Montag, 29. April 2013

52 Bücher – 15. Woche


Das Motto diesmal:
Das schönste und das hässlichste Buchcover

Nun habe ich keine tollen Bildbände, die ich hier vorstellen könnte (wenn doch, liegen sie gut verpackt irgendwo, wo ich gerade nicht hinkomme), deshalb greife ich auf dieses zurück (stellvertretend für manch andere):

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Seit einiger Zeit stehe ich voll auf diese geprägten und ordentlich verzierten Bücher, die sich toll anfassen und kleine Kunstwerke für sich sind. Angefangen hat es mit der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier, die mir dadurch auffielen (nein, nicht nur durch die Zeitreise-Thematik). Ich habe den Verdacht, dass dies besonders durch die Benutzung des E-Book-Readers geschah, denn auf dem sind alle Katzen, äh, Bücher grau. Und ich muss zugeben, dass ich seitdem die Leute verstehe, die mir etwas von ‚Haptik’ erzählen. Es sind solche Bücher, die man kaum wagt, in die Hand zu nehmen, weil man befürchtet, sie zu verschmutzen (wie gut, dass es Schutzhüllen gibt), und die man auf keinen Fall verleiht. Solche Bücher erinnern mich persönlich an die Bücher in alten Bibliotheken, handgemacht und wunderschön illustriert. Eben kleine Kostbarkeiten.

Eines der hässlichsten Buchcover ist für mich dieses:

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In dem Buch geht es um ein ernstes Thema, das meiner Meinung nach wunderschön aufgearbeitet wird, und dann kommt es in diesem Gewand daher, das einfach nur unpassend und beinahe schon geschmacklos ist. Genau wie der Titel übrigens, aber darüber habe ichmich hier schon genug ausgelassen.

Hässlich oder schön sind natürlich immer Geschmackssache und auch abhängig vom Genre. Thrillercover sind meist reißerisch, blutig und eher unschön. Einen klaren Vorteil hat hier Fantasy. Allerdings empfinde ich gebundene Bücher mit gestaltetem Einband inzwischen las kleine Kostbarkeiten, denen Taschenbücher eher wenig entgegenzusetzen haben (dies widerspricht allerdings meinem Kaufverhalten).
Und natürlich kommt es immer auf den Inhalt an, ich bin ja nicht oberflächlich :wave:

Urlaub mit Esel – Michael Gantenberg



Hörbuch, gekürzt, Komödie, gelesen von Bastian Pastewka

:DD:DD

Am Anfang hätte ich mir am liebsten die Ohrstöpsel aus den Ohren gezogen, so penetrant quäkt Bastian Pastewka in das Mikrofon. Zum Glück gibt sich das sehr schnell und auch die Geschichte gewinnt an Klarheit. So weit möglich jedenfalls, denn die Gedanken des Herrn Lehrers inklusive Rückblenden sind doch, nein, nicht konfus, sondern eben so, wie das Leben ist.
Und die Gedanken, die man denkt.
Ganz zu schweigen von den Leuten, die man trifft.
Nicht nur in der Uckermark.
Aber vielleicht gerade dort?

Nein, bis auf die Esel, hat jeder, der schon einmal länger zu Fuß unterwegs war, ähnliches erlebt und ist ähnlichen Charakteren begegnet. Die, die einem sofort unsympathisch sind, weil sie nerven, sich dann aber doch als nette, fürsorgliche Personen herausstellen? Na, mal ehrlich, habt ihr doch schon erlebt, oder?
Oder der ‚ganze Kerl’, der plötzlich, nun, das verrate ich jetzt nicht.
Oder der Spinner, der durch sein absonderliches Verhalten, seiner bescheuerten Meinung dann doch etwas bewegt?
Doch, natürlich kennt jeder diese Typen, derer sich Michael Gantenberg bedient.

So ist ‚Urlaub mit Esel’ meiner Meinung nach eher eine Mischung aus Alltagskomik und Lebensweisheit, ein bisschen Selbstfindungstrip und ein bisschen Mutmacher, die ausgetretenen Pfade zu verlassen (sorry, aber der musste jetzt sein).

Stilistisch hat es mir übrigens gut gefallen!

Bastian Pastewka hat mich mit seiner Vorleserei erstaunt, war ich doch ein wenig voreingenommen. Doch er liest gut und angemessen, schauspielerisch ambitioniert und authentisch.

