Sonntag, 30. März 2014

No & ich – Delphine de Vigan



Gebundene Ausgabe, Jugendroman



Dieses Buch landete als Wanderbuch bei mir – und ja, ich gebe es zu, ich hätte es sonst eher nicht gelesen. Einfach, weil es ziemlich unscheinbar daher kommt und in der Masse der farbenfrohen Bücher untergeht.

Bei diesem Buch sollte man keine Angst vor langen Sätzen haben, denn die Autorin schwelgt geradezu in ihnen. Dabei wird auch so manche indirekte/direkte Rede ohne klar erkennbare Abgrenzung miteinbezogen und sorgt zuweilen ein klein wenig für Verwirrung. Aber ich fand das einfach toll – nach einer kleinen Eingewöhnungsphase – weil es wirklich so wirkt, als erzähle Lou stellenweise atemlos und im Überschwang der Gefühle aus ihrem Leben. Und das ist ein gar verzwicktes.

Es gibt wunderschöne Szenen in ‚No & ich’, kluge Sätze (‚Die Nebenwirkungen des Lebens, die auf keinem Beipackzettel stehen’ finde ich zum Beispiel sehr gut), traurige Momente und, wenn es einem als Leser fast zu viel wird, also am Ende, da kommt ein solch schöner ‚Brüller’, dass es mich beinahe vom Sofa geworfen hätte.

Ein Buch mit Tiefe, aus dem sich jeder etwas ziehen kann, wie ich finde, mich jedenfalls hat es an vielen Stellen direkt ins Herz und in die Seele getroffen, ohne allerdings deprimierend zu sein. Realistisch ja, aber doch auch hoffnungsvoll.

Fazit?
Ein ganz besonderes Buch mit einer mehr als ungewöhnlichen Ich-Erzählerin!

Wenn Liebe die Antwort ist, wie lautet die Frage? – Mara Andeck



Gebundene Ausgabe, Jugendroman



Der dritte Teil der Lilia-und-Tom-Trilogie ist ein rundum gelungenes Buch und ein wundervoller Abschluss – auch wenn der Abschied ein wenig schwer fällt.

Wie auch schon in den ersten beiden Teilen plaudert die Ich-Erzählerin munter drauflos und entführt den Leser, also mich, in eine nicht immer heile aber dennoch zufriedenstellende Teenager-Zeit. Dabei ist der Stil einfach angemessen, also eher locker, und sehr gut zu lesen. Ein Gute-Laune-Buch, allerdings nicht ohne Tiefgang, im Gegenteil.
Auch die Wortschöpfungen sind nachvollziehbar und einfach nur schön.

Insgesamt hat mich die ganze Trilogie überzeugt, die Charaktere sind nachvollziehbar und schlüssig, die Handlung mitreißend und sehr unterhaltsam und der Stil einfach so, wie ich ihn im Grunde erwarte, aber selten vor die Augen bekomme.
Mara Andeck hat ohne Zweifel das Zeug , eine Lieblingsautorin zu sein, auf deren weitere Bücher ich, obwohl ich definitiv nicht zur Zielgruppe gehöre, gerne, wenn nicht gar sehnsüchtig, warte.
Und ich hoffe, sie bleibt dabei dem Genre treu.

Fazit?
Ein Wohlfühl-Buch mit Tiefgang! Eine tolle Trilogie!


Wächter der Erinnerung: Das Band der Freundschaft - Simon Geraedts


E-Book, Fantasy



Die drei 'Sterne' gibt es für die Fabulierkunst und die Phantasie des Autors.
Ansonsten hat mir diese Geschichte überhaupt nicht gefallen.
Ich habe gelesen und gelesen und war genervt, denn erstens erfährt der Leser erst gegen Ende, worum es überhaupt geht, vorher gibt es nur Andeutungen, sodass ich den Eindruck hatte, irgendetwas verpassst zu haben. Das hat mich ziemlich geärgert.
Zweitens ist es ja schön und gut, wenn ein Autor sich gewählt auszudrücken versteht, aber das bedeutet nicht, dass es immer angemessen ist. Da schreiten die Passanten und Grundschüler unterhalten sich wie Studenten. Das passt meiner Meinung nach einfach nicht und war mir ein Ärgernis. Erst im letzten Viertel passt Handlung und Ausdrucksweise.
Der Protagonist ist für mich eine eher seltsame Figur, der 'ständig' heult und dauerdepressiv ist.
Überhaupt ist die ganze Geschichte sehr, sehr humorlos, an sich nicht schlimm, aber ihr fehlt damit auch das gewisse Etwas, das ich mir gewünscht hätte.

