Donnerstag, 30. Oktober 2014

Entenblues - Thomas Krüger


CD, Krimi, ungekürzt, gelesen von Dietmar Bär



Fast ein ganzes Jahr habe ich mich auf die Fortsetzung von 'Erwin, Mord und Ente' gefreut - und das Warten hat sich gelohnt!
Warum?

Weil mich Thomas Krüger durch eine Achterbahn der Gefühle geschickt hat.
Am Anfang steht eine kleine, aber sehr feine Liebesgeschichte, dann zwei skurile Todesfälle, bei denen es so richtig zur Sache geht (wie gerne würde ich hier was verraten, aber nein, ich tue es nicht, nur so viel: ich galube, ich habe meine Augen weit aufgerissen, so 'bekloppt' ist der zweite), dann einiges an Lokalkolorit und verschrobenen Charakteren, dann war ich zornig und traurig zugleich, dann in atemloser Spannung (der wird doch nicht, oder? Und wenn doch, dann hau ich ihn aber!), dann in prickelnder Vorahnung, hellem Entsetzen (Männer sind Schweine) und dann... Zwischendurch kam dann auch noch eine sehr genaue Beschreibung von dem, was Menschen so mit Tieren veranstalten und... Nein, ich möchte, dass ihr das selbst erlebt.

Weil ich die Protagonisten, allen voran natürlich Erwin Düsedieker, einfach toll finde. Und Lothar. Und Arno und Hilde (läuft da was? Da läuft doch was!). Und wenn mir jetzt noch der Name von der netten, älteren Frau einfallen würde, die von Annie den Lebensmittelladen übernommen hat...
Dem gegenüber sind da die Erzschurken...

Bevor das hier noch zu einer Inhaltsangabe ausufert, möchte ich lieber beschreiben, was der Grund für meine große Anteilnahme am Geschehen ist.
Thomas Krüger formuliert einfach meisterhaft, schafft mit wenigen (manchmal auch vielen) durchaus poetischen Worten Atmosphäre und trifft damit bei mir genau den Punkt, den ich bitte schön bedient haben möchte, wenn ich lese oder zuhöre. Nicht simpel, sondern in gewissen Rahmen anspruchsvoll, abwechslungsreich, keine stilistischen Einbrüche (außer in der direkten Rede), also nichts, was mich aus dem Genuss herausholt und den Fluss unterbricht. Dazu noch sehr viel Phantasie, ohne dabei in diesem Genre die Bodenhaftung zu verlieren, und eine vielleicht für andere befremdliche Art zu denken, die mich sehr amüsiert hat - auch, weil sie mir sehr nahe kommt. Wie auch manche Situationen.
Beindruckt hat mich auch, wie sehr ich mich emotional in dieser Geschichte befunden habe, wie zornig und traurig ich an manchen Stellen war. Das geht über einen 'normalen' Krimi weit hinaus. Und macht 'Entenblues' einfach einzigartig.

Dietmar Bär liest sehr gut und einfühlsam, und hat dabei leider eine so angenehme Stimme, dass ich einmal eingeschlafen bin. Und nein, das hatte nichts mit der Handlung zu tun! Nur mit meiner Müdigkeit und der Stimme.

Fazit?
Ein tolles Buch, ein wunderbares Hörbuch!

Buch und Hörbuch erscheinen am 10.11.2014 - und ja, ich werde das Buch auch lesen!

Der erste Teil um Erwin Düsedieker:



Ich danke Thomas Krüger für das Rezensionsexemplar und ich freue mich auf die Lesung am 13.11.2014 (mitten in Ostwestfalen und genau in meiner Lieblingsstadt!)(und ich werde natürlich darüber berichten)

Freitag, 24. Oktober 2014

Der Palast der Borgia – Sarah Dunant



Taschenbuch, historischer Roman



Meiner Meinung schafft es Sarah Dunant mit ‚Der Palast der Borgia’, einem zwar turbulenten, aber doch auch sehr faktenlastigen historischen Familie wunderbar Leben einzuhauchen.
Wie ihr das gelingt?
Durch eine sehr ironische, zum Teil beinahe liebevolle Art und Weise des Erzählens.
Fast entschuldigt sie die Vorgehensweisen, zeigt aber sehr deutlich, dass die Borgia irgendwie auch Kinder ihrer Zeit waren, verurteilt also nicht moralisch aus heutiger Sicht. Außerdem schildert sie die durchaus verwirrenden Tatsachen und die handelnden Personen sehr eindringlich und bildhaft, sodass sie aus dem Archiv der Geschichte steigen und zu dreidimensionalen Personen werden, etwas, dass mir sehr nahe gegangen ist.
Kleines Beispiel?
Burchard, der als ‚Assistent’ Alexanders allabendlich in sein Tagebuch schreibt. Und über fünfhundert Jahre später ‚hört’ man seine Stimme durch die Worte einer Autorin. Das ist faszinierend, wie ich finde, zumal wir uns nur durch Augenzeugen ein Bild machen können, die natürlich subjektiv berichten.
Und hier unterscheidet Sarah Dunant zwischen Freund und Feind, tendiert eher zu Freund und beschreibt ansonsten distanziert, wie ich finde, sehr angemessen.

