Sonntag, 27. Januar 2013

Steinernes Fleisch (Reckless 1) - Cornelia Funke



audible, ungekürzt, Fantasy, gelesen von Rainer Strecker



Dieses Hörbuch ist ein Gesamtkunstwerk, das sich aus der eigentlichen Geschichte, dem Vorleser und ein wenig Musik zusammensetzt.

Die Geschichte fand ich weitestgehend uninteressant, weder nahm mich die phantastische Welt noch die Handlung gefangen. Nur die Andeutungen, was Jacob vorher erlebt hat, machten mich neugierig, aber es blieb eben bei Andeutungen. Dafür ist einiges von ' tiefen Gefühlen' zu lesen, die mich aber nur sehr wenig berührt haben. Nach meiner Meinung ist zu viel aus anderen Geschichten zusammengeschustert und überdeckt damit die eher neuen Ideen. Zumal diese auch irgendwie diffus bleiben.

Der Vorleser leistet gute Arbeit, setzt Akzente und verleiht der Handlung im gewissen Maße Tiefe. Doch ist mir die Stimme und Modulation persönlich zu depressiv, was natürlich zur Geschichte passt, aber so das Ganze noch verstärkt. Natürlich ist es richtig, eine eher traurige Geschichte getragen vorzulesen, versteht mich bitte nicht falsch, mir wurde es aber einfach zu viel. Und so wirkte es in der Kombination eher langweilig. Für mich.

Die Musik hat mir gefallen, sie passte gut zur Grundstimmung und hat mich auch nicht aus der Geschichte gerissen.

Geärgert hat mich, dass die Brüder Jacob und Will heißen. Ich frage mich bei so etwas einfach, ob es der Autorin nur darum geht, ein internationales Publikum zu bedienen.

Wie ich schon einmal geschrieben habe, wird Cornelia Funke wohl nie meine Lieblingsautorin werden. Leider, und das meine ich ernst, schafft sie es nicht, mich mit ihren Geschichten zu verzaubern. Sie sind mir zu gewollt, zu sperrig, zu bekannt. Es fehlt mir die Lebendigkeit der Sprache und der Idee.

Fazit?
Handwerklich nicht schlecht, doch mich hat es nicht berührt.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Das Kopernikus-Syndrom - Henri Loevenbruck



Taschenbuch, Thriller



Leider hat es nun mit dem Lesen doch etwas länger gedauert, als ich es geplant hatte. Das tut dem Reiz aber keinen Abbruch. ;)

Mich haben während des gesamten Lesens die psychologischen und philosophischen Gedanken fasziniert, sehr viel mehr als die eigentliche Handlung, wie ich gestehen muss. In diesen Gedanken äußert sich auch gut die stilistische Meisterschaft des Autors, dessen Wortfindungen und Satzbauten mich immer wieder gefesselt haben. In den eher actionlastigen Szenen dagegen zeichnet sich der Stil durch kurze Sätze und einfache Worte aus. Interessant finde ich das.

Als sich der große Kreis schließt und es eigentlich profan und gewöhnlich wird - oh, schon wieder eine Verschwörungstheorie - gelingen dem Autor so wunderbare Einblicke, dass ich noch viel Stoff zum Nachdenken habe.

Fazit?
Ein tolles Buch mit vielen fundierten Einblicken in Psyche und Philosophie. Ein Thriller auf höchstem Niveau!

Spiel der Herzen (Hellions of Halstead Hall 2) - Sabrina Jeffries


audible, ungekürzt, Liebesroman, gelesen von Cathlen Gawlich



Es gibt Serien, bei denen man die einzelnen Teile gut hintereinander lesen, und es gibt Serien, bei denen sollte man bzw. ich es lassen.
Vielleicht liegt es am allgemeinen Inhalt, vielleicht an speziellen Szenen, aber für mich bestanden zu viele Ähnlichkeiten mit dem ersten Teil, und so kam eine gewisse Langeweile auf.
Objektiv betrachtet ist dieses Hörbuch aber genauso überzeugend wie der erste Teil. Stilistisch einwandfrei, die üblichen Verwicklungen und eine Menge amüsante Szenen ergeben eine runde Sache Und bieten gute Unterhaltung.
Cathlen Gawlich liest gewohnt gut und stimmig.
Und natürlich möchte ich such gerne wissen, wie es weitergeht, schließlich geht es um fünf Geschwister und die Sache mit den Eltern ist auch noch nicht geklärt. Allerdings muss ich darauf noch warten und das ist gut so!

