Montag, 31. Dezember 2012

Lord Stonevilles Geheimnis (Hellions of Halstead Hall 1) – Sabrina Jeffries


Audible, ungekürzt, Liebesroman, gelesen von Cathlen Gawlich



Leider muss ich mich jetzt mal als Fan der so genannten Regency-Romane outen.
Was das ist?

Liebesromane, die (aus welchen Gründen auch immer) etwa um 1820 spielen, und in denen es von Adeligen nur so wimmelt. Eine sehr gute Vertreterin dieses Genres ist Georgette Heyer, die stilistische Highlighs erschaffen hat, voller Ironie und starker Frauen.
Barbara Cartland hat auch dieses Genre bedient, von ihr habe ich, wenn überhaupt, ein Buch gelesen und danach auf weitere verzichtet.
Im Cora-Verlag erscheinen monatlich zwei Heftchen dieser Art unter dem Begriff ‚My Lady’, die ich vor sehr langer Zeit mal abonniert hatte.

Abgesehen von diesen ewigen Adeligen (meist die Männer, die jedoch ein schweres Schicksal tragen und deren dunkler Fleck auf der Seele nur durch die Liebe einer Frau getilgt werden kann) und ihren Opfern (meist Frauen, die aus eher ärmlichen Verhältnissen stammen, aber dennoch vom festen Glauben an die Liebe beseelt Alles daran setzen, den Verzweifelten zu erretten), reizen mich diese Bücher, weil sie einfach pure Unterhaltung sind. Man weiß genau, was einen erwartet, wer wen kriegt, die Handlungen und die Personen sind immer Schema F, und am Ende kann man seufzend das Buch zuklappen und wundert sich, wo die ganzen Plätzchen geblieben sind.

Bis vor einigen Jahren endeten diese Bücher generell vor der Schlafzimmertür, sie waren also jugendfrei, das scheint sich jedoch geändert zu haben.

Als ich ‚Lord Stonevilles Geheimnis’ zu hören begann, hoffte ich also auf gute, kurzweilige Unterhaltung, weil ich Socken stricken wollte. Und das tat ich. Und wunderte mich irgendwann, wie schnell mir das Stricken plötzlich von der Hand ging, denn diese Geschichte sog mich geradezu in sich ein. Ironie, eine gehörige Portion Situationskomik und (leider) ein paar gute Sexszenen (auf die hätte ich verzichten können, aber sie sind wirklich gut), das bietet dieses Buch.
Die Handlung ist klassisch im Sinne des Genres und bietet nur bedingt Überraschungen.

Was mich irritiert hat, war Cathlen Gawlich, die versucht, jedem Charakter eine andere Stimme zu geben. Das gelingt ihr eigentlich ganz gut, nur bei dem jungen Fred, der 21 Jahre alt sein soll, sich aber anhört wie ein Junge vor dem Stimmbruch, ist der Effekt eher zweifelhaft. Auf der anderen Seite benimmt er sich entsprechend, also ist es wohl zu verschmerzen.

Fazit?
Ein wunderbares Beispiel für das Regency-Genre der heutigen Zeit. Einfach gute, manchmal richtig intelligente Unterhaltung, aber immer mit einem Augenzwinkern.


Jahresrückblick 2012

‚Buch’ trifft das Jahr 2012 wohl am besten bei mir.
Nun gut, ich habe, mit Unterbrechungen, schon immer viel gelesen, aber so ein ‚Pensum’ hatte ich wohl selten.
Und woran liegt das?
An diesem blog und seinen Folgen.

Im Februar erreichte mich nämlich eine Einladung zu einem Produkttester-Programm, und da fing der Spaß so richtig an. Zuerst Bücher ohne Ende, inzwischen auch andere Produkte. Ja, bei mir ist jetzt zwei Mal im Monat Weihnachten ;)

Dann kam bloggdeinbuch dazu und brachte mir ganz neue Eindrücke, was in der Verlagswelt so möglich ist. Ich wäre nämlich nie auf die Idee gekommen, Verlage direkt anzuschreiben, um Rezensionsexemplare zu bekommen.

Allerdings: Mein Bücherregal platzt aus allen Nähten, mein Sub ist im Laufe des Jahres ein RuB geworden (nein, nicht wegen der Rezensionsexemplare) und ich fühlte mich zum Teil von der Flut überfordert.

