Dienstag, 30. Oktober 2012

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Joanne K. Rowling


CD, ungekürzt, gelesen von Felix von Manteuffel



Jawohl, es ist geschafft. Alle sieben Harry-Potter-Bände in der Lesung von Felix von Manteuffel habe ich gehört und habe dabei meine Meinung über einige Teile revidiert.

Doch meine Meinung über diesen letzten Teil, bleibt, wie sie war und hat sich bloß in einigen Punkten verstärkt.

Es ist unglaublich, wie es Joanne K. Rowling gelingt, diese doch sehr umfassende Geschichte so zu schreiben, als hätte sie (und ich gehe fest davon aus, dass sie hat) vom allerersten Satz des ersten Bandes gewusst, worauf es schlussendlich hinausläuft. Jede Handlung, jede Geschichte, auch die kleinste Kleinigkeit führt zu einem Finale, in dem sich sämtliche Fäden verknüpfen. Es gibt keine unlogischen Handlungsstränge, keine unrichtigen Wiederholungen, nichts, was darauf hinweisen könnte, dass die Autorin auch nur einen Moment geschludert hat. Und das ist sehr, sehr selten bei solchen Serien.

Inhaltlich ist es ein eher langweiliger, langatmiger Teil und selbst die spannendsten Szenen werden durch ellenlange Erklärungen beinahe zugrunde gerichtet. Aber so ist es nun einmal, und da muss man durch.

Die beiden Figuren Dumbledore und Snape, der eine ein Strippenzieher, der mir eigentlich langsam unsympathisch ist, der andere immer mehr eine tragische Gestalt, die nur im ‚Nachwort’ ein wenig Respekt erfährt, sind zwei Charaktere, die ich hier einfach mal erwähnen möchte, weil ich ihre Darstellung als sehr intensiv empfand.

Felix von Manteuffel hat seine Sache sehr gut gemacht, hat sich im Laufe der sieben Bände entwickelt, finde ich, indem er immer mehr seines schauspielerischen Talents in die Lesung einfließen ließ ohne dabei aufdringlich zu sein. Die so genannte Erwachsenversion war einfach angenehm zu hören und ist damit eine echte Alternative zu der von Rufus Beck gelesenen Fassung. Die Wörter sind dieselben, der Stil ist anders.

Fazit?
Sicher hätte man diesen letzten Teil straffen können, sicher gibt es langweilige Passagen, aber mir gefällt diese Verknüpfung aller Enden, ob nun lose oder nicht.

Montag, 29. Oktober 2012

Winter der Welt – Ken Follett


Audible, ungekürzt, gelesen von Philipp Schepmann



Nachdem ich ‚Sturz der Titanen’ gehört hatte, musste natürlich auch ‚Winter der Welt’ in mein Ohr, schon allein deshalb, weil hier eine Zeit behandelt wird, die für mich persönlich interessanter ist. Und meine Erwartungen wurden definitiv nicht enttäuscht. Wieder versteht es Ken Follett ganz ausgezeichnet, anhand von Familiengeschichten (deren Wege sich immer mehr kreuzen) historische Begebenheiten nachvollziehbar und verständlich zu machen. Und er schafft es sogar, das Ganze neutral rüber zu bringen. Ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, dass pauschal verurteilt wird, im Gegenteil gibt es auf jeder ‚Seite’ eben solche und solche.
Angenehm fand ich auch die Widerholungen innerhalb des Textes, das Aufgreifen der Handlungsstränge aus ‚Sturz der Titanen’, die es mir ermöglicht haben, der Handlung, die an vielen Schauplätzen geschieht, zu folgen.
Insgesamt ist es ein wirklich gutes Werk mit Einblicken in die Geschichte, die noch nicht so weit zurück liegt und mit deren unmittelbaren Folgen ich selbst noch viel Kontakt hatte. Und es zeigt, dass komplizierte Zusammenhänge relativ einfach umgesetzt doch auch gut verständlich sein können. So macht Geschichte Spaß und erklärt vieles.

