Donnerstag, 31. Mai 2012

Durch stürmische Zeiten – Lesley Pearse


Taschenbuch

Historische Romane haben den Vorteil, dass man viel über geschichtliche Dinge erfährt, ohne sich mit trockenen Fakten herumschlagen zu müssen. So ist es auch in diesem Buch. Anhand des Schicksals einer Frau wird hier sehr anschaulich beschrieben, wie das Leben um 1786 in England und auch in Australien war. Als Mitglied des ersten Gefangenentransports, der nach dem noch sehr unbekannten Australien losfuhr, leidet man beinahe hautnah mit Mary.
Hätte die Autorin auf die ständige Hervorhebung der ach so guten Charaktereigenschaften verzichtet und sich dazu noch einer etwas gehobeneren Ausdrucksweise bedient, wäre es ein vollkommener Genuss gewesen. Soweit man von Genuss sprechen kann, wenn es um wirklich schreckliche Zustände, und Umstände, geht. Insgesamt hat mich diese Geschichte jedoch fasziniert. Das Nachwort erklärt dann auch, warum Lesley Pearse Mary, und auch ein paar andere, so beschreibt, wie sie es tut. Es geschah aus Sympathie und Bewunderung. Gut, dann ist das in Ordnung.

Eine Botschaft des Buches möchte ich hier zitieren: So lange ich atme, wird mich die Hoffnung nie verlassen.
Diese absolute Überlebenswille und dabei noch der Wunsch, moralisch mehr oder weniger einwandfrei zu sein, in einer Gesellschaft, in der einfach nur das Gesetz des Stärkeren zu herrschen scheint, ist immer wieder erhellend. Immer hat es Menschen gegeben, die sich auch um andere gekümmert haben – und immer hat es solche gegeben, die nur sich selbst sahen. Schmarotzertum ist keine Erfindung der heutigen Zeit. Und manchmal müssen Dinge einfach getan werden.

So geht es also auch in diesem historischen Roman um eine starke Frau. Eine Frau, die ihren Weg geht und zwar aufrecht. Natürlich ist vieles historisch belegt, aber ich frage mich doch zuweilen, inwieweit die dichterische Freiheit hier phantasiert. Oder um es anders auszudrücken: ich würde gerne einen Blick riskieren in diese Vergangenheit. Und ein größeres Kompliment kann man wohl keinem Autor machen. Lesley Pearse hat eine Geschichte niedergeschrieben, in die ich gerne eingetaucht bin. Trotz des Entsetzens und des Ekels.

Fazit?
Der simple Stil hat mich zeitweise gestört, auch die Wiederholungen.
Ansonsten ist es ein gut zu lesendes historischer Roman, der viel Wissen vermittelt ohne schulmeisterhaft zu sein. So macht Geschichte neugierig.

Kaufrausch!

Da war ich den ganzen Tag so unruhig, also dachte ich mir, ich müsste mal raus in die Stadt. Und nachdem ich mir endlich das Armband gekauft hatte, mit dem ich schon seit letztem Jahr liebäugelte, ging ich in eine Buchhandlung. Ganz böse Tat, fürwahr!

Nach dem Kriterium Cover habe ich folgende Bücher erstanden:

Flügel Schlag – Jeanine Krock


Wind der Zeiten – Jeanine Krock


Die Differenz Maschine – William Gibson & Bruce Sterling


Eternity - Meg Cabot


Hexenfluch – Lynn Raven



Nein, Scherz beiseite, ich habe nicht nur nach dem Cover ausgesucht. Ich habe, wie es meine Art ist, den Klappentext quergelesen und dann noch die ersten Sätze des jeweiligen Buches überflogen.

Der Junge im gestreiften Pyjama – John Boyne


Dieses Buch habe ich schon öfter irgendwo gesehen, aber mich nicht so recht getraut. Nun ist es meins und ich werde mich daran begeben. Später.

Welpenalarm – Frauke Scheunemann


Davon habe ich den ersten Teil gelesen, der zwar, was den Hund als solches betrifft, hanebüchen ist, aber mir ansonsten gut gefallen hat.

Es ist unglaublich, wie befriedigend es ist, so viel Geld für völlig nutzlose Gegenstände auszugeben, die einen weder nähren noch wärmen noch in irgendeiner Weise nützlich sind.
Außer dem Geiste.
Irgendwie…

Innerlich ruhig und gelassen freue ich mich still vor mich hin.

Und sollte jemand Lust haben, bei einem der von mir erstandenen Bücher eine Leserunde zu veranstalten, ich bin dabei!

