Freitag, 30. November 2012

Geheimes Verlangen (Shades of Grey 1) – E L James


Kindle, Roman



Meine Erwartungen
Natürlich hatte ich Erwartungen an dieses Buch, schließlich handelt es sich um ein ‚Skandalbuch’. Oder um es auf den Punkt zu bringen, ich erwartete reinste Pornographie!
Und ich versprach mir ein gewisses Maß an Erklärung für das, was in manchen Köpfen vorgeht.

Zum Inhalt
Irgendwie erinnert mich dieses Buch an Twilight. Und das ist erstaunlich. Obwohl ich zugeben muss, dass sich bei mir langsam der Verdacht entwickelt, dass Bella und Edward mehr Arsch in der Hose haben, als Ana und Christian.

Pornographie?
Natürlich gibt es Sexszenen, natürlich geht es um BDSM, aber um Himmels Willen, im Vordergrund stehen sie nicht und sind auch eher kurz gehalten. Dazu ist die Wortwahl auch noch ziemlich steril, sodass sich wohl kaum einer davon schockieren lässt, der nicht bereits einige Liebesromane gelesen hat. Im Nachhinein wundere ich mich selbst über mein Urteil, denn eigentlich treiben sie es zeitweise wie die Kaninchen. Aber der Schwerpunkt ist ein anderer.

Psychische Probleme
Meine Güte, die beiden Hauptpersonen haben echt nicht alle Latten am Zaun.
Auf der einen Seite die holde Jungfrau, die blauäugig in etwas hinein schlittert, dem sie nicht gewachsen ist. Und die dann auch einerseits Gefallen findet, aber andererseits, nun, ich konnte es zeitweise nicht nachvollziehen.
Auf der anderen Seite der reiche, gutaussehende Mann, der doch nur eine arme Seele ist, die durch die ‚wahre’ Liebe gerettet werden soll.
Also insgesamt ein ewiges hin und her zwischen Besessenheit, Hörigkeit und Freiheitsdrang?
Und es wird geredet und diskutiert und E-Mails werden geschrieben, Ratschläge erteilt und am Ende?
Am Ende war ich genervt und genau so schlau wie vorher.

Was will die Autorin mit ihrem Roman sagen?
Ich habe keine Ahnung, vermute aber mal, dass sie der Meinung ist, das BDSM eine Art zeitweilige Entgleisung ist und sich ein Dom durch Verständnis und Liebe am Ende doch zu einem ‚normalen’ Menschen wandeln kann. Ist das so? Ich glaube eher nicht.

Will ich wissen, wie es weitergeht?
Da ich in groben Zügen schon weiß, wie es endet (Danke an die eine Rezension, die ich gelesen habe!), glaube ich eher nicht, dass ich so eine Gefühlsduselei a la Twilight noch länger ertragen möchte.

Fazit?
Viel Lärm um nichts!
Ich habe definitiv schon erotischere Romane gelesen, die von erwachsenen Menschen handelten.

Donnerstag, 29. November 2012

Diese eine große Liebe – Julianne Bedford



Taschenbuch, Liebeszeitreiseroman



Als ich den Inhalt meines Bücherregals ‚katalogisiert’ habe, kamen mir ein paar Bücher doch ziemlich unbekannt vor und dieses ganz besonders, weil es komplett ungelesen schien. Also las ich den Anfang und auch der war mir unbekannt. Gut, dachte ich, lese ich das jetzt mal schnell, dann muss ich es nicht im SuB eintragen.

Der Inhalt
Ich liebe diese Zeitreisesache, ich liebe sie einfach.

Der Stil
Simpelste Satzkonstruktionen, seltsam abgehackt, irgendwie unflüssig und doch, irgendetwas schlug mich in seinen Bann. Die Geschichte trifft bei mir so genau den richtigen Nerv, dass ich die Worte vergaß und einen Film sah. Und der war wunderschön.

Die Erkenntnis
Irgendwann, bei dem ersten ‚Zwischenkapitel’ traf mich die Erkenntnis, das Buch doch schon mal gelesen zu haben. Und sofort wurde mir auch klar, dass auch beim ersten Lesen genau das geschah: der Zauber der Geschichte ließ mich nicht los.