Der wahre Kern der Geschichte ist eine wunderbare 'Weltsicht', die mir sehr gefallen hat und mich auch ein wenig bei der Stange halten konnte.
Da es der erste Teil ist, bleibt abzuwarten, was Simon Geraedts daraus macht.

Fazit?
Ein Autor, der schreiben kann, ein durchaus fesselnder Ansatz, allerdings noch nicht überzeugend!

Mittwoch, 26. März 2014

Chaos auf High Heels – Jennifer Crusie



Taschenbuch, Chick Lit



Inhalt: Er trifft sie, sie trifft ihn, und am Ende sind (fast) alle glücklich.

Eines vorweg: Ich liebe Screwball-Komödien, genauso wie ich Boulevard-Komödien liebe. Natürlich ist von Anfang an klar, wer wen kriegt, doch der Weg dahin ist voller Situationskomik, Verwicklungen und anderer Lächerlichkeiten, sodass man mal so richtig lachen kann und den Ernst des Lebens vergisst. Das funktioniert im Film und auf der Bühne, warum nicht in einem Buch?
Deshalb habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut und konnte es kaum abwarten, es endlich beginnen zu können.

Leider jedoch versinken die wirklich guten Idee und die Dynamik der Geschichte in dem teilweise ätzenden Stil. Umständlich, hölzern und oftmals irgendwie ‚falsch übersetzt’, rissen mich die Worte und Sätze aus der Handlung und ließen mich ärgerlich zusammenzucken. Gerade deswegen, weil es ab und zu richtig gut ‚fließt’ und Spaß macht.
Sicherlich hat Jennifer Crusie dieses Buch nicht lieblos geschrieben und es wurde auch nicht lieblos übersetzt, aber ich habe das starke Gefühl gehabt, hier mit einer 08/15 Handlung abgespeist zu werden – was im Grunde nicht schlimm ist – die mal einfach so geschrieben wurde. Ein Massenprodukt auf ziemlich niedrigem Niveau, das sich irgendwie selbst im Weg steht und bei mir als Leser einen enttäuschten Eindruck hinterlässt.

Aber keine Panik, es hat auch seine Highlights und auch teilweise ein wenig Tiefgang, es ist interessant und natürlich möchte man als Leserin auch wissen, wie es ganz genau ausgeht. Und ein Hach-Gefühl kommt dabei natürlich auch auf. Aber eben nur ab und zu und nicht durchgängig.

Fazit?
Stilistisch niedriges Niveau, nette Geschichte, unterhaltsam – mich hat es nicht überzeugt, aber ich hatte amüsierte Momente.

Ich danke bloggdeinbuch und dem Mira-Taschenbuch für das Rezensionsexemplar.

Freitag, 21. März 2014

Freitags in der Faulen Kobra – Stefan Nink


Klappbroschur, Roman



Und da sind sie wieder, die alten Bekannten und üblichen Verdächtigen.
Allerdings geht es diesmal nicht ganz so slapstickartig zu, dafür weist dieses Buch allerdings eine ganz andere Qualität auf: eine kleine Unterweisung in die letzte Fahrt des James Cook. Dieser blieb für mich allerdings ein wenig blass, was der Liebe zur Geschichte jedoch keinen Abbruch tut. Interessant ist der Ausflug in die Historie allemal. Und die Verbindung zu den aktuellen Geschehnissen sowieso.

Da es diesmal fast ausnahmslos zu ‚Traumzielen’ geht, bleibt dem Autor genug Raum, um ein ganz bestimmtes Gefühl zu vermitteln, das mich sehr berührt hat. Die Schönheit dieser Welt, die man oft übersieht, bis sie einem geradezu ins Gesicht springt, das hat Stefan Nink wunderschön ausformuliert und sehr plastisch beschrieben. Das Kopfkino lief dabei auf Hochtouren und so wurde die Lektüre zu einem Kurzurlaub für die Seele. Ich fand das wunderschön und sehr anregend.
Das damit verbundene Fernweh war allerdings etwas frustrierend.