Fazit?
Manchmal kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an. Aber ein handwerklich gut gemachtes Buch mit Seele kann ich immer würdigen.

Sonntag, 20. Januar 2013

Was liest du gerade?


Hier ist es also, das erste Thema bei '52 Bücher'.
Was liest du gerade?

Das ist eine Frage, die ich mal ganz schnell beantworten möchte, da mich das Buch so fasziniert und ich heute viel Zeit habe zum Lesen, ich es also sehr wahrscheinlich heute noch beenden werde.

Das Buch ' Das Kopernikus- Syndrom' von Henri Loevenbruck habe ich beim Büchrei-Flohmarkt entdeckt und mich dabei auf die ersten Sätze des Textes auf der Rückseite verlassen. Allerdings muss ich zugeben, dass mich das Schild am Regal (3 Bücher für 50 Cent) in einen wahren Rausch versetzt hat und ich dieses Buch unter anderen Umständen wohl liegengelassen hätte.
Natürlich sieht ein Bücherei- Buch nicht so aus, als könne es die Zierde eines Bücherregals sein. Mit durchsichtiger Folie ist es ummantelt, hat Aufkleber, ist angebilbt und weist Flecken dubioser Herkunft auf. Aber was stört es mich, wenn es inhaltlich packend ist!
Die psychologischen und philosophischen Gedanken des Protagonisten sind faszinierend und haben einen gewissen Bezug zu meiner derzeitigen Realität, und obwohl ich schon einen Verdacht habe, bin ich überzeugt, dass ich noch so manche Überraschung erleben werde.
Außerdem ist es angenehm intellektuell geschrieben und fordert ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit. Sehr angenehm.

Natürlich wird es später noch eine Rezension zu diesem Buch geben (dann auch mit Bild), aber jetzt muss ich erst einmal zurück auf mein Sofa und in dje Geschichte, ein paar Seiten habe ich noch!

Samstag, 19. Januar 2013

Schmitz Mama - Ralf Schmitz


CD, Hörbuch, Humor



Natürlich habe ich gelacht, und das nicht zu knapp. Allein die Geschichte mit der SMS aus London hat Tränen und Bauchschmerzen verursacht.
Allerdings nutzt sich die Amüsiertheit im Laufe der CDs ein wenig ab. So wird aus dem lauten Lachen irgendwann ein Kichern und am Ende bleibt ein Grinsen.
Leider muss ich gestehen, dass ich nicht genau weiß, ob ich es nun bedauern soll, keine Mutter mehr zu haben, oder ob ich beinahe froh sein soll, dass mir während der letzten zwanzig Jahre so einiges erspart geblieben ist.
Denn Ralf Schmitz hat Recht, irgendwie haben wir alle so eine Mutter. Und so eine Familie.

Der Autor liest sein Buch mit sehr viel Gefühl und Hingabe, spart nicht mit Lautmalerei und stimmlichen Entgleisungen - und ist trotz der zum Teil beinahe bösartigen Satire doch liebevoll.

Fazit?
Mir hat es gefallen, doch empfehle ich, dieses Hörbuch nicht an einem Stück zu hören.

Sehet die Sünder - Liv Winterberg


Taschenbuch, historischer Roman



Anfänglich hatte ich ein paar kleine Probleme mit dem Schreibstil von Liv Winterberg, der sich durch kleine Wiederholungen einzelner Wörter zur Unterstreichung auszeichnet. Eigentlich ein nettes Stilmittel, wendet sie das so oft an, dass es befremdend wirkt.
Doch dann entwickelte sich die Geschichte und ich muss gestehen, dass sie mich völlig in ihren Bann zog. Und obwohl es beim ersten Blick in das Buch nicht so aussieht, die Personenzahl und ihre Namen sind durchaus überschaubar und einprägsam.