Warum?
Manchmal gibt es Bücher, die eigentlich so gar nicht mehr in mein Beuteschema passen, die nicht stilistisch super geschrieben sind, und die doch eine Geschichte erzählen, die den Nerv trifft.
Warum ist das so?
Weil Lesen manchmal das Einkuscheln auf dem Sofa, das Essen von Gebäck, die heiße Tasse Kakao und das Seufzen ist. Weil manchmal ein simples Buch entführt und verführt, zu Tagträumen anregt, vergessen lässt und einen weit weg bringt. Weil manchmal, wenn das Wetter so schrecklich grau ist, ein Buch den Himmel blau erscheinen lässt. Weil es manchmal magisch ist, was Bücher mit uns machen.
Und dazu gehört anscheinend nur eine treffende, stimmige, phantasievolle Geschichte, relativ solide umgesetzt und doch beseelt von einer Idee, einem Geist der Phantasie.

Fazit?
Ein eher unscheinbares Buch, das mir sehr viel Freude gemacht hat.
(und das jetzt in meinem Flohmarkt kommt)

Der Kindle Paperwhite im Test


Jawohl, ich habe ihn, seit gestern. Und obwohl ich hier nur Bücher und Hörbücher rezensiere, möchte ich über diesen E-Book-Reader doch ein paar Worte verlieren.

Zum Vergleich habe ich den Kindle Keyboard und einen E-Book-Reader von Trekstor mit Hintergrundbeleuchtung – und natürlich einen Haufen ‚richtiger’ Bücher.

Ist es Liebe auf den ersten Blick?
Eigentlich nicht. Der Kindle Paperwhite (KPW) ist ein kleines Ding, eigentlich nur ein Bildschirm mit einem Rahmen, die Optik ist also minimalistisch. Aber er liegt gut in der Hand und ist nicht schwer (für genauere Daten klickt bitte auf obiges Bild).
Nach dem Einrichten der w-lan-Verbindung, die sehr simpel ist und die Vorzüge eines Touchscreens voll ausnutzt, geht es ans Aussuchen, Runterladen und wieder Löschen. Und hier zeigen sich erste Schwierigkeiten. Wie fest muss man drücken, damit das Buch nicht ‚startet’ sondern ein Menü angezeigt wird? Diese Schwierigkeit taucht auch beim Lesen als solchem auf, aber dazu später mehr.
Nein, es ist keine Liebe auf den ersten Blick, es ist ein langsamer Prozess.

Und weiter?
Ich hatte mir für meine ersten Leseversuche ein ganz spezielles Buch ausgesucht, aus verschiedenen Gründen, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte. Um das Lesen so angenehm wie möglich zu machen, sollte der KPW ein paar Dinge ‚können’ die der Keyboard nicht kann. Besonders wichtig war mir dabei das Lesen im Dunkeln ohne externe Lichtquelle und ohne Hintergrundbeleuchtung, wie sie der Treckstor (und jedes Tablet und jedes Smartphone hat), weil dabei die Augen ermüden.