Weil:
Ich habe eine Bekannte, die mich regelmäßig mit Leihbüchern versorgt.
Ich habe mich bewusst für einen Ausweis der städtischen Bücherei entschieden.
Die Mayersche Buchhandlung hat zu oft mit reduzierten Büchern gelockt.
Sowohl Weltbild als auch die örtliche Vertretung des Bertelsmann-Verlags haben mit Ausverkäufen wegen Geschäftsaufgabe gelockt.
Und ich habe angefangen, auf bloße Empfehlungen Bücher zu kaufen.
Ach ja, und der kindle, der prallvoll mit Gratisbücher ist.

Eine Entwicklung, die ich noch nicht näher einschätzen kann, ist die Tatsache, dass mich nun Autoren anschreiben, ob ich ihre eBooks rezensiere. Dabei erlebte ich einen absoluten Glücksgriff, eine nette Überraschung und leider mehrere ‚Fehlgriffe’. Deshalb wer4de ich solche Anfragen in Zukunft ablehnen.

Auch mit Hörbüchern war ich extrem unterwegs, und sie alle aufzuzählen sprengt jeglichen Rahmen. Doch auch hier hat sich einiges angesammelt, was abgenaut werden soll.

Ansonsten lief es dieses Jahr nicht ganz so rund, wie es hätte sein können. Ich finde das persönlich sehr schade, denn das hätte nicht sein müssen. So allerdings habe ich eine Chance bekommen, die ich nutzen werde.

Und die Zukunft?
Die Bücher werden bleiben, ob mit dem gleichen Stellenwert wie 2012 bleibt abzuwarten.
Auf alle Fälle werde ich von Spontankäufen Abstand nehmen und mich verstärkt um bereits vorhandene Bücher/Hörbücher kümmern. Es sind derer so viele, dass ich damit wohl gut die nächsten zwölf Monate verbringen kann.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein wundervolles neues Jahr, möge es voller Überraschungen sein, nach Möglichkeit positiven!

Freitag, 28. Dezember 2012

Bekenntnisse eines Serienjunkies – Jochen Till


eBook, Dokumentation-Unterhaltung



Inhalt
In diesem Buch beschreibt Jochen Till 25 Serien und seine dazugehörenden Eindrücke und Meinungen.

Meine Erwartungen
Eine Auflistung von Serien finde ich deshalb interessant, weil ich selber mein Leben lang Serien geschaut habe. Und vielleicht sind ja auch meine Lieblingsserien dabei!?

Was wirklich geschah
Nach einer kleinen Einleitung – hierbei besonders eindrucksvoll: Was macht eine gute Serie aus – stürzt sich der Autor in seine Lieblingsserien und bereitet sie mit netten Anekdoten aus seinem Leben auf. Das lässt sich gut lesen, ist sehr humorvoll und insgesamt rund. Viele Serien kenne ich nicht, manche liebe ich ebenfalls (oder habe sie geliebt, denn auch ich habe so meine Zweifel, ob ich ‚Akte X’ heute noch so toll finden würde).

Aber
Da ich viele Serien nicht kenne, galt mein besonders Augenmerk natürlich denen, die ich kenne und selber mag. Dabei fiel mir gleich in der Inhaltsangabe ‚True Blood’ auf, denn dies ist meine absolute Lieblingsserie. Aber was ist das? Jason Stackhouse (übrigens, kleiner Druckfehler im Werk) als ‚Helden’ zu sehen, wenn man doch die Wahl hat zwischen Bill und Eric, auf so eine dämliche Idee kann auch nur ein Mann kommen. Dafür gibt es glatt einen Punktabzug!
Spaß beiseite. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung (außer, was ‚True Blood’ betrifft!). Es ist natürlich ein sehr subjektives Buch. Und manchmal schmerzt es. Ehrlich. ‚The Killing’ zum Beispiel habe ich in der Originalfassung aus Dänemark gesehen und fand es klasse. Was braucht es da eine amerikanische Version? Zumal der Autor auch im Kapitel zu ‚The Office’ gerade über die Plagiate ‚ablästert’. Aber die Amis können es wohl immer besser, oder? ;)
Wer den Film ‚Nightshift’ kennt, weiß, dass dem nicht so ist.
Menno!
Die Versöhnung kam bei ‚Glee’. Denn ja, wir lieben ‚unsere’ Serien aus den unterschiedlichsten Gründen, aber vor allem, weil sie bestimmte Knöpfe in uns drücken. Es sind Gestalten, die wir vielleicht gerne als Freunde in unser Wohnzimmer einladen würden, die wir als Nachbarn hätten/haben und sie sind langlebig. Man verfolgt ihr Leben über viele Jahre, erkennt Entwicklungen, sehnt sich nach bestimmten Szenen und Verwicklungen.
Äh, wo war ich?