Mittwoch, 30. Mai 2012

Die Tatortreinigerin – Antje Schendel


Taschenbuch

Zugegeben es war purer Voyeurismus, der mich dazu trieb, dieses Buch zu lesen. Natürlich erwartete ich gruselige Geschichten über Tatorte und Leichen, Blut und andere Körperflüssigkeiten. Und die gibt es. Ein paar wenigstens. Aber all diese Geschichten kennt man aus Reportagen, Filmen, Serien, Büchern. Nichts Neues für jemanden, der sich in einschlägigen Genres bewegt.
Ansonsten bietet dieses Buch die Lebensgeschichte einer Frau, die unbeirrt ihren Weg geht, dabei an ihre Grenzen stößt, aber trotzdem weitergeht. Leider ist Frau Schendel keine gute Autorin, noch nicht einmal eine gute Geschichtenerzählerin. Es ist der Eindruck von einem Menschen, der sich an den Küchentisch setzt und sein Leben aufschreibt. Unreflektiert und literarisch geradezu niveaulos. Und dazu noch ein wenig selbstherrlich.

Was macht also den Reiz dieses Buches aus?
Es lässt sich schnell durchlesen.

Ganz so schlimm ist es nicht.
Im Gegensatz zu den erwähnten anderen Quellen meines Wissens ist es wohl realistisch, was diese Frau über Tatorte schreibt. Das finde ich gut und erhellend. Keine neuen Erkenntnisse, nein, das stimmt nicht. Mir war nicht klar, dass sich ein toter Körper so sehr verflüssigt, dass er durch die Decke tropft. Also nicht viele neue Erkenntnisse, aber die Bestätigung dessen, was man vielleicht bislang gerne als Fiktion abgetan hat.
Aber wie geschrieben, diese Beschreibungen sind eher dünn gesät.
Und ich frage mich, inwieweit es mich wirklich interessiert, was Frau Schendel so an Beziehungen in ihrem Leben hatte. Oder wie wunderbar ihre Tochter ist. Dann hätte der Titel (und der leidige Klappentext) wohl auch anders lauten müssen.

Fazit?
Frau Schendel zeigt einen sehr professionellen Umgang mit ihrem Beruf. Und den soll sie ruhig weiter ausüben. Nur Bücher sollte sie nicht schreiben. Wenigstens keine Erfahrungsberichte mit persönlicher Note.

Dienstag, 29. Mai 2012

In eigener Sache

Von Anfang an habe ich mich damit beschäftigt, ob ich in meinen Rezensionen Klappentexte oder Inhaltsangaben einfüge.
Ich habe mich immer wieder dagegen entschieden.

Erstens fließt der Inhalt sowieso immer irgendwie in eine Rezension ein.

Zweitens habe ich mehrfach festgestellt, dass Klappentexte in Wahrheit wenig oder gar nichts mit dem Inhalt zu tun haben.

Drittens verraten sie oft viel zu viel vom Inhalt. Da ich selbst Tausende von Büchern gelesen habe, reicht es oft, zwei, drei Eckdaten zu haben und ich weiß zuviel über den Inhalt. Das verdirbt mir den Spaß.
Klassisches Beispiel ist hier der Liebesroman: Frau lernt netten Mann kennen und lieben, der hat jedoch einen bösen Bruder.
Jedem ist wohl klar, wen sie am Ende heiratet, oder?

Wenn ich mir normalerweise ein neues Buch aussuche, lese ich vielleicht ein oder zwei Sätze des Klappentextes quer. Damit steht das Genre fest. Dann schlage ich das Buch auf und lese die erste Seite. Wenn ich umblättern will, um zu erfahren, wie es weitergeht, hat das Buch seinen Platz bei mir gefunden. Das kann ziemlich in die Hose gehen ;)

Dadurch, dass mir immer wieder Bücher ‚zulaufen’, ich sie geschenkt oder geliehen bekomme, habe ich mir schlussendlich einen anderen Weg ausgesucht: ich lese sie einfach!
Manchmal ist das eine ziemliche Quälerei, zugegeben, aber ich habe so auch schon ein paar Glücksgriffe gelandet. Bücher, die mich weder vom Genre interessiert noch die eine-Seite-Leseprobe überstanden hätten, entpuppten sich als fesselnde Lektüre. Letztes Beispiel dafür: Vampire Souls.

Und Bücher, die mir von allen Seiten empfohlen werden, die nur gute Bewertungen bekommen haben, auf die ich mich freute, haben mich dann doch eher enttäuscht. Vielleicht, weil ich unbewusst sehr viel mehr erwartet hatte. Letztes Beispiel dafür: Zorn – Regen und Tod.

Seit ich den kindle habe, fällt mir immer wieder auf, dass ich gedruckte Ausgaben auch nach einem anderen Kriterium aussuche: die Haptik. Bewusst geworden ist mir das bei der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier. Es hat mir einfach Spaß gemacht, diese Bücher in den Händen zu halten. Natürlich hat das erst einmal nichts mit dem Inhalt zu tun, aber es unterstützt den positiven Eindruck der Geschichte.