Der Test
Bei normalen Lichtverhältnissen, sprich am helllichten Tag, funktioniert der KPW einwandfrei und ist sehr angenehm, ähnlich dem Keyboard, aber ohne den (wie es jemand anderes nannte) Recyclingpapier-Effekt. Das empfinde ich als sehr positiv. Ändern sich die Lichtverhältnisse, wird die ‚indirekte’ Beleuchtung augenfällig und unterstützt die Deutlichkeit. Hier möchte ich empfehlen, die ‚Beleuchtung’ nicht zu hell einzustellen, da sich am unteren Rand sogenannte ‚Wolken’ bilden. Je höher die Lichtstärke desto deutlicher und irritierender. Im Grunde ist es so, als hätte man ein Buch, das am unteren Rand feucht geworden ist. Bei der von mir gewählten Beleuchtungsstärke von 6 bis 7 tritt dieser Effekt nur bei völliger Dunkelheit und dann auch nur leicht auf. Aber: Diese Einstellung reicht aus, um gut lesen zu können.
Richtig angenehm empfinde ich das Lesen, wenn man eine indirekte Lichtquelle hat, z.B. ein paar Kerzen auf der Fensterbank oder so. Das ist jedoch meine subjektive Meinung und hat vielleicht damit zu tun, dass ich wenig Sinn darin sehe, in einem stockdunklem Raum zu lesen, aber auf eine Leselampe gerne verzichte.
Da man auch verschiedene Schriftarten zur Wahl hat, sollte man ruhig ausprobieren, welche für einen selbst die geeigneteste ist. Das gleiche gilt für Schriftgröße und Zeilenabstand.
Den richtigen Punkt zum Umblättern zu finden, fand ich schwierig, manchmal markierte ich nur ein Wort (ich liebe das Wörterbuch, aber ich brauche keine Erklärung für das Wort ‚und’ ;)), dann wieder erschienen die Funktionsleisten, am einfachsten ist das ‚Wischen’.

Der Vergleich
Im Gegensatz zum Kindle Keyboard: Kleiner, handlicher. Texteingaben sind durch den Touchscreen sehr viel einfacher als mit dem keyboard. Mir gefällt das ‚weiße Papier’ besser und ich habe das Gefühl, es ist angenehmer für die Augen. Außerdem gefällt mir das deutschsprachige Menü (obwohl ich nie Schwierigkeiten mit dem englischen hatte). Unschlagbar ist der KPW beim Lesen mit wenig oder gar keinem Umgebungslicht.
Allerdings finde ich beim Kindle Keyboard die Knöpfe zum Umschalten praktischer, weil ich für das Lesen nur eine Hand (die linke) brauchte. Den KPW halte ich mit der linken Hand und blättere mit der rechten um. Dafür bin ich allerdings auch ortsungebunden und unabhängig von Lampen.
Im Gegensatz zum Treckstor:
Keine Ermüdung der Augen durch die Helligkeit des Bildschirms. Der Touchscreen beim KPW ist deutlicher beim Navigieren als die Tasten beim Treckstor. Und der Treckstor ist definitiv schwerer.
Im Gegensatz zum Buch:
Tja, das gedruckte Buch hat gegenüber dem KPW eigentlich nur Nachteile, bis natürlich auf das ‚Buchgefühl’. Wer das nicht braucht...

Wieder einmal stellt sich mir die Frage nach Buch oder E-Book.
Natürlich gibt es wunderschöne Bücher, die man gerne ansieht und gerne anfasst. Dem gegenüber steht ein volles Bücherregal, in dem man die Bücher schon in Zweierreihe lagern muss. Und der Krampf in den Händen. Es gibt Bücher, die sind so fest gebunden bzw. geklebt, dass man sie quasi auseinander brechen muss, will man halbwegs angenehm lesen. Danach sieht das Buch dann auch entsprechend aus. Oder sie sind so schwer, dass man sie nur auf einem Kissen oder Tisch ablegen kann, obwohl man sich vielleicht gemütlich hinfläzen will.
Ich habe durchaus festgestellt, dass ich E-Books zum Teil anders lese, empfinde, fühle. Und man kann sie nicht verkaufen, verschenken, verleihen. Aber sie können auch nicht verloren gehen, sei es nun beim Verleihen oder wenn man mal wieder meint, sich von ihnen trennen zu müssen, weil man Platz braucht. Und sie werden nie auseinander fallen.
Allerdings sind sie auch teuer. Gebrauchte Bücher oder Mängelexemplare sind finanzierbar – aber auch verführerisch (wir kennen das, diese Tische mit den Bücher und dem Schild ‚jedes Buch 2 €).
Ich habe mal von Jemanden gelesen, der sich Bücher als E-Books kauft und wenn sie ihm richtig gut gefallen, stellt er sich noch die gedruckte Ausgabe ins Regal (der Mann hat entweder richtig gut Geld oder liest nicht viel). Ich glaube, ich möchte den Weg andersherum gehen. Bücher vom Grabbeltisch oder geliehen und bei Gefallen als E-Book. Doch das ist nur so eine Idee.

