Freitag, 28. November 2014

Sturmjahre – Barbara Wood


Taschenbuch, historischer Roman



Ich las dieses Buch bereits vor etwa 20 Jahren und fand es damals faszinierend – wie auch eine Reihe anderer Bücher von Barbara Wood. Und mit der Erinnerung an diese Meinung, las ich es jetzt erneut, sicher, die gleiche Faszination zu verspüren wie ‚damals’.

Doch entwickelt sich der Geschmack im Laufe des Lebens und was vor 20 Jahren toll war, entlockt einem heute vielleicht noch ein müdes Lächeln.
Genau so ging es mir mit diesem Buch.
Was für eine melodramatische Handlung und Ausdrucksweise!
Was für eine gar schauerliche Geschichte!
Barbara Wood zieht wirklich alle Register, um ihrer Protagonistin Steine, ach, was sage ich, Felsbrocken, ganze Gebirge in den Weg zu werfen, doch die Heldin bleibt wundervoll, schön, intelligent – und unsympathisch.
Vielleicht liegt es am Blickwinkel, den die Autorin einnimmt. Einerseits als allwissender Erzähler distanziert, andererseits natürlich auf einer Mission.

Stilistisch konnte mich ‚Sturmjahre’ auch nicht ganz überzeugen, es ist mir einfach zu altbacken und zeitweise zu schnulzig.

Einzig die puren medizinischen Fakten konnten mich begeistern, aber das liegt wohl eher an einem kleinen Hang meinerseits zur Morbidität. Und an historischen Tatsachen.

Fazit?
Sicherlich ein gutes Buch, doch nichts mehr für mich. Unterhalten hat es mich trotzdem.

Donnerstag, 27. November 2014

Die Chroniken der Seelenwächter - Band 1: Die Suche beginnt - Nicole Böhm


e-Book, Urban Fantasy



Manchmal könnte man mich für einen Masochisten halten, jedenfalls, wenn es um die Auswahl meiner Lektüre geht. Oder warum tue ich mir das an, diese ewigen simpel geschriebenen, ewig inhaltsgleichen Geschichten, die irgemdjemand meint, unbediongt veröffentlichen zu müssen?
Weil ich manchmal überrascht werde.

So wie in diesem Fall.
Betrachtet man den Inhalt, nun ja, irgendwie schon anders, aber doch auch bekannt. Keine Engel, die gegen Dämonen kämpfen, nein, diesmal sind es Seelenwächter, fragt mich nicht, ob es da einen Unterschied gibt. Allerdings scheinen sie katholisch zu sein, und das ist, nun ja, erstaunlich!
Stilistisch habe ich 'Die Suche beginnt' nicht als besonders herausragend empfunden, allerdings muss ich zugeben, dass ich es noch nie erlebt habe, dass in einem Satz ein Mal nach dem 'wegen' der Genetiv kommt und nur ein paar Wörter weiter nach einem nächsten 'wegen' der Dativ - das ist neu und hat mich schon ein wenig in Erstaunen versetzt. Nach dem Motto 'ich kann mich nicht entscheiden, soll sich der Leser doch das Richtige raussuchen'?

Das hört sich ja nun Alles nicht so überzeugt an, wieso vergebe ich also so eine gute Bewertung?
Weil es Nicole Böhm schaffte, mich mit der Beschreibung tiefer Gefühle und einem richtig guten Sinn für Humor in ihren Bann zu ziehen. Und da verzeihe ich einfach mal den verwirrenden Beginn (wer Näheres über die zwei Protagonisten erfahren will, sollte sich zuerst die Beschreibungen am Ende des Buches ansehen, manches taucht nämlich nur dort auf), eine Überforderung mit zu vielen Personen und zu vielen winzigen Informationen (ein Gesamtbild ergibt sich für mich da noch lange nicht) und auch die meiner Meinung nach eher zweifelhafte Wahl der Erzählperspektiven. Bei Jess und der allwissenden Person gelingt ihr das noch ganz gut, bei dem Typ gibt es kleinere Unstimmigkeiten, da geht der Autorin als Frau einfach mal ein bisschen das Temperament durch.