Lesen ist eine sehr subjektive Sache, manchmal spielen verschiedene Faktoren mit, manchmal nur ein einziger. Manche Genre liegen mir mehr als andere, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass Bücher mehr sind als die Eckdaten. Wenn ich spüre, der Autor hat sein Herzblut in die Geschichte gelegt, kann sich gut ausdrücken und Atmosphäre schaffen, dann ist es egal, ob es sich um einen Krimi oder um einen historischen Roman handelt. Dann geht es um die Kunst des Schreibens und weniger um den Inhalt. Und ich möchte jedem, der meine Rezensionen liest, ermöglichen, eben diesen Inhalt selbst zu entdecken.

Deshalb werde ich auch in Zukunft darauf verzichten, Klappentexte und Inhaltsangaben zu kopieren und einzufügen.

Verleumdung – Bødker & Bruun



Taschenbuch

Der reißerische Klappentext hat wieder einmal wenig mit dem Inhalt zu tun, ein Grund mehr, weshalb ich auf die Wiedergabe verzichte.
Denn es geht vielleicht noch um zwei böse Frauen und eine dritte, die so dämlich ist, zwischen die Fronten zu geraten.
So ist dieses Buch auch eher eine betuliche Beschreibung einer Handlung, die spannend sein könnte, es aber nicht ist. Ab Seite 200 hatte ich für eine Weile das Gefühl, das könnte sich ändern, aber nein, es bleibt betulich und langweilig.

Linnea und Thor, die Hauptdarsteller in diesem Drama, sind bestenfalls durchschnittlich, im Grunde aber nur langweilig, obwohl sie mit interessanten Lebensläufen ausgestattet werden. Aber trotzdem sind sie mir eher unsympathisch und bleiben uninteressant. Ich meine, wie oft hat man es noch mit dieser Art Paarung zu tun, wie oft müssen gewisse Klischees noch herhalten und wann, um Himmels Willen, hören inkompetente Frauen endlich auf, sich in Situationen zu bringen, bei denen jedem halbwegs intelligenten Menschen von Anfang an klar sein muss, was daraus wird? Für wie blöd halten Autoren eigentlich ihre Leser?

Mit den ‚Bösen’ ist es noch viel schlimmer. Kritische Themen wie Krieg, Folter und der Diebstahl von Kulturerbe werden so, ja, ich wiederhole mich, betulich rübergebracht, dass es wie die tausendste Wiederholung einer Dokumentation im öffentlich-rechtlichen TV rüberkommt. Ja, ja, wie schrecklich, aber was betrifft es mich? Das wirkliche Trauma kommt in keinem Fall rüber, die persönliche Bindung ist nicht existent. Und was soll dieses Schwelgen in den Attributen von Killermaschinen? Wer braucht das? Langsam finde ich so etwas nur noch abgeschmackt und blödsinnig.

Fazit?
Dieses Buch zieht sich nicht nur wie Kaugummi, es wird geradezu zugrunde gerichtet von dem unsäglichen Stil einer Vorabendserie.
Es ist wirklich schade um das Thema. Und irgendwie auch um die Charaktere.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Der Leichensammler – D.E. Meredith

Audible, ungekürzt, gelesen von Martin Kautz

Ein verwirrendes Buch. Und nicht einfacher zu verstehen durch die ungelenkte Art von Martin Kautz, es vorzulesen. Sinnentstellend wird betont oder es werden Pausen mitten im Satz gemacht. Nein, daran habe ich mich nicht gewöhnt und bis zum Schluss blieb eine leichte Irritation und das Gefühl, nicht eintauchen zu dürfen in diese Geschichte.
Dabei ist sie inhaltlich äußerst interessant und ein detailgetreu gezeichnetes Gemälde einer Zeit im Umbruch. Denn der Hörer wird erst einmal auch auf eine völlig falsche Fährte gebracht. Die Auflösung war überraschend für mich – und das hat mir Spaß gemacht.
Mit den beiden Forensikern hat D.E. Meredith zwei Figuren geschaffen, die begeistern können. Mehr von ihnen zu lesen bzw. zu hören, würde mir gefallen. Vielleicht schafft es Martin Kautz dann auch, sich nicht nur in die einzelnen Charaktere hineinzudenken – das gelingt ihm wirklich gut – sondern auch flüssig und sinnvoll zu lesen.

Fazit?
Eine interessante Geschichte mit spannenden Momenten. Aber vor allem ein tiefer Einblick in das Denken im 19. Jahrhundert, gut recherchiert und gut ausgedrückt. Kein bloßer Thriller ohne Tiefgang. Mir hat das gefallen.

Dienstag, 22. Mai 2012

Nachtrausch - Jeri Smith-Ready



Taschenbuch



Der erste Teil der Vampire-Souls-Reihe.
Erwartet hatte ich eine weitere Vampir-Liebesgeschichte auf unterem Niveau, also ein weiteres Büchlein, das auf der Biss-Welle reitet. Plüschig-rosa mit starkem Hang zum Weichspüler.
Und dann der Schock: die Gegenwartsform!
Was ist das bloß für eine Mode?
Geschichten schreibt man in der Vergangenheitsform, äh, ja, ich schrieb darüber.
Nun war das Buch aber nun mal da und ich musste es lesen.