Fazit?
Ja, ich finde den Kindle Paperwhite gut und er kommt meinen Bedürfnissen sehr entgegen. Und hätte ich nicht so schrecklich viele gedruckte Bücher in meinem SuB, und hätte ich mehr Geld, dann würde ich jetzt wohl komplett auf E-Books umsteigen.


Montag, 26. November 2012

Die Mission (Department 19) – Will Hill


Audible, ungekürzt, Vampire, gelesen von Dietmar Bär



In letzter Zeit bin ich häufiger über dieses Buch gestolpert, habe auch ein paar Rezensionen gelesen und das hat mich insgesamt sehr neugierig gemacht.
Zwei Dinge sind mir auf den ersten Blick aufgefallen: Für das Wort ‚Blut’ wird der Autor wohl ein Tastenkürzel verwendet haben, sinnvoll wäre es gewesen, so oft, wie dieses Wort benutzt wird. Und zweitens ist dies definitiv der erste Teil von etwas.

Zum Blut!
Es läuft in Strömen, es tropft und spritzt (gerne auch zusammen mit Körperteilen). Natürlich ist das ein bisschen ekelig, aber Moment mal, es geht schließlich um Vampire (und zwar um die gar nicht nette Sorte) und was soll da fließen und tropfen und spritzen? Milch?
Wer also nicht einen gewissen Ekelfaktor ertragen kann, der ist hier falsch.
Und damit ist es meiner Meinung nach auch eher bedingt für Jugendliche geeignet.

Zum ersten Teil!
Obwohl die Geschichte in sich abgeschlossen erscheint (auf den ersten Blick), werden natürlich Fährten für die Zukunft gelegt. Außerdem ist das Tempo, trotz sehr vieler spannender Stellen, doch durch einige Rückblicke, die dann auch noch aufgesplittet werden, ein wenig gebremst. So ergibt sich allerdings ein rundes Bild und das ist für eine Geschichte immer gut.

Möchte ich die Fortsetzung lesen?
Ja, ich glaube schon

Zur Spannung!
Natürlich ist die Handlung spannend. Auch wenn das Schwelgen des Autors in blutigen Szenen manchmal ein wenig, nun, ich fand es öde. Aha, da wird mal wieder eine Kehle herausgerissen, oh, da spritzt mal wieder der Vampir durch die Gegend. Insgesamt ist es aber eine gut durchdachte Geschichte mit ein bisschen Verschwörung und Geheimnissen. Auch fand ich den Ansatz der Geschichte gut, nämlich als Grundlage der ‚Realität’ Personen zu benutzen, von denen wir alle wohl schon gehört haben.
Ob der ‚Diebstahl’ dieser Charaktere statthaft ist, darüber kann man streiten, ich finde es als Basis durchaus gut.
Außerdem macht es Spaß, Bekanntes neu interpretiert zu bekommen.

Die Vampire!
Hey, ich kenne mich mit Vampiren aus, ich habe genug über sie gelesen. Aber was ist das? Ärmlich gekleidete Vampire entsprechen nicht der gängigen Vorstellung. Also etwas Neues.
Dagegen kennen wir inzwischen natürlich alle die Vampire, die nicht zu Bestien werden wollen. Und die, die es einfach sind.
Und so vermischt sich auch hier Bekanntes mit Neuem, das gefällt mir und macht neugierig auf mehr ‚Informationen’.

Was mir fehlt!
Obwohl die Gefühlswelt der Protagonisten bis ins kleinste Detail (nicht negativ gemeint) ausgebreitet wird, sprang bei mir der Funke nicht über. Ich weiß nicht, woran das liegt, vielleicht an der Auswahl der Personen. Das ist aber insgesamt schade.

Der Vorleser!
Dietmar Bär liest gut und professionell, da gibt es nichts zu meckern.

