Freitag, 28. Februar 2014

Underground - Lee Child


Taschenbuch, Roman



Inhalt
Jack Reacher mischt New York auf.

Der Stil
Dieser Jack-Reacher-Teil wird in der Ich-Form erzählt, anscheinend will sich Lee Child nicht festlegen und wechselt von Buch zu Buch die Perspektive. Wobei ich zugeben muss, dass mir der Ich-Erzähler besser gefällt. Denn Jack Reacher ist nun einmal ein Protagonist, dem man nahe sein kann und darf.
Insgesamt fand ich 'Underground' sehr flüssig geschrieben, Irritationen wie in den beiden bisher von mir gelesenen Teilen ob des Stiles gab es nicht - entweder habe ich mich daran gewöhnt oder das Abgehakte ist einfach nicht mehr da. Ich tippe auf Letzteres.

Meine Meinung
Erstaunlicherweise schafft es Lee Child auch hier, ein sehr interessantes Thema aufzugreifen und es mit Bildern (in meinem Kopf) zu vergegenwärtigen. Dabei spart er nicht an Kritik an der Politik, verurteilt aber nicht. Sicher hat Jack Reacher einen Ehrenkodex, nimmt aber sehr vieles auch hin. Das hat mir gefallen, weil es nicht reißerisch ist, und der Leser sicher besseres zu tun hat, als sich über Ereignisse von vor über 20 Jahren zu echauffieren. Nein, wer ein Buch von Lee Child in die Hand nimmt, der möchte, dass es gerecht zugeht, dass das 'Gute' siegt und die 'Bösewichte' ihre Strafe erhalten. Möglichst blutrünstig übrigens. Damit bedient der Autor durchaus das sicher in uns allen schlummernde Bedürfnis nach einem unbeirrbaren Helden, der sich Respekt verschafft und die 'Verfolgten' beschützt. Durchaus niedere Bedürfnisse, aber unleugbar vorhandene.
Es erstaunt mich jedes Mal ein bisschen, wie sehr mich die Handlung in ihren Bann zieht und ich gerade die doch sehr brutalen Szenen 'genieße'. Bin ich in einem moralischen Konflikt, wenn ich die Brutalität, zumindest in einem Buch, gutheiße? Oder bekenne ich mich einfach dazu?
Hält einem das Buch einen Spiegel vor?
Oder genießt die Phantasie die Idee, dass es eine Figur gibt, die außerhalb des bestehenden Rechts einfach mal Alles daransetzt, für Ordnung zu sorgen?
Hat Lee Child eine Botschaft?
Oder bedient er nur das Bedürfnis nach Gewalt in einer geregelten, zumindest weitreichend gewaltfreien Zeit? (ich höre hier schon den Sturm der Entrüstung)
Ich glaube, es ist wie im Märchen, wo dem bösen Wolf der Bauch aufgeschnitten wird und, nachdem die Großmutter gerettet ist, mit Wackersteinen gefüllt und in den Brunnen geworfen wird. Brutal, unvorstellbar, würde man niemals tun, aber im Märchen funktioniert es. Und hat dort auch seine Funktion: Der Gerechtigkeit ist Genüge getan!
Jack Reacher ist also der Märchenheld der Erwachsenen?
Damit kann ich leben und Lee Childs Bücher auch weiterhin genießen!

Fazit?
Ein rundum gelungenes Buch, das mich gut unterhalten hat.

Der Blick über den Tellerrand #2

Heute geht es um folgenden Besucher meines Blogs: Equitana!

In ihrem Blog geht es um 'Das Abenteuer Reiten für erwachsene Anfänger' (also nicht um Bücher). Und der Name ist Programm, beschreibt sie doch, angefangen bei der Idee, als Erwachsener Mensch 'richtig' mit dem Reiten anzufangen, wie es ihr so ergeht. Aktuell hatte sie bereits ihre dritte Reitstunde.

Wer sich jetzt fragt, was an diesem Blog so interessant sein soll, dem antworte ich mit:
Equitana schreibt sehr schön und lässt ihre Leser an ihren alltäglichen 'Kämpfen' teilhaben. Von der Idee, reiten zu wollen, bis zum eigentlichen Start hat sie viele Rückschläge einstecken müssen, die ich zum Beispiel gar nicht vermutet hätte. Denn so einfach, wie sich ein 'ich will dann mal reiten lernen' anhört ist es gar nicht.
Aber eine Frau, die weiß, was sie will, setzt sich ja nun gemeinhin auch durch ;)

Für mich ist Equitana eine starke Frau, die sich einen Traum erfüllt und darüber wunderbar berichtet.
Und nebenbei erfährt man eine ganze Menge über die Materie.

