Samstag, 28. Juni 2014

Kein Biss unter dieser Nummer (Betsy Taylor 12) – Mary Janice Davidson


Audible, ungekürzt, Fantasy, gelesen von Nana Spier



Ist das jetzt der letzte Teil?
Oder doch nicht?
Oder was?

Im Grunde ist doch Alles geklärt, oder?

Wie dem auch sei, dieser Teil der furiosen Betsy-Taylor-Reihe wartet wieder mit allem auf, was der treue Leser/Hörer erwarten kann: Schuhe, Klamotten, Vampire, Teufeleien, Chaos! Dazu hat der Hörer auch noch die Gelegenheit, sich dank Nana Spier die Gehörgänge durchpusten zu lassen, denn die klingt einmal mehr wie ‚vom Affen gebissen’. Einfach wunderbar, wie wandlungsfähig diese Frau mit ihrer Stimme umgeht. Und somit ist sie für mich diejenige, die diese Serie hörenswert gemacht hat. Auch deshalb, weil da das Geschnatter des Tages keine Chance hat, in den Feierabend nachzuhallen.

Ich fände diesen Teil einen gelungenen Abschluss, Abstriche nur deshalb, weil es viel heiße Luft gibt und man die letzten zwei, drei Teile auch gut hätte zusammenfassen können. Und mehr Fortsetzungen brauche weder ich noch diese Reihe!

Fazit?
Für mich der Abschluss einer witzigen Reihe, die durchaus auch ihre Tiefen hat. Aber gelohnt hat es sich auf alle Fälle.

Mit 80.000 Fragen um die Welt - Dennis Gastmann


Taschenbuch, Reisebericht



So langsam verstehe ich, was Leute an Reiseberichten finden, auch wenn es hier eher um Reportagen geht. Aber Dennis Gastmann hat in diesem Buch sein Gespür für Kleinigkeiten bewiewsen, was mich sehr beeindruckt hat. Angetrieben von den Fragen der Zuschauer, erlebt er selbst philosophische Höhen und Tiefen, in denen es auch oft um die Absurdität der Kleinlichkeit geht. Dabei behält er sich den liebevollen Blick auf diese Welt und ihre Bewohner.
Schön fand ich die Geschichte mit dem Elefanten, die der Autor wunderbar gefühlvoll erzählt und mich berührte. Ja, so ist das mit dem Glück.

Stilistisch gibt es nicht zu beanstanden, Dennis Gastmann versteht sein Handwerk und kann mitreißend schildern. So, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, nicht immer nett, aber doch sachlich bleibend. So ist dieses Buch auch kein Roman, sondern eher ein Sachbuch, leider an manchen Stellen, die man sich als Leser 'schöner' wünschte.
Auch gefällt mir die Selbstironie.

Fazit?
Ein Projekt, das interessante Einblicke in unsere Welt bringt. Auch, was die Fragesteller betrifft.

Die unendliche Geschichte – Michael Ende



Audible, ungekürzt, Fantasy, gelesen von Gert Heidenreich



‚Die unendliche Geschichte’ war ein Kultbuch in meiner Jugend und natürlich besaß ich es und habe es gelesen. Und genauso natürlich habe ich auch den Film gesehen, der mir aber schon damals sehr amerikanisch vorkam. Da gab es auch Streitigkeiten mit Michael Ende, wenn ich mich richtig erinnere.

Aber das ist lange her und ich war sehr gespannt, was dieses Buch jetzt mit mir macht.
Es hat mich verzaubert.
Von der ersten Minute an.
Der Zauber liegt zum einen natürlich in der erdachten, phantasievollen Welt, zum anderen aber unbestreitbar in der Idee, in ein Buch eintreten und mitwirken zu können. Und fast war es, während ich Gerd Heidenreichs sehr angenehmer Erzählstimme lauschte, als wäre ich durch die Jahrzehnte gereist und hielte das Buch zum ersten Mal wieder in der Hand.
Der einzige Wermutstropfen war die fehlende Rot- und Grünfärbung der Stimme, zwei Vorleser hätten hier hilfreich sein können.