Die Musik!
Was um Himmels Willen soll das? Erstens fand ich nicht, dass sie zur Handlung passt, und zweitens hat sie mich dermaßen irritiert, dass ich mich jedes Mal wild umgeblickt habe, weil ich nicht wusste, wo sie her kommt. Ich brauche so etwas definitiv nicht.

Fazit?
Gut gemachte Vampirunterhaltung mit neuem Alten und interessanten Ansätzen. Süchtig nach der Fortsetzung bin ich jedoch nicht geworden.

Samstag, 24. November 2012

Der Geist der Bücher – Christoph Wortberg, Manfred Theisen


Taschenbuch, Jugendfantasy



Ein Buch über Bücher, in dem die Helden berühmter Klassiker wunderbare Neben(oder doch eher Haupt-)rollen spielen, und dazu ein jugendlicher Held, der doch eigentlich gar nichts mit Bücher zu tun hat.
Ein Ausflug in die Klassik, insgesamt in eine spannende Geschichte verpackt und so neugierig machend, jedenfalls mich, die ich literarische Klassiker nur als Pflichtlektüre in der Schulzeit kenne (und sie zwar brav gelesen habe, aber doch nie den richtigen Draht zu ihnen fand). Und ich denke, das ist auch die Intention der Autoren (seltsam, kaum ist die Rede von Pflichtlektüre, schon fragt man sich, was der Autor nun damit sagen wollte ;)): Jungen Menschen die ‚Scheu’ vor dem zu nehmen, was als tiefschürfend und bahnbrechend für seine Zeit galt, was voller tiefer Bedeutung sein soll und doch eigentlich eher langweilig wirkt, weil eben doch verstaubt.
Christoph Wortberg und Manfred Theisen jedoch erfüllen die Geschichten und die Gestalten mit Leben, machen sie zu realen Personen, die sich in wenig vom Leser unterscheiden. Sie lieben und hassen, sie leben. Und auf eine gewisse Art haben sie ihre Daseinsberechtigung und ohne sie wäre unsere Welt eine andere.
Und die Liebe zur Literatur spricht aus jedem einzelnen Satz, seien sie auch noch so kurz.

Fazit?
Für mich eines der besten Jugendbücher, die ich während der letzten Jahre gelesen habe, weil es den Leser nicht bloß in phantastische Welten entführt, sondern von der Liebe zur Literatur handelt.

Donnerstag, 22. November 2012

Grabesgrün – Tana French


Audible, gekürzt, Thriller, gelesen von David Nathan



Eigentlich ist ‚Grabesgrün’ ein sehr spannender, wohldurchdachter, überraschender Thriller. Die Charaktere sind gut gezeichnet und sympathisch, so weit es die Geschichte zulässt, ansonsten überzeugend in ihren Ansichten und Motiven.

Doch hatte ich das Gefühl, David Nathan liest das Buch in Grund und Boden mit seinem ruhigen, oftmals langweiligen Tonfall, dem stellenweise soviel Intonation fehlt, dass man als Hörer nicht mehr weiß, in wessen Namen er da gerade unterwegs ist. Und das hat mich gestört!
Ein bisschen mehr Engagement, ein bisschen weniger ‚eigentlich haben wir uns alle ganz doll lieb und sind ja so verständnisvoll’ in der Stimme hätte mir besser gefallen.
Natürlich profitieren gerade die psychologischen Aspekte von einem eher ruhigen Tonfalls, aber David Nathan übertreibt es hier ein wenig, finde ich. Man kann den Erdbeertee ja schon fast riechen, und zwar genau dort, wo er gar nichts zu suchen hat.

Fazit?
Ein guter Thriller, den ich besser selbst gelesen hätte. Allerdings insgesamt nicht wirklich schlecht.