Meine Meinung
Der locker-flockige Ton ist sehr unterhaltsam, die Geschichten am Rande informativ und auch sehr persönlich. So erfährt der Leser nicht nur über die Serien einiges, was er vielleicht gar nicht wissen will (oder bei dem er anderer Meinung ist)(Mist, ich komme nicht über die Sache mit ‚True Blood’ hinweg, ausgerechnet Jason, also wirklich), sondern auch über den Autor. Aber wir werden halt durch Serien geprägt. Jeder kennt solche Geschichten. Warum denke ich jetzt bloß an ‚Die Waltons’? Hey, wir haben damals jeden Sonntag vor dem Fernseher gesessen, die ganze Familie. Wir haben das toll gefunden. Doch vor ein paar Jahren sah ich mal wieder eine Folge und das hat einen ziemlich starken Brechreiz verursacht, meine Güte, was für ein Geseiere!
Also entwachsen wir auch den Serien. Was erklärt, warum ein richtiger Serienjunkie immer Nachschub braucht.

Meine Erfahrung
Nachdem ich dieses Buch angefangen habe zu lesen, musste ich ersteinmal ‚Torchwood’ und ‚Dr. Who’ schauen. Jochen Till hat mich geradezu ‚angefixt’. Serien machen Spaß. Gerade weil…
Nein, genug damit.

Fazit?
Ein wirklich gut geschriebenes, informatives und unterhaltsames Buch, das unter anderem auch erklärt, warum wir Alles stehen und liegen lassen, wenn ‚unsere’ Serie läuft. Und das uns gute Ausreden dafür gibt.
Allerdings graut mir vor der Fortsetzung, denn ich will gar nicht wissen, was der Herr Autor über ‚Torchwood’ zu schreiben hat!

Ich danke bloggdeinbuch und dotbooks für das Rezensionsexemplar. Bestellt werden kann es hier!

Ausgefressen – Moritz Matthies


CD, gekürzt, Komödie, gelesen vom Christoph Maria Herbst



Wäre die Hauptperson nicht ein Erdmännchen, wäre die ganze Geschichte nur ein weiterer Roman, in dem sich Männer zum Affen machen.
So finden sich zwar alle Merkmale wieder, die man aus ‚Vollidiot’ und Konsorten kennt, aber das Ganze bekommt noch einen Hauch mehr Absurdität mit einem Stückchen phantasiegeladenen Niedlichkeitsfaktor. Denn immer, wenn ich mich daran erinnerte, dass Ray ein Erdmännchen ist, flossen die Lachtränen umso heftiger. Ich sage nur Kaffeetasse und die Sache mit dem blauen Sofa!
Was für eine wunderbare (unterirdische) Welt kredenzt uns Moritz Matthies, mit, nein, ich verrate nichts.

Natürlich liest Christoph Maria Herbst gut, verleiht allen Beteiligten entsprechende Stimmen und ist stellenweise wunderbar atemlos. Allerdings hat er auch eine typische Stimme, die die Klischees in diesem Roman doch allzu deutlich werden lassen und damit den direkten Vergleich mit anderen von ihm gelesenen Werken beinahe penetrant wirken lasen. Das ist schade und erinnert mich ein wenig an Rufus Beck, bei dem ich leider auch irgendwann immer nur noch an Harry Potter denken konnte, egal, welches Buch er gerade las.

Fazit?
Durch seinen anderen Blickwinkel und die phantastischen Elemente (ich nenne das jetzt einfach mal so, was da bei den Erdmännchen abgeht) war es für mich ein ganz besonderes Hörerlebnis, das mein Kopfkino so richtig in Schwung gebracht hat.