Philipp Schepmann liest gut und routiniert, mit angenehmer Stimme und mit wenig schauspielerischem Ehrgeiz. Nur bei den Frauen kann er es manchmal nicht lassen, aber das ist gut erträglich. Einzig bei einer Szene war ich erstaunt, die Worte eines Individuums, der inzwischen gerne und gut parodiert wird, mal ohne ‚Akzent’ zu hören.
Wenn man die Stimme eines Menschen über beinahe 36 Stunden im Ohr hat, kann es leicht geschehen, dass man sie irgendwann nicht mehr ertragen kann. Dies ist mir bei Philipp Schepmann nicht passiert. Danke dafür.

Fazit?
Gutes Buch, gute Umsetzung, ein Hörgenuss.


Sonderberg & Co und der Tote im Rhein - Dennis Ehrhardt



Hörspiel, Krimi



In diesem zweiten Teil der ‚Sonderberg & Co’-Reihe geschieht wieder einiges Merkwürdiges rund um die Detektei und Düsseldorf. Außerdem ergibt sich ein schönes Sittengemälde, den die Reihe spielt nicht etwa in der Gegenwart, sondern um 1885. Pferdekutschen, Rheinbrücken auf Booten, zwielichtige Gestalten und ein Besuch im Bordell, das erlebt man quasi live mit in dieser sehr detailverliebten Produktion.
Und auch die Geschichte mit Minnie Cogner und ihrem… nein, ich verrate nichts.

Fazit?
Auch der zweite Teil hält, was der erste versprach: gute Unterhaltung und sympathische Charaktere.

Die Patin – Kerstin Gier


CD, gekürzt, gelesen von Mirja Boes



Eine tolle, zuweilen wunderbar chaotische Geschichte – genau (und wie immer) frau es von Kerstin Gier erwarten kann. Ich habe wirklich viel gelacht und während der gesamten Hörzeit lustig vor mich hingegrinst.

Aber: Mirja Boes geht gar nicht. Sie macht zum Teil hinter jedem Satz eine Pause, manchmal weiß man gar nicht, wer gerade spricht, der ganze Text wird irgendwie heruntergelesen. Das ist nicht schön!

Fazit?
Leider bestätigte sich der Eindruck, den ‚Die Mütter-Mafia’ hinterlassen hat. Schade.

Weiberabend – Joanne Fedler


CD, gekürzt, Frauenroman, gelesen von Nana Spier



es ist schon seltsam, wie man bei der Vorstellung von einem Haufen Frauen, die sich zu einer Pyjama-Party treffen, auf den falschen Weg geraten kann.
Natürlich hat ‚Weiberabend’ auch eine Menge Parallelen mit dem erwarteten ‚Sex and the city’ zu tun, das bleibt einfach nicht aus, wenn sich Frauen treffen. Aber dieses Buch geht noch einen gewaltigen Schritt weiter. Es sind die alltäglichen Tragödien des normalen Lebens, die mich berührt haben. So hat jede der Frauen eine ‚Leiche in ihrem Keller’, nirgendwo ist alles eitel Sonnenschein. Und das ist sehr realistisch.
Auch die Geschichten rund ums Muttersein haben mir seltene Einblicke verschafft in eine Lebensform, gegen die ich mich bewusst entschieden habe.
All das wird so erzählt, wie es im Leben ist, sachlich, gefühlsbetont, oft fatalistisch, manchmal kämpferisch und manchmal sehr traurig.
Und es ist schön zu sehen, wie im Laufe des Abends/ des nächsten Morgens die Masken fallen und sich Herzen öffnen.
Joanne Fedler hat eine sehr schöne Geschichte geschaffen, die sich von Frauenkomödien (die ich auch sehr gerne mag) positiv hervorhebt.

Nana Spier wird so langsam meine Lieblingsvorlesetante. Sie liest ruhig und betont, gibt den Frauen unterschiedliche Stimmen, ohne aufdringlich zu sein, ist ernst und lustig, und gibt so der Geschichte noch eine Extraportion Tiefe. Sehr angenehm und sehr gekonnt.