Fazit?
Mehr als bloße ‚Urlaubslektüre’, die unterhalten soll, vielmehr ein unterhaltsames Stück Leben ‚mal anders’.

Freitag, 26. April 2013

Bettler und Hase – Tuomas Kyrö


Gebundene Ausgabe, Roman



Ich mag skandinavische Bücher, stelle ich nun immer wieder fest. Und die finnischen sind da noch mal eine Klasse für sich. So wie ‚Bettler und Hase’, das mich völlig überzeugt hat. Zum einen, weil die Geschichte so wundervoll abgedreht ist, die Protagonisten ein wenig surreal daher kommen und insgesamt so etwas wie ein Märchen erzählt wird.
Natürlich gibt es auch ein gewisses Maß an gesellschaftlicher Kritik, die aber so lapidar eingeflochten wird, dass sie der Schönheit der Erzählung nicht in den Weg kommt.

Der Stil ist zum Teil simpel, weil es die Personen sind, zum Teil sehr poetisch, auch das, weil die Personen so sind und das sehen, um das es geht. Ein wenig irritierend fand ich die Kursivschrift, weil ich da nie so richtig wusste, ob Vatanescu das nur denkt oder wirklich ausspricht. Das ergibt sich oft nur aus den Erwiderungen der anderen.
Witzig fand ich auch die Idee, Memoiren eines Mannes einzufügen, die fast so klingen wie ein Verhörprotokoll. Absolut angemessen.

Auch gefallen mir die vielen Lebensgeschichten, die hier erzählt werden.

Fazit?
Ein Buch, das mich gut unterhalten hat, nicht, weil der Inhalt so spannend ist, sondern weil ich in eine andere Welt voller philosophischer Gedanken eintauchen durfte.

Trigger – Wulf Dorn


Hörbuch, Psychthriller, gekürzt, gelesen von Wulf Dorn



Von Anfang an hat mich die Art und Weise begeistert, mit der Wulf Dorn in die Sphären der Psychiatrie eintaucht und ein rundum erklärendes Bild davon abliefert, was in der Psyche eines Menschen vorgeht. Behäbig erzählt er seine Geschichte, langsam oft und irgendwie, als doziere er sie, aber trotzdem faszinierend. So wurde mir auch erst fast gegen Ende (ich hätte bestimmt auch früher darauf kommen können!) klar, was geschehen sein musste.
Besonders gefallen hat mir der Umgang mit der ‚Ursprungsgeschichte’, bei der ich schon meine Zweifel hatte, ob das gut gelingen konnte. Denn ich persönlich fand es ein wenig heikel.

Der Stil ist so wie in jedem besseren Thriller, nicht auffällig, aber in keinster Weise reißerisch oder ‚überkandidelt’. So gibt es wenige spannende Szenen im herkömmlichen Sinne, dafür ist der Hörer zum Mitdenken animiert, im Sinne von: Was kann in einem Kopf vorgehen?

Das Ende fand ich ein wenig zu lang gezogen, was vielleicht auch an dem Vorleseverhalten liegt. Allerdings ist es ein runder Thriller und der braucht vielleicht einfach die Zeit, damit sich der Kreis schließt.

Fazit?
Ein Thriller, der mich überzeugt hat, fundiert und gut erzählt.

Mieses Karma – David Safier


Audible, ungekürzt, Unterhaltungsroman, gelesen von Nana Spier und Christoph Maria Herbst



Dieses Buch hat durchaus seine Höhepunkte.
Die Einblicke in die Tierwelt zum Beispiel. Oder der leichte Einblick in bestimmte Philosophien. Auch die Erklärung mancher Vorfälle ist durchaus nett und unterhaltsam. Oder die Stellen die Christoph Maria Herbst liest, die mich sehr erheitert haben.
Insgesamt finde ich die Geschichte aber eher durchschnittlich. Ein wenig Liebesirrungen und –wirrungen, ein bisschen New Age, ein wenig Kritik am gesellschaftlichen Leben und Vorstellung. Etwas zu wenig Mut zu etwas ganz anderem.
Aber die Geschichte plätschert schön dahin, man wird geradezu sanft unterhalten, zwischendurch auch durchaus in Spannung gehalten, manchmal reicht es auch für ein Lächeln.