Ein Ritter zu Weihnachten – Carrie MacAlistair

Taschenbuch, Zeitreiseliebesroman



Was gibt es Schöneres, als Weihnachten ein Buch zu lesen, in dem es um ein bevorzugtes Genre geht? Zeitreise, ein wenig Romantik, es hätte ein richtiges ‚Hach-Buch’ werden können.
Aber diesem Machwerk fehlt es an allem.
Mangelnde Sachkenntnis (ein Mann aus dem 14. Jahrhundert kann nicht nach Tabak duften, das mit dem Spiegel müsste ich nachschauen), mangelnder Witz, mangelnde Romantik, blasse Figuren, unstimmige Charaktere, eine absolut vorhersehbare Handlung, kein Esprit und eine grottenschlechte Lektoratsarbeit zeichnen dieses Buch aus. Das macht keinen Spaß und hat mich wirklich geärgert.
Warum ich es dennoch zu Ende gelesen habe?
Weil ich wissen wollte, ob meine Vermutung, die ich ab Seite 7 hatte, eintrifft. Sie traf *gähn*

Fazit?
Es tut mir um jeden Baum leid, der dafür gefällt wurde. Es war ein sinnloses Sterben und im Grunde eine Unverschämtheit.

Graveminder – Melissa Marr


Taschenbuch, Mystery



Das wäre ein Buch, für das ich mich ganz spontan in einer Buchhandlung entschieden hätte.
Das Cover mit der geprägten Schrift finde ich sehr ansprechend und für ein Taschenbuch sehr ‚griffig’. Und bereits der erste Satz der ‚Inhaltsangabe’ hätte mich neugierig gemacht. Deshalb habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut.
Also, gemütlich auf das Sofa gefläzt und los gelesen.

Genau so ein Buch ist das, ruhig, beinahe schon besinnlich wird der Leser an die Geschichte herangeführt, in die Stadt Claysville und ihre Bewohner und an das Geheimnis. Seite für Seite, Kapitel für Kapitel (die angenehm kurz sind, sodass man sie ganze Zeit denkt ‚ok, eines lese ich noch’) wird eine Welt gezeichnet, in der der Tod eine etwas andere Rolle spielt. Melissa Marr hat auf diese Art eine ganz eigene Welt geschaffen, ein bisschen phantastisch, ein bisschen phantasievoll.

Für mich liegt die Stärke in den eher ruhigen Worten, in denen es um tiefe Gefühle geht, aber auch um das ‚ankommen’, ob nun in einer Stadt, einem Haus oder in seinem Leben. Das hat mir gefallen, weil es komplett auf Effektheischerei verzichtet, selbst bei den eher blutrünstigen Szenen. Das zeugt von Respekt, der an dieser Stelle beziehungsweise bei diesem Thema nicht verkehrt sein kann.

Die Sprache ist angenehm zu lesen, nicht überkandidelt aber auch nicht zu einfach, sie fließt dem Inhalt angemessen dahin.

Aus irgendeinem Grund könnte ich mir vorstellen, dass es eine Fortsetzung geben könnte – würde aber darauf verzichten, weil diese Geschichte, so offen sie auch endet, viel von ihren Reiz verlieren würde – für mich.

Fazit?
Ein bemerkenswertes Buch mit einer schönen Sicht der Dinge.

Freitag, 21. Dezember 2012

Blutfetisch – Vicki Stiefel


(leider gibt es dazu keinen passenden Link, deshalb hier das Cover vom amerikanischen Original)
Taschenbuch, Thriller



Nein, ich habe bestimmt schon bessere Bücher gelesen, besonders welche, die sorgfältiger geschrieben und übersetzt wurden, die nicht hin und her sprangen, unmotiviert Aussagen wiederholten und insgesamt überzeugender sind. Ihr wollt ein Beispiel? Gut, hier ein freies Zitat (und kommt mir jetzt bitte nicht mit Urheberrechte): Meine Tante, die Schwester meines Bruders.
Diesen Satz habe ich drei Mal gelesen und dann noch einmal, weil ich es nicht glauben konnte. Und nein, es geht nicht um eine witzige Bemerkung (was auch immer die aussagen sollte), sondern war absolut ernst gemeint. Und so etwas ärgert mich!