Fazit?
Ein bewegendes Buch über die Normalität der alltäglichen Katastrophen, die sehr oft sehr groß sind und trotzdem getragen werden, von Müttern und Ehefrauen – und auch von Freundinnen.

Sonntag, 28. Oktober 2012

Die Mütter-Mafia – Kerstin Gier


CD, gekürzt, Komödie, gelesen von Mirja Boes



Dieses Hörbuch ist voller Pointen und lustiger Vorkommnisse, genau das Richtige, damit die Hausarbeit fluppt, die Socken gestrickt und der Hund ausgeführt werden kann. Inhaltlich ist es also genau das, was ich erwarte, wenn als Autorin Kerstin Gier verantwortlich zeichnet.

Und ich mag Mirja Boes.
Ganz ehrlich.
Aber wieso hat sie dieses Buch eingelesen?
Und wenn es dafür einen guten Grund gab, wieso hat sie es so vorgelesen, wie sie es tat?
Bei den Pausen, die sie zum (großen) Teil einlegt, könnte man auf die Idee kommen, jeder Satz wäre ein eigenes Kapitel. Und das nervt unglaublich und zerstört geradezu den Genuss. Das ärgert mich!
Und wieder frage ich mich, ob es eigentlich bei einer Hörbuchproduktion niemanden gibt, der auch nur mal eine Minute darauf verwendet, auf solche Dinge zu achten. Wird dem ‚Vorleser’ das Manuskript einfach in die Hand gedrückt und dann mal lustig mitgeschnitten, was immer er auch aus dem Text macht nach dem Motto ‚der ist beliebt, was kümmert uns da die Qualität’?

Fazit?
Das Buch hätte ich wohl besser selbst gelesen.


Freitag, 26. Oktober 2012

Mann zu verschenken – Yvonne de Bark


Taschenbuch Frauenkomödie



Inhalt
Bea ist ihrer Ehe mir Marius überdrüssig und, da sie sich nicht scheiden lassen kann, ersinnt einen perfiden Plan, um sich ihres Mannes zu ‚entledigen’. Nein, es geht nicht um Mord.

Meine Erwartungen
Eigentlich habe ich ein zusammengestümpertes Komödchen erwartet, stilistisch simpel und inhaltlich noch einfacher. Schließlich ist Yvonne de Bark eine Vorabendserienschauspielerin. Also wieder mal ein Starlet, dass meint, schreiben zu können.

Meine Meinung
Genau deshalb mag ich Rezensionsexemplare: irgendwie bewerbe ich mich meistens relativ blind um sie und bin dann meistens überrascht. Manchmal positiv, manchmal negativ.
In diesem Fall war ich positiv überrascht.
Stilistisch ist ‚Mann zu verschenken’ gehobener Durchschnitt, witzig-spritzig mit netten Wortspielen. Die Geschichte als solche ist voller Pointen, die oft genug damit zu tun haben, dass Bea eher naiv durch die Welt geht und manche Anspielungen nicht als solche versteht. Das führt auf Seiten des ‚gebildeten’ Lesers oft zur Schmunzelei, und mir ist sogar ab und an ein Lacher entfleucht. Also richtig gute Unterhaltung im Bereich ‚Frauen können echt nerven/blöd/gemein sein’, ein Gegenstück zu der gerade boomenden Männerunterhaltungsliteratur a la Tommy Jaud und Matthias Sachau.
Allerdings stört mich die ständige Selbstbeweihräucherung Beas, die ja ach so fit und toll ist (sorry, mir sind Protagonisten mit sichtbaren Fehlern einfach sympathischer), was sie allerdings durch die völlige Sinnlosigkeit ihres Seins wieder wettmacht. Ich frage mich da, ob es wirklich solche Frauen (am besten den ganzen Tag shoppen und noch nicht mal eine anständige Mahlzeit auf den Tisch bringen können) gibt und befürchte, dass die Antwort ‚ja’ lauten muss. So ist Bea nicht unbedingt sympathisch sondern erinnert mehr an ein verwöhntes Kind, das seines Spielzeugs überdrüssig ist. Und Marius ist dagegen fast schon eine tragische Figur, der mein ganzes Mitgefühl gilt.
Die Handlung als solche hat ihre Highlights, im Grundtenor ist sie allerdings ziemlich vorhersehbar, so ist der ‚Showdown’ eigentlich ziemlich bald klar – das Ende allerdings…
Nun, nur so viel: es ist nicht das Standardende solcher Romane und schon deshalb etwas Besonderes.
Ja, manchmal wird diese Geschichte auch bis zu einem gewissen Punkt tiefsinnig.

