als man ihn vorher eingeschätzt hatte. Das macht Spaß und ein gutes Buch aus.
Und ja, ich will mehr wissen!


Mittwoch, 1. Februar 2012

Der Weihnachtshund – Daniel Glattauer

Taschenbuch, geliehen

Was mich an diesem Buch absolut fasziniert hat war nicht der Inhalt, der war lustig bis ärgerlich. Nein, der Stil war irgendwie, also er erinnerte mich an…

Habt Ihr mal Bücher aus dem Regal Eurer Eltern in den Fingern gehabt? So etwa aus den 50er und 60er?
Und habt Ihr Euch dabei köstlich amüsiert? Wegen der Nostalgie und einer gewissen ausgewählten Ausdrucksweise, irgendwie antiquiert?
Hat es Euch gefallen?

Nun, dann seid Ihr bei diesem Buch genau richtig. Natürlich ist es manchmal derb – das kam bei den älteren Schätzen natürlich nicht vor – aber ansonsten könnte man meinen, das Buch wäre locker 50 Jahre alt. Nun gut, da ist noch die Sache mit den E-Mails, die einen dann in die Gegenwart holt.

Empfehlung?
Lockere Unterhaltung (mir tut nur der Hund so leid!) für einen grauen Tag, die durch ihre stilistische Ausrichtung erfreulich aus der derzeitigen Norm hervortritt.
Die Geschichte selbst hat mir persönlich nur gezeigt, dass ich keine Probleme habe, nein, wirklich nicht.