Mittwoch, 21. November 2012

Die magischen Vier retten die Welt mit einer Taschenlampe, einem Zaubertrank und einem großen Missverständnis (Die magischen Vier 1) – Rüdiger Bertram


audible, gekürzt, gelesen von Stefan Kaminski, Kinderfantasy



Manchmal muss es einfach leichte, unkomplizierte aber phantasievolle Unterhaltung sein, und die findet man für gewöhnlich ganz gut bei Kinder- und Jugendhörbüchern. So auch in diesem Fall.
Ein Junge, der in eine fremde Welt gelangt und dort wundervolle Abenteuer erlebt, erzählt in einem Tonfall ruhiger, entspannter Wohlfühlatmosphäre, bei denen man sein eigenes Kopfkino starten kann, das macht dieses Geschichte aus. Und so liest auch Stefan Kaminski. Ein bisschen Märchenonkel, ein wenig Gute-Nacht-Geschichte, aber nicht kindisch-lächerlich, sondern einfach perfekt.

Was reizt mich eigentlich an solchen Hörbüchern?
Vielleicht die Erinnerung an meine Kindheit.
Vielleicht das Wissen, auf niedrigem Niveau, d.h. ohne intellektuellen Anspruch, einfach unterhalten zu werden, einfach mal lachen zu können über Niedlichkeiten.
Oder vielleicht auch diese feinen Nuancen in der Interpretation althergebrachten. In diesem Fall sind es die Einhörner, die einmal ganz anders dargestellt werden. Und so etwas habe ich schon oft gefunden. Kleine Abweichungen einfach, die den Blick auf neue Details schweifen lassen oder in Frage stellen.

Fazit?
Wunderbar kindliche Unterhaltung für einen netten Abend.

Dienstag, 20. November 2012

Ein plötzlicher Todesfall – Joanne K. Rowling


Hörbuch, ungekürzt, gelesen von Christian Berkel



Meine Erwartungen:
Aus irgendeinem Grund war ich der Meinung ‚Ein plötzlicher Todesfall’ wäre ein Krimi so in etwa der Tradition von Agatha Christie.
Die Rezensionen, die ich bislang (quer)gelesen habe, ließen mich neugierig werden auf dieses ‚Erwachsenenbuch’, waren sie doch in zwei Lager gespalten: die, die Harry Potter mögen und dieses Buch verteufelten, und die, die Harry Potter mögen und dieses Buch aus ganz anderen Gründen auch. Insgesamt also eine spannende Angelegenheit.

Zum Inhalt:
Bei ‚Ein plötzlicher Todesfall’ handelt es sich definitiv nicht um einen Krimi. Zwar stirbt jemand, aber eines doch eher natürlichen Todes, und so wird auch kein Mörder gesucht, sondern vordergründig ein Nachfolger im Stadtrat. Hintergründig entsteht jedoch eine Art Sittengemälde der Bewohner einer kleinen Stadt, in dem sich wahre Abgründe auftun.

Meine Meinung:
Dieses Hörbuch erfordert ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit vom Hörer, denn Joanne K. Rowling wartet mit einer Vielzahl an Beteiligten auf, die man erst mal ‚auf den Schirm’ bekommen muss. Eine kleine Liste wäre fast schon angebracht (die hätte ich mir sicherlich gemacht, wenn ich es als gedrucktes Buch gelesen hätte). Es sind schon einige Familien und ihre Mitglieder beteiligt. Als Hilfen dienten mir hier jedoch kleine Einzelheiten wie der Beruf, der ja immer mal wieder auftaucht, oder Verwandtschaftsbezeichnungen. Es ist also zu schaffen, sich die Personen zu merken, auch wenn es erst unübersichtlich ist.

Hat man die Personen einigermaßen zugeordnet, wird schnell klar, warum dieses Buch als ‚für Erwachsene’ bezeichnet wird, denn es tun sich Abgründe auf. Soziale, menschliche, zwischenmenschliche. Und Joanne K. Rowling spart auch nicht mit ‚Kraftausdrücken’ – als ich zum ersten Mal das Wort ‚Möse’ hörte, war ich ein wenig schockiert, das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Aber es gehört zur Geschichte, wirkt höchstens am Anfang aufgesetzt.
Und genau an dieser Stelle hatte ich dann auch eine Art Aha-Erlebnis.
Entschuldigung, aber ich muss hier doch mal den Vergleich zu den Harry Potter Büchern ziehen: neben der Haupthandlung war ich auch bei ihnen fasziniert von den kleinen Geschichten am Rande, die Beschreibung von Personen, die nie wirklich im Mittelpunkt standen, aber über die man doch einiges erfuhr, oft liebevoll-augenzwinkernd, manchmal ironisch, beinahe sarkastisch.
Und so geschieht es auch in ‚Ein plötzlicher Todesfall’. Personen, die man nicht nur namentlich sondern auch charakterlich zugeordnet zu haben scheint, werden mit wenigen Worten neu skizziert, vertieft, der Lächerlichkeit preisgegeben. Oder unerwartet zu Sympathieträgern, während andere von diesem Thron gestoßen werden. So ergeben sich neue Charakterstudien, hinter der die eigentliche Handlung in meinen Augen einen großen Schritt zurück tritt.