Und diese Sicht auf die Dinge spiegelt sich im Stil wider, statt schwülstige, gefühlsduselige Beschreibungen abzuliefern, behält sich die Autorin ein gewisses Augenzwinkern vor, beschreibt eher beschwingt, außer in sehr wenigen Szenen, die dadurch nur umso intensiver wirken. So ist eben eine Vernunftehe eine Selbstverständlichkeit, der Verlust eines geliebten Menschen aber emotional katastrophal.

Fazit?
Ein sehr gut recherchierter historischer Roman, der neben Fakten sehr viel Menschliches vermittelt, ohne nur ‚unterhalten’ zu wollen.

Aller Anfang ist böse (Diviners 1) – Libba Bray



gebundene Ausgabe, Mystery/Horror



Selten habe ich mich in den letzten Jahren so gegruselt wie bei diesem Buch.
Wortgewaltig beschwört Libba Bray Situationen, Bilder, Geschehnisse auf, die dem Kopfkino Bilder und Gefühle liefern, die sehr intensiv sind.
Dabei geht es oft weniger um die eigentliche Handlung, vielmehr um Stimmung. Denn mal ehrlich, um Horror zu spüren, braucht es nicht literweise Blut, sondern Stimmung. Schatten, ein Luftzug, eine Bewegung im Augenwinkel finde ich sehr viel gruseliger, als abgetrennte Köpfe und billige Effekthascherei. Meine Meinung.

Die Protagonisten finde ich stimmig und interessant, ich möchte einfach mehr von ihnen erfahren, so offen bleiben viele Fäden. Ja, leider ist dies nur der Auftakt einer Reihe oder Trilogie oder was auch immer.

Stilistisch finde ich die Parallelität der Ereignisse, die oft durch häufige Szenewechsel greifbar werden, sehr interessant und eindringlich. Schließlich ist es ja nicht so, dass, während einer Person etwas geschieht, alle anderen in ihrem Kämmerlein sitzen und Däumchen drehen. Hier erzählt Libba Bray einfach sehr dicht, was mir Freunde gemacht hat. Ansonsten ist der Erzählstil solide und erlaubt sich nur hin und wieder eine wunderschöne Poesie.

Leider kann ich das Buch nicht genau in ein Genre einordnen, würde es aber keinesfalls als Jugendbuch bezeichnen, dazu ist es mir zu brutal.

Was mich richtig fasziniert hat war der Blick in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, die Konflikte zwischen Traditionen und Fortschritt, der Aufbruch in neues Denken, das Aufbegehren gegen Althergebrachtes und der Auseinandersetzung mit dem 1. Weltkrieg. Hier ist unerwartet viel Tiefe.

Fazit?
Ein faszinierendes Buch, das mehr hält, als es auf den ersten Blick verspricht.

Montag, 20. Oktober 2014

Liebe kommt oft unerwartet – Susan Hastings


E-Book, Chick Lit



Dieses Buch hat mich geärgert und genervt.

Dabei hatte ich mich auf ‚Liebe kommt oft unerwartet’ wirklich gefreut, zumal es im Dryas-Verlag erschienen ist, von dem ich bereits ‚Das Geheimnis der Lady Audley’ lesen durfte, das mich qualitativ absolut überzeugt hat.

Doch was ist das für eine Geschichte?
Die Protagonistin ist langweilig, farblos, erschreckend altbacken, geradezu altjüngferlich. Dazu ist die Geschichte – oh Mann, sie hätte echt Potential gehabt – phantasielos und durchaus schlaffördernd. Ein bisschen ‚Verliebt in Berlin’, ein bisschen ‚Bridget Jones’ (das Cover verrät es schließlich schon) und dazu noch ein Geheimnis, das gar keines ist. Gähn!
Außerdem krankt dieses Buch auch ein wenig an kleineren Fehlern, die mich deshalb geärgert haben, weil ich daran den eher lieblosen Umgang mit dem Produkt erkenne. So etwas ärgert mich!

Allerdings, und deshalb ist meine Bewertung nicht noch schlechter ausgefallen, zeigt dieses Buch zuweilen einiges an Phantasie. Die Damenrunde, die Mutter, die Hochzeit, da konnte ich doch Potential erkennen, die Liebe zu den Figuren und zur Absurdität, die ich sehr unterhaltsam fand. Auch ist der Stil angenehm zu lesen und die Geschichte ja nun auch nicht allzu lang, sodass man einen unterhaltsamen Nachmittag damit verbringen kann, statt sich über mehrere Tage damit herumzuschlagen. Doch sollte dies natürlich kein Kriterium sein. Oder doch?