Gegen Ende hatte ich ein deja-vu-Erlebnis, denn irgendwie kam mir die Geschichte bekannt vor. Ein Griff in mein Bücherregal, und siehe da, es gibt ein Buch, das dieselbe historische Figur aufgreift, sich aber weniger künstlerische Freiheit erlaubt: 'Die Schreckenskammer' von Ann Benson, übrigens sehr zu empfehlen, weil extremst spannend.

Allerdings bedient Liv Winterberg ein anderes Publikum, wie mir scheint. Neben einer meiner Meinung nach sehr fundierten Schilderung der Lebensumstände, steht hier ein anderer psychologischer Aspekt im Vordergrund, der mir persönlich zusagt. So schafft die Autorin ein sehr ergreifendes Bild, das einen nachdenklich stimmen kann.

Fazit?
Ein packender historischer Roman mit sehr viel Spannung, ohne reißerisch zu wirken.

Freitag, 18. Januar 2013

Achtung, Molly im Anflug (Vampirinternat Schloss Schauerfels) - Dagmar H. Mueller, Olivia Vieweg


gebundene Ausgabe, Kinderbuch, Fantasy



Dieses Buch wird für Kinder (Mädchen?) zwischen 8 und 10 Jahren empfohlen und hat mich für diese Altersgruppe auch völlig überzeugt.
Was mich gestört hat, war die meiner Meinung nach gewollt flapsige Art und Ausdrucksweise, allerdings gehöre ich ja nun einmal nicht in die Altersgruppe. Außerdem habe ich das Buch natürlich in einem Rutsch gelesen, während sich Kinder da vielleicht mehr Zeit lassen, und es deshalb nicht so geballt erleben.

Was mich fasziniert hat war die Botschaft in diesem Buch: Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden!
So wird eben mal nicht schwarz-weiß gemalt, sondern an das Zusammengehörigkeitsgefühl einer willkürlich zusammengewürfelten Gruppe appeliert. Natürlich kenne ich mich nicht mit Kinderbüchern aus, muss aber gestehen, dass ich diesen Gedanken sehr schön finde. Dadurch wird die Handlung, so phantastisch sie auch ist, auf die Realität übertragbar. Vielleicht sollten Eltern auch einen Blick in das Buch werfen und es ihren Kinder dementsprechend erklären.

Die Illustrationen sind natürlich nicht künstlerisch wertvoll, aber dem Inhalt durchaus angemessen und humorig.

Übrigens hat es mich sehr irritiert, dass ich ganz gerne wüsste, wie es mit Molly weitergeht.

Fazit?
Ein unterhaltsames Buch für Kinder, das ein wichtiges Thema (Toleranz) witzig und spannend verpackt.

Hundert Namen - Cecilia Ahern


audible, Roman, ungekürzt, gelesen von Luise Helm



Ich weiß nicht, was genau es ist, aber irgendetwas spricht mich bei den Büchern von Cecilia Ahern an. Obwohl sich Alles in mir dagegen wehrt.
Vielleicht liegt es dann doch an meinem tief versteckten Bedürfnis nach heiler Welt oder dem Guten im Menschen. Wie dem auch sei, 'Hundert Namen' hat es geschafft, meine sentimentale Seite voll anzusprechen. Allein die Figur 'Eva' hat mich zu Tränen gerührt.

Nun aber mal sachlich.
Stilistisch ist an dem Buch nichts auszusetzen, obwohl es seine Längen hat und ich irgendwann dachte 'jetzt ist es aber gut' - nur um dann wieder überrascht zu werden. Phantasievoll ist die Autorin, ganz ohne Zweifel. Und eine Botschaft hat sie auch.

Luise Helm allerdings, nun, zu sagen, sie kann nicht lesen, wäre übertrieben und ungerechtfertigt. Aber schön ist es nicht, was sie da abliefert. Diese ständigen Pausen können, wenn man gezielt darauf achtet, den Hörer wahnsinnig machen und haben mich immer wieder aus der Geschichte herausgeholt. Muss so etwas sein? Warum achtet niemand darauf? Diese Frage stellt sich mir leider oft.
Wenigstens versucht sie nicht zu schauspielern, ein großer Pluspunkt.