Insgeheim freute ich mich schon auf einen schönen Verriss.

PUSTEKUCHEN!

Ich finde es gut!

Jeri Smith-Ready erzählt so fröhlich-locker, ihre Charaktere sind so anders, es macht einfach Spaß, diese Geschichte zu erfahren. Die Ich-Erzählerin ist geradezu ein Antiheld, die Vampire sind ganz anders als alle bisherigen, die wirklich dezent gehaltenen Sex-Szenen haben mich ein wenig verwirrt (ich habe bei der Arbeit gelesen, das war nicht gut!), die Geschichte ist spannend und interessant und auch noch (einigermaßen) glaubwürdig. Eine wunderbare Unterhaltung. Und mal ganz unter uns, habe nur ich ein wenig Betsy Taylor erkannt?
Ich war so sehr in der Geschichte, dass mich diese blöde Zeitform auch nicht mehr gestört hat.
Fasziniert haben mich auch die genannten Musiktitel, manchmal hatte ich das Gefühl, dass ein paar Szenen nur geschrieben wurden, weil die dazugehörigen Musiktitel einfach in das Buch mussten. Und das Ciara eben Ciara heißt, weil…
So spürt man die Liebe zur Musik, und damit auch zu den Interpreten und den Gefühlen der Generationen. Und natürlich zu den einzelnen Figuren. Die inneren Konflikte sind so nachvollziehbar, so durchdacht, dass ich regelrecht mitgelitten habe. Und nicht nur bei der Sache mit dem Scheck.

Gestört hat mich die Ausdrucksweise der aktuellen Zeit. Sollte jemals jemand zu mir ‚endgeil’ sagen, werde ich denjenigen wohl fragen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Das geht mal gar nicht.
Oder bin ich zu alt?

Fazit?
Endlich wieder ein Vampirroman nach meinem Geschmack. Kein Mainstream, sondern eine ganz tolle, eigenständige Idee, wunderbar umgesetzt mit glaubwürdigen Charakteren. Ich freue mich auf die Fortsetzung!

Montag, 21. Mai 2012

Méto Das Haus – Yves Grevet

Gebundene Ausgabe

Ein Jugendroman, der sich durch seinen Stil von der Masse abhebt.
Geschrieben ist er in der Gegenwartsform, was ich überhaupt nicht mag. Statt ‚ich ging’ steht da ‚ich gehe’. Für mich persönlich müssen Bücher in der Vergangenheitsform geschrieben sein, punktum. Ausnahmen sind Epiloge, kurze Einschübe oder auch teilweise als Heraushebung der Dringlichkeit oder so. Aber ein ganzes Buch, puh, das empfinde ich als sehr störend.
Weiterhin ist die Sprache sehr einfach. Kurz und knapp, einfache Worte, nicht der Hauch von Poesie. Das jedoch passt gut zum Inhalt. Irgendwie ist Alles grau und trostlos. Das Haus eben.

Und inhaltlich?
Wieso haben alle Personen lateinischen Namen, nur Méto nicht? Diese Frage hat mich wirklich beschäftigt. Und diese Mischung aus absoluter Brutalität und seichter Pädagogik (lass uns drüber reden) verstehe ich auch nicht so ganz.
Yves Grevet hat eine Parallelwelt geschaffen, die ihre eigenen Gesetze und Regeln hat, teilweise unverständlich, teilweise kommt es mir bekannt vor. Man kann ahnen, worauf es hinausläuft. Irgendwie zuviel George Orwell, um wirklich neu zu sein.
Aber natürlich will ich wissen, wie es weitergeht.

Fazit?
Ein kleines Büchlein, das einen gewissen Reiz ausübt, mich aber nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen lässt.

Meine Erfahrungen als Vine-Produkttester

Jawohl, amazon.de hat mich ausgewählt!
Ich bin seit Ende Februar Produkttester.
Zuerst gibt es einen Restenewsletter, in dem ich das Buch finde, das mich wirklich interessiert. Mann, bin ich glücklich. Also schnell bestellt und gelesen, und weil es ja umsonst ist, muss auch noch ein zweites her.

Anfangs funktioniert das so: am ersten und am zweiten Donnerstag kommt ein Newsletter mit ganz unterschiedlichen Produkten heraus, man kann jeweils zwei Sachen bestellen und sie dann möglichst zeitnah rezensieren. Bevor man etwas Neues bestellen darf, muss man mindestens 75% rezensiert haben. Manchmal werden die Rezensionen auch nicht sofort freigeschaltet. Also ist das ersteinmal eine ganz schöne Hektik.
Nach den ersten sechs Büchern kehrte dann aber Mitte März Ruhe ein.

Aber weil Ruhe fast Stillstand ist, hat sich amazon.de die Letzte Chance ausgedacht. Da kommen die Altlasten rein, unter anderem Haftcreme mit Krümelschutz. Braucht anscheinend niemand von den Testern, inzwischen hoffen alle darauf, dass die irgendwann abgelaufen ist.
Aus diesem Letzte Chance darf man sich so viel aussuchen, wie die Quote hergibt.