Es stellt sich ja immer irgendwie die Frage, was man von einem Buch erwartet.
Nun, ich hatte wohl auf mehr Situationskomik gehofft, auf richtige Brüller, und die gibt es einfach nicht. Höchstens, wenn sich Nana Spier richtig ins Zeug legt mit ihrer Lesekunst. Oder ein Satz von Christoph Maria Herbst fällt.
Als Buch gelesen, für mich allein, wäre das nicht gewesen und ich frage mich, wie dann diese Rezension ausfallen würde ;)

Fazit?
Dieses Buch lebt durch die Vorleser. Ansonsten wäre es Unterhaltungseinheitsbrei.

Dienstag, 23. April 2013

Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück – Francois Lelord


Audible, ungekürzt, Roman, gelesen von August Ziemer



Es gibt Umstände, die einem so richtig glücklich machen können, und die können ganz verschieden sein.
Bei mir war es heute dieses Hörbuch, zusammen mit meinem Strickzeug und einer Menge Sonnenschein und blauem Himmel, die ein so großes Gefühl der Zufriedenheit verursachten, dass ich es ohne zu zögern Glück nennen möchte.
Vier Stunden gute, geistreiche Unterhaltung, eine Menge Stoff zum Nachdenken (nicht Grübeln), einen wirklich angenehmen Vorleser mit Gespür für Nuancen – und wem habe ich das zu verdanken? Nun, wer mich kennt, kann erahnen, von wem die Empfehlung stammt. Wie dem auch sei, ich liebe dieses Hörbuch, vom ersten bis zum letzten Wort.

Die beinah kindgerechten Erklärungen der Welt haben mich häufig zum Lächeln gebracht, die Einfachheit mancher Zusammenhänge hat mich erstaunen lassen – doch am besten hat mir gefallen, dass der Autor nicht belehrend ist, nicht betont, er sei im Besitz der ganz großen Weisheit, sondern einfach eine Geschichte erzählt, die man annehmen kann, oder auch nicht. Und die all die Wirrnis, die man gemeinhin mit diesem Thema verbindet in einen ‚normalen’ Bereich schiebt.

Auch der Blick hinter die Kulissen (was und wie macht ein Psychiater eigentlich, was er macht) hat mir gefallen, bringt es doch ein wenig Menschlichkeit in die große Maschinerie. Für mich ist jetzt jedenfalls klar, dass Therapeuten (egal ob Psychiater, Psychologen oder sonst wie geschulte Personen, die anderen aus psychischen Krisen helfen sollen) auch nicht unbedingt so genau wissen, wie die Welt und das Leben funktionieren und schon allein deshalb glückliche(re) Menschen sind. (Manchmal macht es glücklich, nicht bescheid zu wissen *grins*)
Allerdings habe ich den Verdacht, im Grunde gibt es eine ganz einfach Antwort auf die Frage nach dem Glück – jedenfalls für mich.

Stilistisch gesehen handelt es sich um ein wunderbar leichtes, ich möchte fast sagen leichtfüßiges, Buch, indem blanke Theorie gut verständlich erklärt wird. Ein wenig französisch kommt es daher, mit einem schelmischen Grinsen und einer tiefen, reifen Ruhe.

Fazit?
Vergleichbar mit einer sehr guten Therapiesitzung hat dieses Hörbuch jedoch den Vorteil, wiederholt werden zu können.

Montag, 22. April 2013

52 Bücher – 14. Woche


Das Motto:
Welches/r Buch/Roman in Deinem Regal hat die meisten Seiten {ungefähr 1400 - 12bändiger Brockhaus ausgenommen}

Nun, ich habe festgestellt, dass das dickste Buch im Sinne von Seitenzahlen, meine derzeitige Lektüre ist, nämlich: ‚Das Salz der Erde’ von Daniel Wolf. Leider darf ich darüber nicht sehr viel verraten, da es erst am 10.06.2013 erscheint, aber hier in meinem blog wird es dann auch eine Rezension geben.
Nur so viel sei geschrieben: Es ist ein historischer Roman und bringt es auf sage und schreibe 1146 Seiten!