Fazit?
Yvonne de Bark hat mit ‚Mann zu verschenken’ ein wirklich nettes Buch geschrieben, das sehr gut unterhält und mich mit einem melancholischen Gefühl zurücklässt. Gibt es eine Fortsetzung?

Ich danke www.bloggdeinbuch.de und dem Solibro-Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar.
Das Buch kann auch hier bestellt werden


Das Grab im Moor (Lady Bedford 1) – John Beckmann


CD, Hörspiel



Irgendwie erinnert mich dieses Hörspiel an Agatha Christie, vielleicht wegen der Eckdaten: schrullige ältere Frau auf dem englischen Land löst mit Scharfsinn einen Mordfall. Wobei die Personenzahl sehr übersichtlich ist und auch der Mörder schnell herauskristallisiert wird. Allerdings hantiert Lady Bedford (bzw. ihr Butler) mit einem Computer, deren Entwicklung Agatha Christie ja nun nicht in ihren Büchern berücksichtigen konnte.

Das Ende jedoch hätte mich fast auf den Boden geworfen, und zwar, weil ich so lachen musste. Das ist dann doch mal guter Humor.

Von der Lady-Bedford-Serie gibt es inzwischen über 50 Folgen, was bei einem Preis von 7,99 € pro download (gebrauchte CDs sind zum Teil billiger) eine erschreckende Zahl ist. Aber da mich ‚Die Leiche im Moor’ eh nicht so richtig überzeugt hat, werde ich wohl auf weitere Teile frohgemut verzichten können. Aber interessant war es schon.
Allerdings erinnere ich mich nun an die Sonderberg & Co – Reihe, und da werde ich wohl mal weiter hören.

Fazit?
Nettes Hörspiel, aber für mich besteht keine Suchtgefahr.

Sonderberg & Co und der Mord auf Schloss Jägerhof – Dennis Ehrhardt


Audible, Krimi-Hörspiel



Mein Verhältnis zu Hörspielen ist ein wenig gespalten, wie ich ja schon öfter betont habe. Meist fehlt mir die innere Ruhe, mich ganz darauf einzulassen, weil man das Kopfkino vielmehr bemühen muss und außerdem die Personen an ihren Stimmen erkennen sollte. Da sind Hörbücher einfacher.
Allerdings wage ich von Zeit zu Zeit doch wieder einen Versuch und bin dann jedes Mal überrascht, wie sehr sie mir eigentlich gefallen, diese Hörspiele.
Und so ‚stolperte’ ich vor einiger Zeit über ‚Sonderberg & Co’, und zwar, weil es den zweiten Teil irgendwo als Gratisdownload gab. Wie dem auch sei, jetzt habe ich mir den ersten Teil der Reihe angehört und er hat mir gefallen. Die ganze Produktion ist mit viel Liebe zum Detail gemacht worden, mal bellt ein Hund im Hintergrund, mal hört man Pferde wiehern. Auch die musikalische Begleitung ist angemessen und angenehm.
Die Geschichte als solche ist einigermaßen fesselnd und wirft ein gutes Licht auf historische Begebenheiten – ein Hauch Emanzipation zum Beispiel.
Alles in allem also sehr vergnügliche 90 Minuten Unterhaltung.

Fazit?
Wenn mir nach Hörspielen für zwischendurch ist, lande ich bestimmt noch öfter bei ‚Sonderberg & Co’.