Freitag, 30. Mai 2014

Elizabeth wird vermisst – Emma Healey


Klappbroschur, Roman



Sehr eindrucksvoll beschreibt Emma Healey in diesem Buch, wie sich das Denken bei einer Alzheimer-Erkrankung verändert und hat mir so das Thema als solches sehr eindringlich nahe gebracht. Was sich erst liest wie die ein wenig verwirrten Gedankengänge einer alten Frau, die Gegenwart und Vergangenheit gerne mal etwas vermischt, entwickelt sich dabei zu einer sehr rasanten, beinahe thrillermäßigen Geschichte, die auch aufgrund der Erzählweise beinahe unerträglich spannend wird. Besonders auch durch das Zwischenmenschliche, das oft verzweifelt wirkt – und es in Wahrheit oder in der Realität auch ist. So wird der Leser fast Teil der aus den Fugen geratenen Welt der Maud, die versucht, eine Sache zu erledigen, die ihr keine Ruhe lässt.

Was mich beeindruckt hat war der Scharfsinn, mit dem die Autorin in die Gedanken ihrer Protagonistin eintaucht und so ein wohl seltenes Bild zeichnet. Bücher zum Thema Demenz und Alzheimer gibt es zuhauf, doch geht es da wohl eher um die Erlebnisse mit einem Erkrankten und weniger um das, was sich in dem Erkrankten abspielt. Für mich ist es absolut authentisch und zeigt damit einmal mehr und auf andere Art und Weise, was geschieht, wenn sich das Gehirn langsam aber beständig verabschiedet. Beängstigend.

Auf der anderen Seite ist da natürlich auch noch die Geschichte von Elizabeth, die verschwunden ist – ich will hier nicht zuviel verraten – und die als Kernfrage sehr viel mehr beinhaltet.

Stilistisch hat mich dieses Buch völlig überzeugt, es lässt sich gut lesen und wirkt auch in der Ausdruckweise sehr authentisch.
Der Aufbau ist raffiniert und sehr gut durchdacht, auch wenn sich das erst nach und nach erschließt.

Fazit?
Ein Buch von erschreckender Tiefe und Erkenntnis, das mir zum Teil große Angst gemacht hat.

Burnout (für immer auskuriert) – Alice Spogis


Taschenbuch, Thriller



Wer sich hier von der Bezeichnung ‚ein Juist-Thriller’ in der Hoffnung wiegt, einen mäßig spannenden Thriller mit Lokalkolorit zu lesen zu bekommen, sei hiermit gewarnt. Es geht nicht um liebenswerte Nordsee-Typen mit leichtem Hang zum Gemetzel. Ganz im Gegenteil.
Alice Spogis versteht es meisterhaft, überhaupt keinen richtigen Sympathieträger auftauchen zu lassen, selbst Ella, die in großen Teilen als Ich-Erzählerin fungiert, ist dermaßen verquer, dass sich in mir vielleicht Mitleid regte, aber einen Kaffee würde ich mit ihr nicht trinken wollen.

Doch die Stärken dieses Buches liegen ganz woanders.
Zum einen in den Blick hinter die Kulissen, wobei ich anmerken möchte, dass Reha-Kliniken (hoffentlich) nicht so arbeiten, der psychisch Erkrankten mit all der Verzweiflung und dem Ringen um Hilfe und Anerkennung ihrer Krankheit.
Dann in der Ausdrucksweise, die zum Teil poetisch, zum Teil kompliziert ein gutes Beispiel für die Möglichkeiten der deutschen Sprache bietet. Es war für mich manchmal schwer zu lesen, oft bin ich über Formulierungen gestolpert, denn es ist definitiv kein Text, den man eben mal so auf dem Sofa ‚verschlingt’. Das wird der Kunst von Alice Spogis nicht gerecht. Nein, manche Sätze musste ich öfter lesen, um sie zu verstehen, oder sie einfach auf der ‚Zunge’ zergehen lassen, weil sie schön sind. Die Wortschöpfungen, die von Zeit zu Zeit auftauchen, haben mich erheitert, mir aber auch gleichzeitig vor Rührung die Tränen in die Augen getrieben, einfach, weil sie von großer kreativer Kraft zeugen.
Das zusammen mit dem Aufbau, also den unterschiedlichen Sichtweisen, haben mich von diesem Buch überzeugt.