Mehr kann ich nicht auftreiben, denn obwohl ich sicher war, nur prächtigere Schinken in meinem Regal stehen zu haben, nein, das sind zum größten Teil Blender. Dickes Papier schafft äußerliches Volumen, doch die Seitenzahl verrät es, alle unter 1000 Seiten. Nun ja, schließlich ist nicht ‚Größe’ von Bedeutung, sondern Technik, äh, ich meine natürlich den Inhalt. Und es gibt eben Geschichten, die brauchen nicht mehr Worte (eher mehr Sinn). Aber es gibt auch diese opulenten Werke, in denen jedes Haar auf dem Kopf des Helden / der Heldin, von ganz spezieller Bedeutung ist. So etwas braucht dann Raum zum Entfalten.

Allerdings mag ich solche dicke ‚Schinken’ eher selten. Denn zwischen Lesezeit und Dicke besteht nicht unbedingt ein Zusammenhang. Ein 400-Seiten-Buch lese ich schon mal locker an einem Tag, für 1200 Seiten brauche ich aber bedeutend mehr als 3 Tage. Wobei ich zugeben muss, dass bei ‚Das Salz der Erde’ kein Raum durch große Buchstaben oder übertrieben viele Absätze verschwendet wird. Würde man also den Standard von manchen 400-Seiten-Büchern anlegen, käme man wohl auf nahezu 2000 Seiten. Denn Seitenzahlen sind relativ.

Wo war ich?
Ach ja, dicke Bücher.
Ich mag sie manchmal, weil ich dann das Gefühl habe, etwas in der wortwörtlichen Hand zu haben. Viele Stunden Lesevergnügen mit einer Geschichte und mit den gleichen Protagonisten, die einem dann auch hoffentlich sympathisch sind. Und das Gefühl, der Autor hat sich Zeit gelassen, um seine Geschichte zu erzählen, auf Details einzugehen, und vorher gründlich recherchiert zu haben. Denn eine 200-Seiten-Geschichte ist schnell geschrieben, bei 1146 Seiten braucht es da schon etwas länger. Wie viel Herzblut mag sich darin verbergen, wie viele Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre intensiver Arbeit? Das ist spannend. Kann es jedenfalls, muss es aber nicht.

Eines steht jedenfalls fest: Die Vielfalt der Bücher zeigt sich auch in deren Umfang. :wave:

Der Funke des Chronos – Thomas Finn


Audible, Zeitreise, gelesen von Oliver Rohrbeck



Ja, ich gebe es zu, anfangs hatte ich mit diesem Zeitreiseroman einige Schwierigkeiten, da er doch eher unglaubwürdig daher kam. Nicht wegen der Zeitreise als solcher (obwohl das Aussehen des Gefährts, nun, das klärt sich zum Glück), sondern wegen der unreflektierten Hingabe des Reisenden. Da wird nicht lange gefragt, nein, es wird hingenommen.
Auch waren mir die Protagonisten doch ziemlich zweidimensional.
Aber dann betrat Jochen Borchert die Bühne und ich war hin und weg. Wie sehr wünsche ich mir, noch mehr von ihm zu hören, denn es ist eine der interessantesten Personen, von denen ich seit langem hörte. Er ist durchaus einer eigenen Serie wert.
Und mit dieser einen Person (und noch einer weiteren, die ich hier aber nicht erwähnen möchte) öffnete sich mir der Blick für die Geschichte, ihre Personen und überhaupt der ganzen, runden Sache, die wohlüberlegt und gut recherchiert ist. Der Einblick in die Geschichte Hamburgs, angefangen von dem Leben der Straße bis hin zum Brand, war mir sehr bildlich vor Augen und voller Kraft und Farbe. Auch ist die Handlung als solche hinreichend spannend und voller, nein, nicht Überraschungen, ich möchte es lieber ‚Würze’ nennen.
Und auch die ‚Auflösung’ ist nachvollziehbar und lässt in mir die Hoffnung keimen, dass es eine Fortsetzung geben wird. Ich würde mich darüber freuen.

Fazit?
Ein wunderbarer Vertreter der Zeitreiseromane, der ein wenig Zeit braucht, um sich zu entwickeln. Aber es lohnt sich.

Glits – Robert Wolfe


Taschenbuch, Jugendroman



Als erstes fällt bei diesem Buch natürlich die Farbe auf – man muss wirklich keine Angst haben, es irgendwo nicht finden zu können. Mich selbst hat das ziemlich gestört und ich war froh, als ich es im Schutzumschlag verstaut hatte.