Auf der anderen Seite hat dieses Buch eine interessante Geschichte, spannende Szenen und einen gehörigen Touch Okkultistisches – und das hat mir gut gefallen. Sonst hätte ich es ja auch nicht relativ zügig gelesen ;)
Aber ich glaube nicht, dass ich noch ein weiteres Buch von Vicki Stiefel lesen (dies ist übrigens der vierte Teil einer Reihe um Tally Whyte – die ersten drei kenne ich nicht), weil mir dieses teilweise zu konfus und irgendwie unfertig war.

Fazit?
Ganz nett, aber wenig überzeugend.

Janus - David Zurdo Saiz & Angel Gutierrez


Audible, ungekürzt, Thriller, gelesen von Lutz Riedel



Leider muss ich zugeben, dass ich dieses Hörbuch anfangs als eher langweilig eingestuft habe, denn die Geschichte entwickelt sich sehr langsam. Das liegt auch an dem Vorleser, der eine sehr ruhige Art hat und dadurch eher einschläfernd wirkt.
Richtig interessant wird es meiner Meinung nach erst, als die Rückblicke ein runderes Bild ergeben.
Und das Ende ist einfach perfekt.
Zwischendrin zeichnet dieser Thriller ein schreckliches Bild von Geheimdiensten und Militärs, ein Bild, das man sicherlich schon aus diversen Büchern und Filmen – und auch Dokumentationen und Reportagen – kennt. Und doch finde ich es immer wieder erschreckend.
Der wiederholte Hinweis auf die Macht der Computer und unsere Abhängigkeit von ihnen beziehungsweise von der Elektrizität, hat in mir zu einer leichten Endzeitstimmung geführt, die in Anbetracht des heutigen Datums doch ganz gut passt ;)

Fazit?
Eine interessante, zum Teil dezent spannende Geschichte, der man mit Geduld begegnen sollte. Dann wird man mit meiner Meinung nach faszinierende Ansichten belohnt.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Eifersüchtige Gattinnen – Ingolf Behrens


Kindle, Kurzkrimisammlung



Es gibt im kindle-Universum Menschen, die mir dadurch auffallen, dass sie unverhältnismäßig oft Gratisexemplare ihrer Machwerke unter das Volk bringen. Zu diesen gehört auch Ingolf Behrens.
Die Covergestaltung und dieses Überangebot haben mich zu der Annahme verleitet, hier handele es sich um einen Schreibtischtäter ohne Substanz.
Aber was auf dem kindle ist, kann ja auch gelesen werden.

Doch, ich war überrascht.
Natürlich sind die sieben (erotischen?) Kurzkrimis keine Perlen der Weltliteratur – aber sie sind unterhaltsam. Nette kleine Geschichten, stilistisch gutes Niveau, witzige Einlagen und seltsame Wendungen – was will man mehr?
Mir scheint, Ingolf Behrens schreibt mit viel Liebe und dem Wunsch, qualitativ gute ‚Ware’ abzuliefern. Und das gefällt mir sehr gut.

Fazit?
Eine angenehme Überraschung!

Torso – Wolfram Fleischhauer


Audible, gekürzt, Thriller, gelesen von Detlef Bierstedt



Das ist mal ein wunderbar konstruierter, packender Thriller mit Spannung bis zum Schluss. Denn nur wer genau aufpasst, hat eine Vorstellung davon, dass…
Auch das hintergründige Thema, die Machenschaften der Banken, scheint gut recherchiert (ich kann das nicht beurteilen) und ist stimmig in die Geschichte eingebaut.
Was mir besonders gefallen hat, war die Darstellung alternativer Lebenskonzepte, die konsequent durchgezogen werden, und die damit zuerst natürlich auf Unverständnis treffen, am Ende aber die Perversion dessen aufzeigen, was wir gemeinhin als ‚normal’ bezeichnen.
Außerdem hat mir gefallen, wie Lebensgeschichten miteinander verknüpft werden, ob nun in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, dieses Ineinandergreifen der Schicksale.
Die ‚Auflösung’ ist nicht so richtig überraschend, aber doch sehr schön und nicht 08/15.