Betrachtet man davon losgelöst die Handlung, so ist es ein solider Thriller, durchaus mit Stärken, aber auch mit Schwächen. Nicht überragend aber auch nicht schlecht.
Der Blick in die Welt der ‚Psychos’ (ich darf das schreiben) ist ein wenig diffus, jedoch passend.

Fazit?
Stilistisch ein Highlight, da wird die Handlung fast nebensächlich.

Ich danke bloggdeinbuch und dem Sutton Verlag für das Rezensionsexemplar.
Bestellt werden kann es auch hier.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Kalte Stille - Wulf Dorn


CD, gekürzt, Thriller, gelesen von David Nathan



Wulf Dorn ist für mich einer der besten Thriller-Autoren, weil er sehr psychologisch vorgeht und dabei auf Brachialgewalt verzichtet. So finde ich es sehr atmosphärisch und mitreißend.
Allerdings muss ich zugeben, dass mich 'Kalte Stille' nicht ganz so überzeugt hat, warum auch immer. Aber es bleibt trotzdem noch fundierte, gut durchdachte Arbeit und die Auflösung ist sehr gut. So erkenne ich wiedereinmal das Können, ohne es richtig würdigen zu können, was für mich schade ist, aber niemanden vom Hören abhalten sollte. Vielleicht liegt es auch an der gekürzten Fassung.
Wie dem auch sei, die Protagonisten finde ich stimmig, den Aufbau sehr gelungen, die Spannung erträglich und den Stil solide.

Natürlich liest David Nathan gut, dazu muss ich wohl nichts weiter schreiben, oder?
Allerdings stelle ich immer wieder fest, dass sich für mich Stimmen auch 'abnutzen' können, und das langweilt mich ein wenig. Allerdings kann man sich dabei auf eine Qualität verlassen, die bei anderen Sprechern nicht unbedingt da ist.

Fazit?
Wulf Dorn und David Nathan - ein Garant für spannende, psychologisch fundierte und wohlklingende Stunden. Angenehm.

Der zehnte Kreis (Irondead) - Wolfgang Hohlbein


Taschenbuch, Fantasy (Steam Punk)



Ja, ich gebe es zu, Wolfgang Hohlbein ist ein Meister der Ausdruckskraft. Er schreibt Sätze, die wahre Kunstwerke sind. Er schafft Atmosphäre allein durch winzige stilistische Mittel und lässt seinen Protagonisten (Ich-Erzähler) geradezu erstrahlen. Das macht ersteinmal großen Spaß und wirkt für sich sehr gut.
Die Geschichte allerdings konnte mich nicht so richtig fesseln.
Vielleicht, weil ich mehr über manche Personen erfahren hätte.
Vielleicht, weil die Professionalität von Wolfgang Hohlbein manchmal ein wenig zu professionell wirkte. Als würde er Textbausteine benutzen, die als solche zwar wunderbar sind, aber eben nur Textbausteine ohne Herzblut. Tue ich ihm Unrecht?
Ich glaube, mir fehlte einfach das Herzblut, ein paar Ecken und Kanten und ein wenig mehr Tiefe.
Ansonsten ist es ein wundervolles Buch mit einer tollen Grundidee und spannender Szenen.

Fazit
Solide, phantasievolle Unterhaltung. Wird es eine Fortsetzung geben? Schließlich interessiert mich die Sache mit Mulligan.

Übrigens hat mich das 'Grundprinzip an dieses Buch erinnert:

Dinner mit einem Vampir (Dark Heroine 1) - Abigail Gibbs


Klappbroschur, Fantasy



Natürlich musste ich dieses Buch haben. Das Cover ist toller - noch toller als auf dem Foto - und es geht um Vampire.
Und ich wurde nicht enttäuscht.
Im Gegenteil. Schließlich ist die Autorin noch keine zwanzig und da habe ich schon mit schlimmen Dingen gerechnet. Aber nein.
Was mich richtig fasziniert hat, war die Beschreibung der Vampire, die mal so richtig böse sein dürfen. Kein Glitzern im Sonnenlicht.
Ob die Geschichte stimmig ist, wage ich zu bezweifeln, sicher fallen einem so manche Unstimmigkeiten auf, wenn man genauer hinschaut. Auch sind manche Szenen seltsam. Sie schaut ihm in die Augen, er legt seine Hand auf ihre Schulter und dreht sie zu sich. Etwas blöd, aber mich hat es nur am Rande gestört. Stilistisch ist es auch noch ausbaufähig, aber man kann das Buch flüssig lesen und sich ein bisschen daran verlieren. Und manchmal ist es amüsant, wie 'unschuldig' die Autorin an manche Dinge geht.
Aber ganz ohne Zweifel ist dieses Buch der Auftakt zu einer wunderbaren Reihe, auf dessen Fortsetzung ich ab jetzt gespannt warte. Das Ende ist aber auch arg abrupt.

Überzeugt hat mich der Ideenreichtum der Autorin, der es gelingt, etwas halbwegs Neues zu schaffen und dieser Welt ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Mehr davon!

Fazit?
Wer sich nicht an Kleinigkeiten stört, hat hier einen wundervollen Vampirroman!

Samstag, 17. Mai 2014

Der stete Lauf der Stunden – Justin Go



Gebundene Ausgabe, Roman



Sicherlich ist dieses Buch gut recherchiert, was der Geschichte ein gewisses Potential gibt. Schließlich wollte ich schon immer mal etwas über eine Himalaja-Expedition wissen – nunja, nicht bewusst, aber es war durchaus interessant.

Nur um was geht es hier überhaupt?
Ich habe keine Ahnung.
Lebensgeschichten?
Liebesgeschichten?
Bestimmt, aber Justin Go schafft es einfach nicht, mich damit zu überzeugen. Eine große Odyssee unternimmt der Protagonist, und am Ende kommt er auch an aber es bleibt bei mir ein dumpfes Gefühl und die Frage ‚wie bitte?’.
Dazu kommt noch der Stil, der für mich einfach nur kantig ist und mich nicht in den Bann der Geschichte ziehen konnte. Zwischendurch war die Handlung durchaus interessant, aber letztendlich hätte ich das Buch an jeder Stelle abbrechen können, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen.

Vielleicht aber bin ich auch zu blöd für dieses Buch.

Die Bewertung ist einzig der Konstruktion und Recherche geschuldet, die in ‚Der stete Lauf der Stunden’ steckt.

Fazit?
Wem es gefällt hat sicherlich ein paar tolle Stunden, für mich war dieses Buch sehr anstrengend und am Ende frustrierend.

Freitag, 16. Mai 2014

Der Quantenzauberer (WARP 1) – Eoin Colfer



e-Book, Jugendfantasy



Nachdem die Artemis-Fowl-Reihe so einen wunderbaren Abschluß gefunden hatte, war ich gespannt, ob mich Eoin Colfer durch eine weitere Jugendfantasy-Serie überzeugen könnte, schließlich hing die Messlatte ziemlich hoch.
Und dann kommt er mit einer Zeitreisegeschichte!
Vergesst die Messlatte!

Ja, natürlich habe ich verglichen.
Aber die Geschichte um WARP ist einfach ganz für sich wundervoll, sehr technisch, sehr authentisch, wundervoll durchdacht und mit tollen Protagonisten bestückt – von denen ich mehr lesen möchte. Der Abschied fiel mir wirklich schwer – aber ich habe Hoffnung!

Wer Zeitreiseromane liebt, wer Artemis Fowl zumindest mag, wer auf lockere, amüsante und spannende Unterhaltung steht, der ist bei ‚Der Quantenzauberer’ genau richtig.
Und Eoin Colfer ist einmal mehr einer meiner Lieblingsautoren, einfach, weil er es kann!

Fazit?
Ich bin begeistert!

Donnerstag, 15. Mai 2014

Geständnisse bezüglich gewisser Ereignisse anno 1951 in einem kleinen Dorf an der Nordseeküste - Ulrike Bliefert


eShort, e-Book



Diese Kurzgeschichte ist anfangs ein wenig unverständlich und verwirrend, steigert sich dann aber pointiert zum großen Finale, das so purer schwarzer Humor ist, dass ich einen Lachkrampf bekam. Nichts für Zartbesaitete ;)
Ein kleiner Leckerbissen für zwischendurch, stilistisch überzeugend und rund.

Fazit?
Ganz nach meinem Geschmack!