Das Schließen der Lücke, die ein plötzlicher Todesfall auslöst, entwickelt eine Eigendynamik, die mich sehr fasziniert.

Besonders erwähnen möchte ich, dass wieder einmal deutlich wird, wie gut Joanne K. Rowling es versteht, eine Geschichte aufzubauen, jedes Detail am Ende wichtig werden zu lassen. So sind für mich die Szenen nach dem einen Abend und vor dem vorletzten entscheidenden Ereignis (deutlicher möchte ich es hier nicht ausführen) bezeichnend. So gut wie alle Hauptpersonen tauchen kurz nacheinander auf, hängen ihren Gedanken nach, sehen, begegnen anderen Personen und steuern auf das unausweichliche Schicksal zu, ohne einzuschreiten. So wird deutlich, wie sehr das Handeln jedes Einzelnen zu genau dem Ergebnis führt, zu dem es eben führt.

Natürlich erfordert dieses Hörbuch ein wenig Durchhaltevermögen. Es ist langatmig, es ist zuweilen auch langweilig, es geschieht einfach wenig. Denn es geht um das ganz normale Leben, um Liebe und Betrug, Leben und Sterben, Neid und Missgunst, persönliche Unfähigkeit und das über sich selbst hinauswachsen. Das ist nicht spannend, nur interessant, wenn man sich denn für Menschen interessiert. Und für die kleinen zwischenmenschlichen Nuancen.

Christian Berkel liest gut. Leider hat er zuweilen eine so angenehme, der Situation entsprechend auch langweilige, Stimme, dass ich mich stellenweise zwingen musste, weiter zu zuhören.

Fazit?
Stände nicht Joanne K. Rowling auf dem Cover (das ich übrigens wirklich nicht schön finde, das allerdings einen gewissen Sinn ergibt) und somit als Autorin, die gewisse Erwartungen weckt, hätte dieses Buch definitiv weniger Käufer. Denn es ist anspruchsvoll, zum Teil anstrengend und manchmal auch einfach langweilig. Es geht nicht um eine effektheischende Handlung oder um phantastische Welten. Es geht um Menschen, die so normal sind, dass es schon beängstigend ist.
Das muss man durchhalten, aushalten können.
Mir persönlich hat das Buch viele Gründe zum nachdenken gegeben und ich denke, es ist gutes Stück Literatur, das nicht einem Mainstream folgt. Dazu gehört Mut, den sich die Autorin aber ohne Zweifel und in mehrerer Hinsicht leisten kann.

Ich danke bloggdeinbuch und Der Hörverlag für das kostenlose Rezensionsexemplar.
Das Hörbuch kann auch hier bestellt werden.

Die Känguru-Chroniken – Marc-Uwe Kling


CD, gekürzt, Comedy (?)



Warnung: Bei diesem Hörbuch sollte man ganz genau darauf achten, wo man es hört!