Donnerstag, 27. Februar 2014

Hörspiele - ein Blick in die Vergangenheit

Wer diesen Blog schon länger verfolgt, hat sicherlich schon mitbekommen, dass ich mich erst seit einiger Zeit mit Hörspielen, und hier besonders mit 'Die drei ???', beschäftige.
Natürlich habe ich als Kind, damals auf diesen seltsamen runden, schwarzen und doch verhältnismäßig großen Scheiben, wir nannten das Schallplatte, Hörspiele geliebt. 'Das Dschungelbuch', 'Urmel', 'Winnetou', 'Pumuckl' und 'Hui Buh' habe ich immer noch im Ohr.




Wir hatten sehr viele Platten, weil jedesmal, wenn ich mit meiner Mutter in der Stadt war und wir an der Bushaltestelle standen, um nach Hause zu fahren, durfte ich mir am Plattenladen (es war ein Elektroladen mit einer Kiste mit Europa-Schallplatten vor der Tür) gegenüber eine aussuchen. Eine kostete damals 6,- DM. Hach!

Aber irgendwann hat es mich nicht mehr interessiert und ich war nur noch dankbar, dass ich für 'Benjamin Blümchen' zu 'alt' war. Die Gnade der frühen Geburt sozusagen. Die Zeit der 'Hörspiel-Kassetten' ist damit an mir auch vollständig vorüber gegangen.

Viele Jahre später, etwa vor drei Jahren also, begann ich wieder Hörspiele zu hören, weil mir nach einem 42-Stunden-Hörbuch einfach mal der Sinn nach leichterer, und besonders kürzerer, Kost stand. Dabei hatte ich zuerst Probleme, mich überhaupt darauf konzentrieren zu können, aber nach ein wenig Übung gelang mir das ganz gut und jetzt bin ich ein Fan! Nostalgisch macht es mich aber noch immer.
Vorallem, wenn ich die 'alten' Folgen meiner Kindheit höre, wie zum Beispiel vor ein paar Tagen 'Pumuckl und der Pudding'. 'Was soll ich denn tun, wenn du nicht folgst?' ist ein Satz, der mich immer begleitet hat. Oder auch 'du hast überhaupt kein Herz, du hast höchstens ein Schubladenherz' aus einer anderen Pumuckl-Folge.

Was für ein Glück, im digitalen Zeitalter auf diese Erinnerungen zurückgreifen zu können, einfach per Mausklick! Ohne Knistern und Rauschen! Und ohne abstürzenden Plattenspieler - warum haben wir an den Griff (es war ein Reiseschallplattenspieler, muss man sich mal vorstellen!) einen Gürtel gebunden? Und daran gezogen? Egal, er funktionierte trotzdem weiter.

Und ja, ich höre inzwischen sehr gerne Hörspiele, wenn auch eine ganz andere Art als 'früher'.

Mittwoch, 26. Februar 2014

Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens - Sebastian Niedlich


e-Book, Roman



Inhalt
Martin berichtet von seinem Leben mit dem Tod.

Meine Meinung
Das Cover hat mich neugierig gemacht, verspricht es doch in meinen Augen eine witzige Unterhaltung, gerne auch mit schwarzem Humor. So etwas gefällt mir. Also freute ich mich auf ein paar unterhaltsame Stunden.
Doch es kam anders, denn von Humor ist hier wenig bis gar nichts zu spüren. Im Gegenteil verliert sich Sebastian Niedlich in der Beschreibung eines Lebens, sehr chronologisch, und hakt irgendwie bloß Stationen ab. Die Begegnungen mit Tod sind von philosophischen Betrachtungen geprägt, die Martin eher kindisch erscheinen lassen in seinem Gebahren. Die Geschichte drumherum ist langweilig und größtenteils uninteressant, spart aber nicht an reißerischen Momenten, die zwar gut erzählt werden, dann aber doch der logischen Grundlage entbehren. Oder hat man als Grundschullehrerin andere Ferien als die Schüler?
Mir fehlt auch die Tiefe der Gefühle, oder, einfacher ausgedrückt, das Herzblut des Autors. Natürlich wird ein tiefgreifender Konflikt beschrieben, aber so ganz nehme ich Martin das nicht ab, er bleibt irgendwie zweidimensional.
Unterstrichen wird dies auch durch den hölzernen Stil, der eine große Distanz zwischen Autor und Protagonisten herstellt - und damit auch zwischen Buch und Leser. Mir ging es jedenfalls so. Es fehlt die Leichtigkeit des Wortes, besonders in den Dialogen, die gestelzt und unrealistisch wirken. Schon deshalb hat mich dieses Buch enttäuscht.
Insgesamt wirkt dieses Buch entweder halbfertig oder überlektoriert, je nachdem, und hat es nicht geschafft, mich wirklich in seinen Bann zu ziehen, im Gegenteil hätte ich es gerne abgebrochen.