Stand am 8. Mai:
25 Produkte erhalten, 21 Rezensionen online.
22 x Bücher
1 x Brotchips
1x Handyhülle
1 x CD (fragt nicht, fragt einfach nicht!)

Schön sind auch die Kommentare aus der Umwelt.
‚Na, wie war das mit dem Wein-Ratgeber?’ Wie bitte?
‚Da testest du also Burgunder und so.’ Nein, eher nicht. Hört sich nur an wie Wein. Schreibt sich v-i-n-e.’ ‚Achso, also fein!’ Ich geb es auf.

Oder die Aussage, dass ich die geschenkten Dinge besser bewerte als wenn ich sie bezahlt hätte. Nein, tue ich nicht. Aus dem Grund, dass ich mich verantwortlich dafür fühle, eine aussagekräftige Rezension zu schreiben. Und weil das bisher alles Dinge waren (vielleicht bis auf die Handyhülle), die man im Grunde nur subjektiv bewerten kann. Entweder mir schmecken die Brotchips oder sie schmecken mir halt nicht. Vielleicht guckt man etwas genauer, ob sich doch nicht noch irgendetwas Gutes findet. Und wenn es das Lesebändchen ist. Aber derjenige, der die Rezension liest, sollte das dann auch so verstehen.

Als Produkttester wird man auch gerne von nicht-hilfreich-Klicks verfolgt. Abstrafen ist wohl das richtige Wort. Nach dem Motto: hey, du hast das umsonst gekriegt und ich nicht, also kriegst du Klicks, obwohl ich gar nicht gelesen habe, was du da geschrieben hast. Ich bin halt neidisch.
Obwohl auch das Gerücht umgeht, dass es Tester untereinander so handhaben.
Bei mir ist das Verhältnis bislang etwa 2 (hilfreich) zu 1 (nicht hilfreich). Damit kann ich leben. Und überhaupt, was interessiert es mich?

Ich bin ausgewählt worden und egal welche Gründe dazu geführt haben, ich freue mich auch weiterhin darüber. Weil es immer schön ist, etwas geschenkt zu bekommen und ich irgendwie mehrmals im Monat Geburtstag habe.

Vielleicht begreift auch irgendwann meine Umwelt, dass ich nicht ständig Weinprobe habe, sondern hauptsächlich Bücher lese, wer weiß.

So ist also das Leben als Vine-Tester bei amazon.de.

Mittwoch, 16. Mai 2012

Leg dich nicht mit Mutti an – Eva Völler

Audible, ungekürzt, gelesen von Dana Geissler

Ein heiterer Frauenroman mit allerlei Problemchen, die ohne Tiefe erzählt werden.

Ich weiß nicht, warum ich immer wieder bei diesem Genre lande, vielleicht hoffe ich auf ein paar richtige Brüller – die kommen nur leider selten. Es plätschert so dahin und egal, wie groß die Probleme im wahren Leben auch sein mögen, in solch einem Buch sind sie doch nur ein Mittel zum Zweck, sprich: es gibt kein Happy End ohne vorherige Kämpfe.

Allerdings haben mir bei all den sorgfältig gelegten Fallstricken, die vorhersehbar auf das Ziel hindeuten, die Beschreibungen der Personen gefallen. Gerade Timo und Helga empfand ich als sehr liebenswert.

Dana Geissler liest routiniert, mir kam es allerdings so vor, als lispelte sie, das wäre mir neu. Der wirkliche Funke sprang aber so oder so nicht über.

Nachdem mir ‚Zeitenzauber’ von Eva Völler sehr gut gefallen hatte, bin ich von ‚Leg dich nicht mit Mutti an’ eher enttäuscht.

Fazit?
Sehr leichte Unterhaltung für einen Sonntagnachmittag, ob auf dem Sofa oder auf der Sonnenliege. Man kann gut dabei wegdösen.

Dienstag, 15. Mai 2012

Als Gott ein Kaninchen war – Sarah Winman

Gebundene Ausgabe

Die Geschichte eines Menschen.
Von der Kindheit an begleitet der Leser Elly, erzählt wird episodenhaft. Manchmal sind die Sprünge schwer nachzuvollziehen, etwas ungeordnet, verwirrend. Und manchmal fehlen auch Namen am Beginn eines Abschnittes, sodass man sich erst zurecht finden muss.
Es ist so, als würde man einer Fremden gegenüber sitzen, die versucht, chronologisch zu erzählen, das aber nicht immer durchhält.
Störend ist das nicht, aber man wird zur Aufmerksamkeit gezwungen. Also kein Buch, das man nebenbei lesen kann, wenn man es wirklich genießen will.

Was mich besonders berührt hat, waren meine eigenen Erinnerungen, die sporadisch auftauchten bei der Nennung weltweiter Ereignisse. Elly ist mir nahe, weil wir fast zur gleichen Zeit leben und Erfahrungen teilen. Natürlich ist mein Leben ein ganz anderes, aber ihre Reise in die Erinnerungen inspirierten mich, mich selbst zu erinnern.