Auch in diesem zweiten Teil rund um die Abenteuer des Siebeneisens gibt es ein paar running-gags, teilweise aus dem ersten übernommen, teilweise neu, und ich muss zugeben, dass mir diese ‚Technik’ sehr gut gefällt. Der Wiedererkennungswert ist einfach toll und manchmal erwartet man schon die Erwähnung.

Stefan Nink schreibt einfach genial, wortgewaltig, ausdrucksstark und so, dass man sich als Leser wirklich persönlich angesprochen fühlt (ohne es tatsächlich zu sein) und irgendwie ‚live’ dabei ist. Und es selbst erleben will – Entschuldigung, mir gehen diese Vögel von Tonga nicht aus dem Kopf und ich grinse allein bei dem Gedanken schon vor mich hin.
Außerdem packt der Autor so viele Hintergrundinformationen in diese Geschichte, dass mein Jäger- und Sammlergedächtnis wohlig aufstöhnte.

Fazit?
Eine wundervolle Fortsetzung, ein toller Reiseroman und ein schöner Blick auf und in die Welt, in der wir leben.



Ich danke dem Limes-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Charlotte und die Geister von Darkling – Michael Boccacino



Taschenbuch, Fantasy



Dieses Buch hat mich wirklich genervt.
Erwartet hatte ich wohl eher eine viktorianische Gruselgeschichte, aber dem ist nicht so. Im Gegenteil dient das leicht viktorianische Ambiente nur dazu, mir bewusst zu machen, wie schlecht es dem Autor gelingt, die Stimmung zu beschreiben. Die Fantasy-Teile dagegen scheinen eher das Metier von Michael Boccacino zu sein, hier liest sich der Text flüssiger und leichter, ist mir persönlich aber zu abgedreht. Vorallem, weil ich etwas anderes erwartet hatte.

Die Protagonisten sind nervig, Charlotte, bis absolut eindimensional, alle anderen. Das ewige Gerede über ‚Gemütszustände’ entbehrt in meinen Augen sehr an Tiefe und Nachvollziehbarkeit, und ist so ziemlich überflüssig. Nimmt man das allerdings weg, bleibt nicht mehr viel übrig.

Der Stil hat mir ebenfalls nicht gefallen, zu distanziert und hochgestochen, bemüht und dazu noch verwirrend. Ich hatte oft das Gefühl, irgendetwas nicht mitbekommen zu haben, hatte dann aber auch keine Lust, noch mal zurück zu blättern.

Fazit?
Leider überhaupt nicht mein Fall, dazu noch eher abschreckend geschrieben.

Boy Nobody – Allen Zadoff



Hardcover, Thriller



Dieses Buch ist von Anfang an auf nahezu atemlose Spannung ausgerichtet.
Das zeigt sich für mich auch im Aufbau, also den wirklich sehr kurzen Kapiteln und den Überschriften, die bereits den ersten Satz darstellen. Ich habe wirklich die ganze Zeit nach dem Motto ‚ein Kapitel noch’ agiert, und hatte das Buch im Nu durch. Ja, es entwickelt sich durch diese Form schon eine gewisse Dynamik.

Die Geschichte als solche ist unglaublich spannend, wobei der Leser hin- und hergerissen ist in seinen moralischen Ansichten. Der rigide Umgang mit Kindern ist schon erschreckend, wenn auch leider nachvollziehbar. Das hat seine ganz eigene Spannung und hebt die Geschichte aus der Masse hervor.
Aber nicht nur der Leser hat moralische Bedenken, auch der Protagonist hat damit zu kämpfen, ohne dabei aufdringlich zu sein.

Allen Zadoff ist ein sehr spannendes Buch gelungen, das nicht mit Überraschungen geizt und den Leser in so manche Falle tappen lässt. Mich jedenfalls.

Übrigens transportiert auch der Stil die Spannung, der Text liest sich flüssig und ohne Ecken und Kanten, über die man stolpern könnte. Ein Rundum-Wohlfühl-Paket!
Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Fazit?
Mich hat dieses Buch absolut überzeugt. Vielleicht auch, weil es mich an ‚Jack Reacher’ erinnert!?