Und leider fiel mir auch wieder ein, dass ich den ersten Teil geliebt habe und ihn häufig las, während der zweite Teil mir auch diesmal etwas auf die Nerven ging. Die Entwicklung Bastians ist sicherlich für die Geschichte und ihre ‚Botschaft’ notwendig, aber mich hat es ein wenig gestresst. Auch wenn das Ende natürlich versöhnt.

Fazit?
Ein zeitlos schönes Werk, das seinen Zauber nie verlieren wird. Als Hörbuch wunderbar umgesetzt.

Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte – Romain Puértolas



CD, ungekürzt, Roman, gelesen von Matthias Koeberlin



Es mag an dem Wort ‚Ikea’ im Titel liegen, aber ich habe ein skandinavisches Buch erwartet. Was das bedeutet? Nun, ‚Der Hundertjährige…’ irgendwie. Und obwohl Romain Puértolas Franzose ist, ist der Fakir doch auch irgendwie ein Hundertjähriger.
Aber was soll ich lange drum herum schreiben: ich liebe dieses Buch und den Fakir!
Mit einer gewissen Dreistigkeit gepaart mit den Blick für das Detail reist dieser Mann umher und mitten in mein Herz.

Beeindruckt hat mir der lächende Blick des Autors auf das Geschehen, diese kleinen Spitzen auf den Mensch im Allgemeinen, und seine Fähigkeiten, Personen und Ereignisse so zu schildern, dass ich sie tatsächlich vor Augen hatte und zum Teil herzhaft lachen musste. Doch dabei verliert er nicht einen tieferen Sinn aus den Augen, den er mir (und sicherlich auch anderen) dezent aber eindringlich unter die Nase reibt. Ja, es geht um das Menschsein in all seine Facetten und um das Glück.

Stilistisch hat mich dieses Buch vollkommen überzeugt, wobei ich meinen Hut ziehe vor der Leistung des Übersetzers Hinrich Schmitt-Henkel, der die Eigennamen verständlich gemacht hat und so auch mir wenig frankophilen den Humor des Autors nahebrachte. Da lohnt sich das ganz genau Zuhören!

Matthias Koeberlin liest gut und routiniert und erfüllt so die Geschichte mit Leben. Rundum gelungen.

Fazit?
Ein feines Buch!

Sonntag, 22. Juni 2014

Lizzie-Nichols-Reihe - Meg Cabot


Taschenbücher, Chick Lit



Ja, ich habe alle drei Bücher dieser Reihe gelesen, brav (beinahe) hintereinander, und habe mich zum Teil köstlich amüsiert.
Hatte ich am Anfang noch das Gefühl, Lizzie Nichols würde wie ein Hamster auf Speed in mein Ohr brüllen, so legte sich dieser Eindruck mit der Zeit, was ich als angenehm empfand. Und die Geschichte als solche wird auch irgendwann ein wenig erwachsener, bleibt allerdings dem Genre und der Autorin treu. Hier geht es weniger um tiefschürfende Erkenntnisse über das Sein und dem Sinn, hier geht es um die Geschichte einer jungen Frau, die ein klein wenig überdreht ist, aber ihren Weg geht. Die Charaktere sind natürlich nachvollziehbar, in ihrer Ansammlung allerdings eher selten, aber es ist schließlich ein Roman. Richtig ins Herz geschlossen habe ich ein paar von ihnen, was mir den 'Abschied' ein wenig schwerfallen ließ. Aber drei Bände reichen völlig.
Richtig gut gefallen haben mir die Kapiteleinleitungen - so viel wollte ich niemals über Hochzeiten wissen - und die Überschriften, die dann doch wieder überraschend gehaltvoll sind. Als Gesamtpaket durchaus anspruchsvoller, als der erste Eindruck vermuten lässt.