Insgesamt kommt die Geschichte sehr ruhig und bedächtig daher, sorgfältig werden die Charaktere herausgearbeitet und bleiben doch auch oft geheimnisvoll. Es gibt Geheimnisse, die es bleiben. Das ist völlig in Ordnung. So bleiben die Menschen einfach liebenswert (bis auf wenige Ausnahmen) und ein bisschen verschroben. Einfach anders. Auf der anderen Seite ist Elly offenherzig mit so genannten Familiengeheimnissen, genauso, wie man im engen Freundeskreis wahrscheinlich darüber sprechen würde.

Fazit?
Wieder ein Buch, das mich tief berührt hat, weil es eine Lebensgeschichte zeigt, die nachvollziehbar ist und sehr schön erzählt wird. Mit einem Augenzwinkern und einer gewissen Melancholie, aber niemals rührselig. Einerseits distanziert und doch mit sehr viel Gefühl.
Mir gefällt das.

Montag, 14. Mai 2012

BZRK (1) – Michael Grant



Gebundene Ausgabe

Nachdem sich die erste Verwirrung gelegt hatte, zu viele Personen, zu viele Geschichten, war ich mittendrin im Geschehen und in der Nanowelt. Faszinierende Beschreibungen einer Welt, die wir so wohl nie sehen werden, die aber da ist. Das macht für mich den Reiz dieses Buches aus. So bildlich konnte ich mir eine mir fremde Welt selten vorstellen.
Auch die Personen sind zum Teil sehr gute Sympathieträger, oder eben gute Feindbilder.
Und ich habe mitgefiebert bei diesem Kampf, in dem auch die Guten nicht nur gut sind, die Bösen aber schon ziemlich böse.
Hilfreich fand ich, dass ich vor einiger Zeit ‚Der Herr aller Dinge’ von Andreas Eschbach gehört habe. So wusste ich schon einiges über Nanotechnologie. Wobei Michael Grant den Zauber und die Faszination dieser neuen Welt für mich sehr viel überzeugender rüberbringt. Hier geht es nicht nur um die technischen Möglichkeiten, sondern auch um die Schönheit (oder auch Hässlichkeit).

Ob mir dieses Buch als Jugendliche gefallen hätte, möchte ich allerdings stark bezweifeln. Dazu ist es stellenweise sehr verstörend.

Schade, dass es so irgendwie offen endet. Gerade hält man vor Spannung noch die Luft an, da ist auch schon Schluss und man findet sich in der Makrowelt wieder.


Fazit?
Ein wirklich gelungenes Buch, das Lust auf mehr macht. Und das nicht nur, weil es ein erster Teil ist, sondern auch, weil es fasziniert, was alles so möglich ist. Oder zu sein scheint.

BZRK

Sonntag, 13. Mai 2012

Der Hexer und die Henkerstocher – Oliver Pötzsch



Audible, ungekürzt, gelesen von Johannes Steck



Da betreibt jemand ein bisschen Ahnenforschung, trifft auf einen Henker in seiner Verwandtschaft und hat nichts Besseres zu tun, als Bücher über einen Henker und seine Familie zu schreiben. Klingt erst einmal ziemlich blöd, ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil hat mich ein Hörbuch selten so rundum gut unterhalten.
Leider ist es der vierte Teil, mit dem ich da angefangen habe. Was aber die Schuld von audible ist!!!!
Verständlich ist es aber auch ohne Vorkenntnisse.

Die Charaktere sind einmalig einzigartig, angefangen beim detektivisch veranlagten Henker, über die störrische Henkerstocher bis hin zum Bader, der ein ziemlicher Filou zu sein scheint. So mag ich die Helden einer Geschichte, gegensätzlich, kantig und doch liebenswert.
Und Johannes Steck liest ganz wunderbar. Ein bisschen schauspielert er, aber nicht zuviel, und verkörpert so die Geschichte auf faszinierende Weise. Manchmal tritt dabei sogar die eigentlich Handlung in den Hintergrund. Wenn Worte und Stimme so zusammenpassen, dann entstehen Bilder im Kopf – und genau so soll es ja auch sein.

Eine gute Sache also, wäre da nicht dieses Kloster Andechs gewesen, an das ich meine ganz eigenen Erinnerungen habe. Dort war ich nämlich mal eingeschlossen, als Kind, mit meiner Mutter. So war die erste Erwähnung des Ortes auch beinahe, nun, traumatisch wäre wohl übertrieben. Aber ein kleiner Schock war es schon.

Das schöne bei historischen Romanen ist es, dass sie an bekannten und wirklich existierenden Orten spielen und manchmal auch Lust machen, genau diese Orte zu besuchen. So würde es mich schon reizen, aber….