Fazit?
Mal wieder ein richtig guter Thriller, mit gewissen Ekelfaktoren aber auch mit einer tollen Botschaft.

Freitag, 14. Dezember 2012

Trixie Belden auf der richtigen Spur (Trixie Belden 2) – Julie Campbell


Kinderbuch (10 – 13 Jahre)

Keine Wertung

Dieses Buch hätte heutzutage keine Chance, aber es ist ja auch schon ein wenig älter. Die Originalausgabe ist von 1950 (USA), die deutsche Ausgabe ist von 1972. Und genauso antiquiert ist das Buch. Es gibt keine amerikanischen Namen, alles ist eingedeutscht (bis auf ‚Blue jeans’ – ja, genauso wird das geschrieben). Außerdem ist die Sprache so betulich und zum Teil beinahe absurd, dass man dieses Buch getrost als Erinnerung an eine lang zurück liegende Epoche betrachten kann.

Ich hatte als Kind wohl den ersten Teil, denn an diese Geschichte kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern. Damals fand ich es interessant und wahrscheinlich sogar spannend, jetzt habe ich bei der Lektüre überlegt, was an heutigen Geschichten anders ist.

Wahrscheinlich ‚mutet’ man Kindern heutzutage schon mehr zu, sprachlich und auch inhaltlich. Hier ist doch Alles irgendwie heile Welt, auch wenn sich der Junge auf der Flucht befindet und der Familienvater ein bisschen Pech gehabt hat. Aber dies geschieht doch nur aus Missverständnissen heraus und am Ende helfen die Reichen den Armen und die Welt ist wieder in Ordnung.

Oder vielleicht habe ich auch einfach keine Ahnung von Kinderbüchern.

Fazit?
Für mich ein Stück Nostalgie.

Nickel – Aric Davis


Kindle, Roman



Seit noch nicht allzu langer Zeit gibt es bei amazon.de eine Leihbücherei für den Kindle. Ist man bei amazon.de Prime-Kunde (was etwa 30 € im Jahr kostet), darf man sich einmal im Monat ein Buch kostenlos auf den kindle laden und es lesen. Das wollte ich ausprobieren.
Leider ist das Angebot mehr als bescheiden, die meisten ‚Bücher’ habe ich eh schon, weil sie bereits gratis angeboten wurden und von Bestsellern ist nicht die geringste Spur zu entdecken. Vielmehr sind es amazon-eigene Produktionen bzw. solche, die praktisch im Eigenverlag für den kindle entstanden sind. Vielleicht ändert sich das ja noch, aber das ist der momentane Stand der Dinge. Ansonsten läuft das aber absolut bequem.

Das Buch ‚Nickel’ fiel mir eigentlich durch die Covergestaltung auf, und zwar deshalb, weil es mich an ein Buch erinnert, das ich gerne lesen würde. Auch erschien mir die Inhaltsangabe interessant.

Ja, es ist interessant, wenn auch anders, als gedacht. Nickel selbst ist dabei fast nebensächlich, wenn auch ein toller Held, der jedem Erwachsenen eigentlich zuruft ‚du Lusche, tu was’. Was mich viel eher an die Geschichte gefesselt hat, war die Andersartigkeit der Sichtweise. Ein Elfjähriger, der etwas macht, was eigentlich nicht sein dürfte, um etwas zu ändern, was noch viel mehr nicht sein dürfte, aber nach dieser Schilderung doch irgendwie fast normal (weil allgegenwärtig) erscheint. Ein Elfjähriger, der so erwachsen ist, aber doch ein kleiner Junge hinter einer dicken Schicht Frechheit und Zielgerichtetheit.

In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn diese Geschichte, die doch eher phantastisch wirken soll, muss, doch als absolut realistisch rüber kommt. Klar, man weiß von diesen Dingen, aber ist man sich wirklich der Tragweite bewusst?

Der Stil ist dem Erzähler angemessen, die Wortwahl und der Satzbau entsprechend. Und durch die relativ distanzierte Erzählweise wird der Schrecken des Inhalts geradezu abgeschirmt. Eine schöne Charakterstudie, besonders des Jungen, aber auch der Welt, in der wir leben.

Fazit?
Ein Buch, das man gelesen haben sollte.