So, und nun mal unter uns: Dies ist der erste Teil einer zwölfteiligen Reihe, vier Teile gibt es bereits, weitere erscheinen monatlich. Es ist ein tolles Projekt mit einer richtig guten Idee und Protagonisten, die einem durchaus ans Herz wachsen können. Und weil das so ist, hat die Geschichte Zeit, sich zu entwickeln. Das gefällt mir sehr gut! Immerhin wird das Wrek irgendwann mehr als 1000 Seiten umfassen - und da muss am Anfang nicht Alles verraten werden. Und da bleibt Platz für den Leser, sich seinen Teil zu denken, zu hinterfragen und vielleicht selbst ein paar Idee zu entwickeln.
Und wenn man sich das vor Augen führt, dann ist 'Die Suche beginnt' (keine Ahnung, wie die zu diesem Titel gekommen sind) ein wunderbarer Einstieg in eine phantastische Geschichte.

Fazit?
Mich hat die Geschichte gut unterhalten, wenn ich auch ein bisschen was zu meckern hatte.

Ich danke bloggdeinbuch und Greenlight Press für das Rezensionsexemplar
Bestellt werden kann es einfach durch einen Klick auf das Cover!

Mittwoch, 26. November 2014

Der Teufel von New York - Lyndsay Faye



Taschenbuch, Krimi



Was hatte ich mich auf dieses Buch gefreut, stand schließlich schon seit Monaten auf meiner Wunschliste. Und endlich hatte ich jemanden gefunden, der es mir leiht und natürlich sofort damit gestartet.

Leider erwies sich der Anfang als ein wenig zäh, ein bisschen wirr die Sache, oder nur allzu fremd?
Doch irgendwann ertappte ich mich selbst dabei, wie ich mitfieberte und 'mitermittelte'. Tja, die Geschichte um die Morde ist ziemlich vorhersehbar, der Täter schnell ermittelt (wenigstens ansatzweise), aber das Drumherum ist einfach toll. Der Blick in die Geschichte der New Yorker Polizei (brauchen wir nicht, wir sind freie Bürger) ist faszinierend, in die ersten Versuche einer 'vernünftigen' Ermittlungsarbeit sowieso. Der Ich-Erzähler ist nach den ersten Startschwierigkeiten ein richtiger Sympathieträger und erweist sich als sehr tiefgründig. Das hat mir sehr gut gefallen. Überhaupt schafft es Lyndsay Faye vorzüglich, den Personen Leben und Tiefe einzuhauchen, genau wie der Atmosphäre in dem New York von 1845, dass ich mich dem 'Zauber' nicht entziehen konnte. Da bleiben wenig Fragen offen, vorallem an den Stellen, wo man gar nicht gefragt hat.
Eine ganz besondere Geschichtsstunde, in der man ungeahnt tief berührt wird.

So sehe ich dieses Buch auch weniger als durchaus spannenden Krimi, sondern eher als historischen Roman, der mit viel Einfühlungsvermögen eine wirklich widerliche Vergangenheit beschreibt, die jedoch die Grundlage liefert für das, was wir inzwischen als selbstverständlich erachten. Und erklärt damit für mich sehr viel.

Fazit?
Wunderbare Studie, eine mitreißende Geschichte und dreidimensionale Charaktere - was will man mehr?

Im nächsten Jahr kommt der zweite Teil heraus, ich hoffe, der bleibt nicht wieder so lange auf meiner Wunschliste!