Fazit?
Eine rundum schöne Geschichte. Schade, dass es der vierte Teil ist. Ich würde mir jedenfalls gerne auch die anderen Teile anhören. Und zwar, weil mir die Geschichte, die Personen und der Vorleser gut gefallen haben.

Samstag, 12. Mai 2012

Vergeltung – Julie Hastrup

Taschenbuch

Ein dänischer Thriller, nun ja.
Ich hatte mich wirklich auf dieses Buch gefreut und war dann doch nur enttäuscht. Über viele Seiten lang habe ich mich gefragt, warum es mich nicht packt. Die Geschichte hat doch eigentlich Alles, was es so braucht, um Spannung aufzubauen. Genug Mord und Todschlag, ein gewisses Maß an Brutalität, viele Verdächtige und zwielichtige Gestalten.
Und dann wurde es mir klar: Julie Hastrup schreibt über schwere traumatische Erlebnisse, aber sie fühlt sie nicht. Sie beschreibt innere Konflikte, aber ich als Leser nehme ihr einfach nicht ab, dass sie weiß, wie es sich anfühlt. So habe ich keine Identifikationsmöglichkeiten. Diese Rebekka Holm zum Beispiel, die in ihre Heimatstadt zurückkehrt, um den aktuellen Mord aufzuklären und es dann auch mit ihrem eigenen Toten zu tun bekommt, ist im Grunde nur eine traurige Frau mit einer seltsamen Mutter, und mich ärgert, dass sie dauernd Lebensmittel wegwirft. Und so lange mir das noch auffällt, bin ich nicht in der Geschichte.
Schade um die wirklich gute Idee.
Und was soll das mit diesem Versöhnungstick? So schön das auch ist, so befremdlich wirkt es doch, wenn irgendwie Alles gut ausgeht. Selbst die Opfer haben doch irgendwie… nein, ich will nicht zuviel verraten.

Fazit?
Ein Buch, dessen Geschichte Spannung verspricht, die die Umsetzung nicht hält. Es fehlt meiner Meinung nach eine gewisse Reife der Autorin.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Finding Sky – Joss Sterling



Gebundene Ausgabe

Der erste Band der Reihe ‚Die Macht der Seelen’ hat mich zugegebenermaßen neugierig gemacht. Dieses Seelengefährtenfinden fand ich schon immer spannend, und auch, wenn ich aus dem Thema eigentlich herausgewachsen bin, so kann man ja ab und zu rückfällig werden.
Also nahm ich das Buch in die Hand, schlug es auf und begann zu lesen, zunehmend überrascht davon, wie sehr mich die Geschichte gepackt hatte. Und wie stilistisch einwandfrei sie geschrieben ist.

Natürlich wird es irgendwann ein bisschen kitschig, aber hey, es ist vor allem eine Liebesgeschichte, da darf das schon so sein. Zwischendurch hatte ich auch das Gefühl, die Geschichte kommt nicht wirklich voran, aber es ist ein Jugendroman, da darf es auch das.

Finding Sky ist ein solider Jugend-Liebesroman, der zwar mit Klischees spielt, aber nicht banal wirkt. Mir hat er gefallen und als Auftakt einer Serie ist er sehr gut. Ich bin gespannt, wie es weitergeht, ob es um Sky und Zed geht oder um die sechs anderen Brüder. Die sind zwar schon älter (von wegen Jugendroman), aber wer weiß?
Einzig die Anhäufung von stark, mutig, gut, verständnisvoll und gutaussehend wird irgendwann ein bisschen irreal.

Fazit?
Joss Sterling hat eine gute Idee in eine gute Geschichte gepackt, meiner Meinung nach lesenswert. Und ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

Dienstag, 8. Mai 2012

A long way down – Nick Hornby

Gebundene Ausgabe

Was schreibt man über ein Buch wie dieses? Hochgelobt von vielen Kritikern, begeistert gelesen von ganz vielen Menschen auf der ganzen Welt.
Es wird also wenig geben, was noch nicht gesagt bzw. geschrieben wurde. Und darauf werde ich wohl kaum kommen.

Zuerst hat mir gefallen, dass der Autor den Stil der vier verschiedenen Personen so konsequent durchzieht, ihnen wirklich eine eigene Stimme gibt, einen ganz eigenen Charakter. Das ist wirklich eine Kunst, denn viele Autoren schaffen es noch nicht einmal, ihren eigenen Stil durchzuhalten. Nick Hornby aber beherrscht gleich vier.
Überhaupt ist die Sprache ganz wunderbar.
Und witzig ist die Geschichte. Ich habe viel gelacht über diese vier Typen und ihren Hang zu Situationskomik und Streitereien.

Der Inhalt aber ist etwas schwierig zu beschreiben. Zwischen all der Komik ist eine Menge Ernst und Philosophie, die es manchmal etwas schmerzhaft machen. Wie ist das mit dem Leben, den Träumen, Wünschen und Vorstellungen, Zielen? Und warum scheitert man daran? Die große Sinnsuche, die dann doch ganz einfach ist?
Eine Botschaft hat das Buch auf alle Fälle: tausche dich aus mit anderen.
Denn auch, wenn es erst einmal sinnlos erscheint, man weiß nie, was sich daraus entwickelt.
Ich glaube, das ist das, was ich aus diesem Buch ‚mitnehme’. Auch wenn für mich ein Buch nicht unbedingt eine Botschaft haben muss.