Der Stil hat mich anfangs gestört. Zu abgehackt, zu viele Informationen, es bildete sich kein klares Bild heraus. Doch als sich das erst einmal sortiert hatte, war ich mittendrin in der Geschichte. Und die hat mir gefallen. Zum einen spannend, denn natürlich fiebert man besonders gegen Ende mit, zum anderen sympathische und nachvollziehbare Charaktere.
Und das Beste: Man bekommt keine ‚Botschaft’ vorgekaut. Ich schloss das Buch mit dem Gedanken: Gut, das könnte der Sinn gewesen sein, vielleicht aber auch etwas ganz anderes.
Es macht Spaß, darüber nachzudenken, was wirklich geschah.

Aber zurück zum Stil: Ich fand ihn zum Teil sehr poetisch und beinahe malerisch, im Sinne davon, dass in meinem Kopf ein Bild von Gefühlen entstand, welches ich als schön empfand. Ein bisschen Hoffnung, ein bisschen Beruhigung, ein bisschen freudige Erwartung. Für ein Jugendbuch ist so etwas wirklich schön.

Fazit?
Ein Buch, das positive Gefühle weckt und einen für den Moment innehalten und durchatmen lässt.

Mittwoch, 17. April 2013

Er ist wieder da – Timur Vermes


Gebundene Ausgabe, Roman



Ich habe mir bereits viele Gedanken darüber gemacht, was ich über dieses Buch schreiben will, kann und möchte. Während des Lesens, in den ‚Pausen’, nach dem Ende. Und immer noch bin ich unentschlossen.
Weil ich das Thema allgemein sehr heikel finde, scheue ich mich, mit so Floskeln wie ‚hat mich gut unterhalten’ zu beginnen – dabei hat es das. Ich habe ein paar Mal schallend gelacht. Aber noch öfter war mir geradezu übel von der Denke. Widerlich! Ekelerregend und so, irgendwie, ja, genau: Bescheuert.
Und doch traue ich Timur Vermes (und dem Eichborn Verlag) zu, dass er weiß, was er da getan hat und damit sein Ziel der Entlarvung erreicht.
Das diese auch die heutigen Zustände betreffen, finde ich gut – zumal sich zeigt: Der Nährboden ist durchaus vorhanden.
Beeindruckt hat mich die Art der Herangehensweise. Sich so in einen Charakter zu vertiefen stelle ich mir erstens anstrengend und zweitens schwierig vor. Sich davon zu lösen, die Distanz des Autors zu seinem Protagonisten zu wahren, das ist harte Arbeit. Ob es so Thrillerautoren geht? Psychopath ist schließlich Psychopath.
Einen stillen Moment, also für mich stillen, weil ich fast den Atem angehalten hätte vor Spannung, gibt es auch. Es war eine Szene, die das Biest hätte erlösen können, doch das geschieht nicht. Spätestens hier wird dem größten Optimisten klar, dass man gewissen Weltanschauungen nur im Gesamtpaket bekommt, und auch, wenn nicht Alles schlecht war, so verliert das ‚gute’ jegliche Daseinsberechtigung.

Doch dies ist eine Rezension und kein Glaubensbekenntnis.
Stilistisch bedient sich der Autor der bekannten Fabulierentgleisungen seines historischen Protagonisten. Als Stilmittel unbedingt vonnöten, künstlerisch ausgereift und durchaus wortgewandt. Auch die Fallstricke dessen umgeht er nicht, sondern benutzt sie hervorragend, um Absurdität und Wahnsinn darzustellen.
Insgesamt lässt sich das Buch also gut lesen und es gibt auch einige Spannungsmomente, die leider nicht zu dem von mir erhofften Ergebnis geführt haben.
Doch muss ich betonen, dass ich davon abrate ‚Er ist wieder da’ ohne gute geschichtliche Kenntnisse zu lesen. Erstens entgeht einem da so manche satirische Spitze und zweitens könnte ein falscher Eindruck entstehen.
Die Charaktere sind glaubhaft dargestellt, wenn auch selten sympathisch, eher abschreckend (vor allem in ihrer Glaubwürdigkeit).

Fazit?
Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben – aber auch froh, dass es aus der Bücherei ist und ich es nicht in mein Bücherregal stellen muss. Denn ein bitterer Nachgeschmack bleibt.