Fazit?
Von schwarzen Humor keine Spur, eine langweilige Lebensgeschichte ohne Leben, dafür mit aufgesetzten Konflikten und eher kindischem Gehabe. Enttäuschend.

Ich danke bloggdeinbuch und dotbooks für das Rezensionsexemplar.

Dienstag, 25. Februar 2014

Die Dr3i

Diese Hörspiel-Mini-Serie ist entstanden, weil es einen Urheberrechtsstreit wegen 'Die drei Fragezeichen' gab. So sind die Handlungen der acht Teile und des einen Specials zwar vom gleichen Kaliber wie 'Die drei Fragezeichen', doch stimmen die Namen nicht so ganz.

Ich habe mir die acht regulären Teile am Wochenende angehört und fand sie insgesamt sehr gut, wobei mir 'Das Haus der 1000 Rätsel' am allerbesten gefallen hat - auch im Vergleich zum 'Original'.

Ob man diese Serie als Fan gehört haben muss oder nicht, lass ich jetzt mal dahingestellt sein, als Ergänzung hat sie mir gut gefallen - und die Idee, mit ein paar kleinen Änderungen diesen Steit zum umgehen, finde ich persönlich sehr einfaltsreich und geschickt.



Das Special Nummer 1:


Ein ganz besonders Special ist dieses hier: http://www.youtube.com/watch?v=gkADPICPNeE&feature=player_detailpage#t=82

Mir machen die Drei Fragezeichen sehr viel Freude, die Dr3i aber auch ;)

Das Rätsel der Sieben - Die drei Fragezeichen


mp3-download, Hörspiel



Dieses Special der Drei-Fragezeichen-Serie besteht aus sieben Kurzgeschichten und hat mich vollkommen überzeugt. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, also für die Fans, die auf Spannung stehen - aber auch für solche wie mich, die es auch etwas abgedrehter mögen.
'Bis um sieben zurück' zum Beispiel erinnert mich ein wenig an:

hat allerdings noch eine ganz besondere Wendung, die mich schallend lachen ließ.

Auch 'Die siebte Frau des Leuchters' hat eine ganz besondere Überraschung auf Lager und hat mir gut gefallen.
Am besten allerdings fand ich 'Die verschwundene Torte' - ein Glanzstück der Dichtkunst, dem man einfach nur lauschen sollte, um sich glänzend zu amüsieren.

So unterschiedlich die Geschichten auch sind, das ist schließlich bei der gesamten Reihe oft der Fall, so zeigt sich meiner Meinung hier auch das Potential der Serie, die nicht immer stereotyp ist, sondern sich zuweilen auch kleine 'Ausrutscher' leistet. Ob der eingefleischte Fan das honoriert, sei jetzt mal dahingestellt ;)

Fazit?
Eine lohnende Zusatzfolge, die mich mit dem zuletzt erschienenden regulärem Teil versöhnt hat.


Montag, 24. Februar 2014

Das unerhörte Leben des Alex Woods (oder: Warum das Universum keinen Plan hat) – Gavin Extence



Hardcover, Roman



Es gibt Bücher, die ich in Gedanken als ‚erwachsen’ bezeichne. Das hat weniger mit den Protagonisten zu tun, sondern vielmehr mit dem Thema und den Umgang damit. Und dieses Buch ist sehr erwachsen.

Der Anfang ist verwirrend, fängt es doch mit dem Ende an, die Erzählung, wie es dazu kam, fand ich sehr interessant und kurzweilig. Alex Wood ist eine Type, der ich sehr gerne über Jahre gefolgt bin, wenn sich vielleicht auch mancher wundert, warum es so detailgetreu dargestellt ist. Aber für mich ist das wichtig für die Geschichte. Deshalb kam auch keine Langeweile auf, eine Kritik, die wahrscheinlich einige anbringen werden.

Ganz im Gegenteil hatte ich während des Lesens das Gefühl, ein ganz besonderes Buch in der Hand zu halten, dessen Autor sich nicht nur Gedanken um Oberflächlichkeiten macht. Im Gegenteil ist das ‚eigentliche’ Thema, das sehr akribisch dargestellt wird, von unerwarteter Tiefe und mit sehr viel Einfühlungsvermögen beschrieben.

Es gibt ein Buch, an das mich ‚Das unerhörte Leben des Alex Woods’ erinnert und das ich im Vergleich als eher nicht erwachsen bezeichnen möchte. Um nicht zu viel zu verraten, verzichte ich allerdings auf die Nennung des Titels. Vielleicht aber weiß der eine oder der andere, welches ich meine und stimmt mir eventuell sogar zu.

Fazit?
Ein ganz besonderes Buch, das ich gerne weiterempfehle.