Denn es kann zu völlig unkontrollierbaren Heiterkeitsausbrüchen führen. Ehrlich, mich hat es fast auf die Straße gerissen vor Lachen. Unglaublich, was sich Marc-Uwe Kling da mit dem Känguru ausgedacht hat. Zwischendurch habe ich ernsthaft überlegt, ob es wirklich um ein Känguru geht, habe dann aber für mich beschlossen, äh, nein, ich weiß es nicht. Aber ich habe mich köstlich amüsiert. Und zwar während der gesamten Länge. Die nicht lang war.
Dabei ist die ‚Handlung’ weder oberflächlich noch zu politisch, also gut zu verstehen ohne dumm-plump zu sein.
Insgesamt einfach nur witzig, kurzweilig, brüllend-komisch, dezent sozialkritisch (in der Übertreibung relativiert sich so einiges), völlig abgedreht und aus dem Leben gegriffen.
Ich musste sogar bei einer Szene lachen, bei der ich normalerweise entrüstet gewesen wäre, sorry, Mona!

Fazit?
Wenn ihr es in die Finger bekommt, hört es euch an! Es lohnt sich!

Montag, 19. November 2012

Das Geheimnis des roten Mantels – Sabine Wierlemann


Taschenbuch, Kinderzeitreiseroman (ab 10 Jahren)



Meine Erwartungen:
Eigentlich hatte ich einen eher ‚kindgerechten’ Zeitreiseroman erwartet, der jedoch vom Stil her dem regulärem Zeitreiseroman für Erwachsene entspricht.

Der Inhalt:
Mathilda und Felix, elfjährige Zwillinge in der Gegenwart, berühren zwei historische Gegenstände und landen im alten Rom beziehungsweise in Germanien. Dort erleben sie die Antike hautnah.

Meine Meinung:
Wer wie ich eher unbelastet an dieses Buch geht, ist wohl eher irritiert. Denn hier geht es weniger darum, eine Geschichte zu erzählen, sondern vielmehr um ‚Erlebnis Geschichte’. Sabine Wierlemann hat definitiv keinen Unterhaltungsroman geschrieben, was an vielen Stellen deutlich wird, sondern ein Buch, das junge Menschen an Geschichte heranführen soll, indem eben nicht Jahreszahlen auswendig gelernt werden, sondern Geschichte erfahrbar wird. So ist dieses Buch unaufdringlich vollgepackt mit dem ganz normalen Leben in der Antike, sei es nun die Sklavenhaltung oder etwa das, was man heute wohl als Kinderehe bezeichnen würde. Die kursiv gedruckten Wörter werden im Glossar wunderbar erklärt.
Dass dieses Buch als Schullektüre mit Begleitmaterial angeboten wird, macht diese Intention sehr deutlich. Und in diesem Punkt hat mich ‚Das Geheimnis des roten Mantels’ absolut überzeugt. Ich finde es sehr wichtig, Geschichtsunterricht plastisch zu machen, das Leben der Menschen ‚damals’ (egal, welche Epoche) zu schildern und eben nicht nur stumpf über Herrscher und Kriege zu dozieren. Denn wie soll man verstehen, warum manches geschah, wenn man nicht weiß, wie man dachte? Ich denke, dieses Buch leistet dabei einen wichtigen Beitrag, wenn die Kinder bei der Lektüre nicht allein gelassen werden.
Auch gefielen mir die relativ kurzen Kapitel, die sicherlich in einer Schulstunde gut gelesen und ausführlich bearbeitet werden können. Der Wechsel zwischen Mathildas und Felix’ Geschichte erhöht den Reiz, weiter zu lesen.

Was mich als Erwachsene gestört hat war die mangelnde Reflektion der geschilderten Ereignisse (hier sind halt die Lehrer und das Begleitmaterial gefragt – beides stand mir nicht zur Verfügung) und diese doch eher rosarote Sichtweise und Handlung. Doch da kommt mir halt mein älterer ‚Verstand’ in die Quere. Auch finde ich die Ausdrucksweise oft gestelzt und wenig flüssig.

Grundsätzlich finde ich die Idee, Kinder durch ‚Zeitreiseromane’ neugierig auf Geschichte zu machen, sehr gut. Und irgendetwas an der Aufmachung lässt mich auf weitere Bände hoffen.

Fazit?
Eine wunderbare Grundidee, eine mit Begleitung sinnvolle Lektüre, die junge Menschen für Geschichte begeistern kann.

Ich danke dem Olms-Verlag für das Rezensionsexemplar. Sie haben ein tolles Programm!