Ich glaube, weder Susan Hastings noch der Dryas-Verlag haben sich bei diesem Buch mit Ruhm bekleckert, denn auch im Chick-Lit-Bereich erwartet frau inzwischen schon etwas mehr an Qualität, die frau auch bekommt.

Fazit?
Leider nicht überzeugend, wenn auch Potential erkennbar ist.

Ich danke bloggdeinbuch und dem Dryas-Verlag für das Rezensionsexemplar.
Bestellt werden kann es auch hier

Ewige Buße – David Mark



Taschenbuch, Krimi



Dies ist der dritte Teil – und wer mich kennt, weiß, dass ich es hasse, mitten in eine Serie einzusteigen – der ‚Yorkshire-Krimis’ rund um Detective Aector McAvoy.
Doch muss ich zugeben, David Mark versteht es gut, vorangegangene Ereignisse in die aktuelle Handlung einzuflechten, sodass ich nur bedingt das Gefühl hatte, völlig unwissend zu sein (und bleiben zu müssen).
Und die ‚Typen’ sind wirklich wunderbar kautzig und verschroben, ganz so, wie man sich das bei einem Krimi mit Lokalkolorit erhofft. Oder überhaupt bei einem Krimi.
Die durchaus mehrspurige Handlung ist faszinierend. Auf der einen Seite das Verbrechersyndikat, auf der anderen ein psychopathischer Ansatz, dazwischen Einzelschicksale und moralische Ansätze, das hat mir sehr unterhaltsame Stunden beschert. Mitfiebern ist hier Pflicht und das geschieht auch automatisch. Auch ist die Handlung nicht unbedingt vorhersehbar, da versteht es der Autor durchaus, zu überraschen.

Doch dann der Schluss!
Das ist mit Abstand der schlimmste Cliffhanger, den je ein Autor seinen Lesern zugemutet hat! Ich hätte vor Zorn beinahe das Buch aus dem Fenster geworfen, oder wäre darauf herumgetrampelt – wäre ich nicht so schockiert gewesen! Lieber David Mark, so geht das nicht! Da hilft auch der Epilog nicht weiter. ARGH!

Oder, um es anders auszudrücken: Wann kommt der vierte Teil? Nein, den muss ich nicht lesen, ich will nur wissen, wie es weitergeht.

Genug aufgeregt!

Der Stil ist angenehm und dem Genre entsprechend, man stolpert nicht über komplizierte Formulierungen als Selbstzweck, sondern kann sich einfach die Kopfkinobilder anschauen.

Fazit?
Solider Krimi, der (bis auf das Ende) gut unterhält und facettenreich erzählt.

Ich danke bloggdeinbuch und Ullstein-Taschenbuch für das Rezensionsexemplar
Bestellt werden kann es auch hier


Hope Forever – Colleen Hoover


Taschenbuch, Roman



Colleen Hoover versteht es wie kaum eine andere Autorin, über ganz große Gefühle zu schreiben. Ich finde das irritierend. Denn es ist immer auch eine Gratwanderung zwischen ganz großer Kunst (ich gehe da später noch näher drauf ein) und schwülstigen Kitsch.

Denn ja, es ist zum Teil wirklich grenzwertig, wie oft sich alle in diesem Buch beinahe andauernd ihrer Liebe zueinander versichern. Und zwar nicht mit ‚ich hab dich lieb’ sondern ständig ‚ich liebe dich’. Mir ist das zu viel und ich hab diese Entwicklung bereits an anderen Stellen ‚angeprangert’. Es ärgert mich einfach und geht mir auf die Nerven. Dafür kann allerdings die Autorin nichts, sondern die Übersetzerin.

Auch wird in ‚Hope Forever’ gerne mal seitenlang gruppendynamisch ausdiskutiert, was gerade los ist, alles durchaus pädagogisch wertvoll, aber doch auch zuviel des Guten – meine Meinung.

Aber zwischen all dem ist die Geschichte fesselnd. Die Protagonisten sind durchaus stimmig, das Geschehen interessant, spannend (auch wenn ziemlich schnell klar ist, worauf es hinausläuft) und wohldurchdacht.
Was mir gefallen hat war, dass es nicht besonders prüde zugeht, sondern schon ziemlich ‚zur Sache’ geht. Nicht übertrieben natürlich, aber doch sehr entfernt von dem, was ich erwartet hatte. Das ist schon ein ‚Erwachsenenbuch’.

Etwas weniger Theatralik vielleicht, ein bisschen weniger Effekthascherei, dann könnte Colleen Hoover einen ganz großen Roman schreiben. Das Zeug dazu hat sie. Denn von der ersten Seite an war ich in der Geschichte drin, hab mich in sie fallen lassen und genießen können. Ein bisschen ‚Hach-Buch’. Aber nicht rundum befriedigend. Wenn auch mit sehr viel Herzblut, und das ist wirklich schön.

Fazit?
Ein ergreifendes Buch, das sich sehr gut lesen lässt, doch fehlt mir das i-Tüpfelchen.