Fazit?
Ein schönes Buch voller Seufzer, Tränen und Humor. Man kann es mögen, muss es aber nicht. Mir hat es allerdings gefallen. :oops:

Dienstag, 15. Januar 2013

Knochenbrecher - Chris Carter


Taschenbuch, Thriller



Leider hat sich für mich das Genre Thriller mal wieder abgenutzt, und so halte ich 'Knochenbrecher' zwar für einen guten Thriller, aber der Reiz des Neue, wie er mir noch bei 'Der Kruxifix-Killer' geboten wurde, hat sich stark reduziert. Im Grunde geht es hier streckenweise nur darum, Grausamkeiten und Brutalitäten mit einer gewissen psychologischen Einheitsmatsche zu überziehen, ein wenig Spannung hinzu zu geben und dem Leser damit in Angst und Schrecken zu versetzen. So bleibt bei mir der Eindruck des Konstruierten und des Bedienen eines allgemeinen Geschmacks.
Auch die Protagonisten interagieren nicht so, wie sie es in den vorherigen Teilen dieser Serie getan haben, sondern werden reduziert auf Funktionalität. Waren sie mir vorher sympathisch, so sind sie hier teilweise einfach nervig.
Einziger Lichtblick hätte das Auftauchen einer Person sein können, die in ihrer moralisch-unmoralischen Denkweise schon einmal für einen 'Kick' gesorgt hat. Doch macht Chris Carter nichts aus dieser Figur und lässt mich in einem sehr widersprüchlichen Zustand zurück, der sich aus einer Formulierung ergibt.
Insgesamt wird man hier mit Durchschnitt abgespeist, eine Masche, die immer wieder wiederholt wird und damit wohl nur solche Leser bedient, die dieses Genre in all seinen Facetten, oder seiner strikten Regeln, immer und immer lesen wollen.

Fazit?
Enttäuschendes Mitttelmaß.

Error - Neil Stephenson


audible, ungekürzt, Thriller, gelesen von Detlef Bierstedt



45 Stunden lang ist dieses Hörbuch, und ich glaube, so ein langes habe ich noch nie gehört. Aber es hat gewisse Vorteile. Erstens ist man einige Zeit beschäftigt, zweitens habe ich den Eindruck (ohne dem Autor zu nahe treten zu wollen), es käme nicht so auf jedes Wort an. Das gewährleistet ein entspanntes Hören, wie ich finde.
Inhaltlich war ich fasziniert von dem Konstrukt der Geschichte. Durch eine Aneinanderreihung von Zufällen, einer Verkettung von Umständen, ergeben sich zwar unwahrscheinliche, aber auch passende persönliche Bindungen, die nicht nur große Teile der Welt beinhalten, sondern auch zielgerichtet zum Showdown führen.
Neil Stephenson schafft es dabei sogar, einzelne Charaktere so darzustellen, dass ich fast Mühe hatte, mich von ihnen zu verabschieden. Die persönlichen Lebensgeschichten, verschiedene Weltanschauungen und Lebensweisen, technische Details und Ausflüge in die Online-Spielewelt bilden ein Gesamtkonzept, dass diese Geschichte sicherlich einzigartig macht. Doch natürlich gibt es Ähnlichkeiten zu 'For the win' von Cory Doctorow, die sich aber auf Eckdaten reduzieren.
Ich fand es wunderbar, zu beobachten, wie sich die gesamte Konstruktion entfaltet, wie jede einzelne Person wie ein Rädchen im Uhrwerk auf das Gesamtgeschehen wirkt und es abrundet. So sind 45 Stunden am Ende gar nicht so lang, sondern absolut nötig, damit der Hörer/Leser die Geschichte in ihrem vollen Umfang erfahren kann und die kleinen Nuancen in den Charakteren auch mitbekommt.
Einen winzig kleinen Kritikpunkt habe ich, aber das ist ein ganz persönlicher und hat mit der stellenweisen Schwarz-Weiß-Malerei zu tun. Sicher entspricht das zum Teil den Tatsachen, ist aber im Hinblick auf das Weltgeschehen für mich persönlich nur schwer zu akzeptieren. Mein Problem.

Fazit?
Ein rundum stimmiges Hörbuch (mit kleinen Abstrichen) mit sympathischen Protagonisten. Es lohnt sich.