Stilistisch handelt es sich hier um eine sehr solide Arbeit, die Bücher lassen sich flüssig lesen, es gibt nichts, worüber ich mich aufgeregt habe, es fließt einfach so, wie Lizzie der Schnabel gewachsen ist. Nicht gelehrt, aber doch nicht unintelligent.
Ich mag die Bücher von Meg Cabot genau aus diesem Grund. Gute Unterhaltung, sympathische Protagonisten, viel Herzblut und solide Arbeit, mehr braucht es manchmal auch nicht. Und ich finde es gut, wenn jemand nicht versucht, mehr zu sein, als er ist.

Und ja, ich empfehle, die Bücher der Reihe nach zu lesen, es entgeht einem sonst zuviel.
Übrigens haben weder die Titel noch die Cover sehr viel mit dem Inhalt zu tun, es geht also nicht um Schokolade oder Katzen.

Fazit?
Gute Unterhaltung mit viel Witz und Herz.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Ein letzter Brief von dir - Juliet Ashton


Taschenbuch, Roman



Was hier so relativ unschuldg als ein Buch mit altbekanntem Thema daher kommt, emtpuppt sich beim Lesen als eine wunderschöne Geschichte, die den Leser durchaus durch emotionale Höhen und Tiefen schicken kann. Schon alleine deswegen, weil sich die Sicht auf die Dinge ständig verändert. Der tragische Held wird demontiert, die unscheinbare Protagonistin entwickelt sich zur Powerfrau, der Freund wird zum Feind und der dunkle Gegenspieler zum Traummann. Und dann, wenn bei anderen Büchern ein wundervoll romantischer Schluss kommt, da habe ich das blanke Entsetzen erlebt. Tja, zu viel verraten? Nein, ich glaube nicht, denn es ist noch so viel mehr in diesem Buch.

Beeindruckt hat mich, bei der doch eher profanen Geschichte, die Poesie, die Juliet Ashton in einzelne Sätze packt, die sich lesen wie Milch und Honig. Warum mich das überrascht? Weil es eben zuerst gar nicht den Eindruck macht, besonders tiefschürfend zu sein. Im Gegenteil scheint es sich um ein altbekanntes Muster zu handeln. Aber nein, die Autorin schafft es tatsächlich, mich zu überraschen. Das hat mir sehr gut gefallen.

Fazit?
Ein Buch voller Überraschungen. Es lohnt sich. Punktabzug gibt es nur für kleinere Schwächen.
Fazit?

Dienstag, 17. Juni 2014

Baba Jaga - Toby Barlow


gebundene Ausgabe, Roman



Toby Barlow versteht es wie kaum ein anderer Autor, eine Geschichte auf verschiedenen Ebenen zu erzählen und dabei mit ironischen Unterton ein phantastisches Gebäude zu errichten, in dem sich der Leser durchaus verirren und verlieren kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Handlung im kalten Krieg spielt oder in Hexenlegenden. Alles greift ineinander und übertrifft sich dabei von Kapitel zu Kapitel mehr im Absurden, Phantastischen.
Gleichzeitig wartet der Autor mit detailgetreuer Schilderung und großer Beobachtungsgabe auf, sodass dieser Roman von der ersten bis zur letzten Seite wohldurchdacht und konstruiert ist. Dabei ist der Roman zwar anspruchsvoll aber dennoch leicht zu lesen.

Allein für die Phantasie würde ich schon fünf Sterne vergeben, doch stilistisch hinkt da nichts nach. Keinerlei Einbrüche im Ausdruck haben mir große Freude bereitet und lässt mich hoffen, noch viel von diesem Ausnahme-Autoren lesen zu dürfen! Danke für dieses Meisterwerk!

Fazit?
Wundervoller Roman, den ich nur empfehlen kann - wenn man denn einen gewissen Anspruch an seine Lektüre hat.