Fazit?
Es hat mich gut unterhalten!
Wenn ich das jetzt so stehen lassen würde, wäre wohl so mancher entsetzt.
Aber genau das hat es. Es hat mich unterhalten, indem es mich teilhaben ließ an den Gedanken eines anderen Menschen. Und weil es mir allein von der Technik her sehr gut gefallen hat.
Und weil es sich so sehr von Thrillern, Jugendbücherschmacht und Liebesromanen unterscheidet. Es tut einfach gut!

Sonntag, 6. Mai 2012

Leise stirbst du nie – Daniel Annechino




Taschenbuch

Was für ein schreckliches Buch!
Sämtliche Klischees, die jemals in einem Thriller aufgetaucht sind, versammeln sich hier vollzählig! Die alleinerziehende Polizistin in der Männergesellschaft, der Partner, der natürlich einer anderen ethnischen Gruppe angehört, also zwei Außenseiter, dazu noch Mütter und der Psychopath. Eingebettet in eine grauenhafte Sprache, die mich das Fürchten gelehrt hat. Und ich rede hier nicht einmal von dem Schluss! Rosafarbene Zuckerwatte ist dagegen ein salziger Imbiss.
Wenn ich nicht gerade ernsthaft an dem Verstand der Protagonisten gezweifelt habe, und ich meine damit nicht den Psycho, war mir schlecht von dem Gesülze.
Nein, jetzt mal ernsthaft: wäre dieses Buch vor zwanzig Jahren erschienen, hätte ich es gut gefunden. So ist es für mich nur ein weiterer Thriller, der sich aus bereits geschriebenen bedient, weil es sich auf dieser Welle gerade gut schwimmen lässt. Ein Buch also, das sicher seine Leser finden wird, aber qualitativ eher komplett minderwertig ist. Schade!
Nur das Lesebändchen ist praktisch-gut!

Fazit?
Ich kann absolut keine Leseempfehlung abgeben, tut mir leid!

Ziemlich beste Freunde – Philippe Pozzo di Borgo

Audible, ungekürzt, gelesen von Frank Roth

Ja, ich gebe es zu, ich hatte mir eine Komödie versprochen, die es mir erspart, den Film zu sehen. Und was das betrifft, wurde ich ganz schwer enttäuscht.

Die Memoiren des Philippe Pozzo di Borgo sind keine Komödie sondern eine eher traurige Geschichte von schweren Schicksalsschlägen und großer Verzweiflung. Trotzdem auch voller Hoffnung und sehr schöner Momente.
Verwirrend sind die zeitlichen Sprünge, da geht es vor und zurück, das ist nicht schön. Irgendwann gewöhnt man sich aber daran und ist nur noch dezent orientierungslos.
Die eingeflochtenen poetischen Szenen sind zum Teil wirklich herzzerreißend.
Da fallen die humorigen Augenblicke auch kaum noch ins Gewicht.

Fazit?
Die Lebensgeschichte eines intelligenten Mannes, interessant anzuhören, und zum nachdenken anregend. Keine leichte Kost. Was bleibt, ist das Gefühl, wie gut es mir doch geht.

Samstag, 5. Mai 2012

Bullen und Schweine – Josef Kelnberger



Taschenbuch

So, das war nun also mein erster bayrischer Krimi.
Keine Ahnung, was ich erwartet hatte, damit hatte ich jedenfalls nicht gerechnet. Allein Kommissar Wolf ist des Lesens wert gewesen, ein Mann, der auf unglaublich schöne Art die Realität reflektiert, hin- und hergerissen zwischen dem, was war, und dem, was ist. Beinahe schon erschreckend philosophisch, denkt er auf einem Niveau, das mich zuweilen tief erschüttert hat. Weil es mir so bekannt vorkam. Und weil es so eindringlich und dicht ist, dass es mir fast den Atem verschlagen hat.
Die Handlung selbst ist wunderbar verworren und löst sich erst nach und nach auf, teilweise auch, für mich, unvorhergesehen.
Insgesamt hat das Buch, und eben besonders Kommissar Wolf, seinen ganz eigenen Charme, den man mögen kann oder auch nicht – mir hat es sehr gut gefallen. Eine Fortsetzung auf gleichem Niveau wäre wünschenswert, muss aber nicht sein.

Fazit?
Für mich ein ganz besonderer Krimi, weil er mich genau da getroffen hat, wo es interessant ist. Philosophische Abhandlungen für den Hausgebrauch und doch faszinierend anders. Und dazu noch sympathische Protagonisten, die es nicht nur in Niederbayern gibt. Ein rundum gelungenes Buch!