Ronja und Finn in der Piratenschule - Thomas Krüger, Melle Siegfried



audible, Hörspiel, Kinder



Durch die Suche nach weiteren Bücher von Thomas Finn geriet ich plötzlich an dieses Hörbuch und war natürlich neugierig, was Thomas Krüger so in Sachen 'Kinderbuch' fabriziert. Für 2,75 € ist es ja ein kleines Schgnäppchen, allerdings reicht die Länge von 41 Minuten mal gerade für einen etwas kürzeren Spaziergang mit dem Hund. Den sollte man allerdings lieber in wenig belebter Umgebung machen, denn ich kam aus dem Lachen gar nicht mehr raus. Die Geschichte ist natürlich völlig phantastisch, ich meine, eine Piratenschule? Das ist doch etwas, was sich jedes Kind wünscht, oder? Nebenbei lernt der geneigte Zuhörer noch mehr über Segel, als ich je wissen wollte. Und wie wichtig die Schule doch ist, nun, ein kleiner erhobener Zeigefinger ist in einem Kinderbuch durchaus gestattet. Ansonsten ist es eine wirklich toll gestaltete Sache, die Sprecher sind professionell (das kleinste Mädchen schwächelt, aber das macht der Niedlichkeitsfaktor wieder wett!) und die Geschichte und die Personen sind wundervoll absurd. Beispiel? Ein Fisch, der vor Lachen von der Angelschnur fällt!
Neugierig geworden?
Es gibt noch fünf weitere Folgen, die keine Reihenfolge haben (seltsam!), und ich denke, so manches Kind wird ohne diese Geschichten nicht mehr einschlafen wollen. Ich jedenfalls hätte so viel Phantasie und Humor geliebt, so als Kind. Als Erwachsene, nun, es hat meiner kindlichen Seite sehr gut getan, weil es niedlich und süß und witzig ist. Ein sonniger Lichtblick voller Unbeschwertheit während eines herbstlich-kalten und dunklen Spaziergangs.

Fazit?
Kindgerechte Unterhaltung auf hohem Niveau.







Dienstag, 25. November 2014

Aquarius - Thomas Finn



Klappbroschur, Fantasythriller



In 'Aquarius' findet man Alles, was das Leserherz höher schlagen lässt: viel Action, ein wenig Fantasy, überraschende Wendungen, Spannung, ein bisschen Liebe und einen Protagonisten, der durchaus sympathisch ist.
Fasziniert hat mich allerdings besonders die ständige Spannung, in der ich mich befand. Selten gab es ein paar Sätze zum Durchatmen, vielmehr befindet man sich die meiste Zeit in Anspannung und Erschrecken. Das hat mir sehr gut gefallen. Außerdem fand ich die Geschichte gut durchdacht und auch im gewissen Sinn sehr gut recherchiert. Da verschwimmt die Grenze zwischen Fiktion und Realität ganz unbemerkt.

Was mir weniger gut gefallen hat war der Stil, der zuweilen doch sehr holprig ist und auch kleinere Mängel aufweist. Etwas flüssiger geschrieben, wäre 'Aquarius' einfach wundervoll.
So aber ist es ein solides Werk mit sehr viel Phantasie, sehr schönen Ideen und Charakterstudien. Nicht schlecht, aber leider auch nicht völlig befriedigend.

Fazit?
Geeignet für Leser, die gerne mal die Realität als Randerscheinung sehen, sich ansonsten aber gerne phantastisch- spannend unterhalten lassen wollen.

Mein Lieblingsbuch von Thomas Finn ist übrigens dieses hier:

Der Fall Moriarty: Eine Geschichte von Sherlock Holmes' großem Gegenspieler - Anthony Horowitz


gebundene Ausgabe, Krimi



Dieses Buch ist etwas ganz besonderes.
Was man schon daran sieht, dass es nicht im Schutzumschlag geliefetr wird, sondern einfach in blaues Leinen gewandet und nur eher schlicht in weiß bedruckt. Wundervoll edel - und irgendwie nostalgisch.

Und inhaltlich?
Spannend, gut durchdacht, verzwickt und verworren. Wie eich 'echter' Sherlock Holmes eben, wenn da nicht dieser Knalleffekt wäre, bei dem ich wahrscheinlich vor Schreck meine Augen weit aufgerissen hätte. Gut, ein aufmerksamerer Leser als ich es wahrscheinlich/leider bin, hätte schon vorher... Aber mir hat es die Füße unter dem Leib weggezogen. Völlig genial!

Stilistisch fühlte ich mich tatsächlich an die Fabulierkünste eines Arthur Conan Doyle erinnert, sehr authentisch und der Zeit, in der es spielt, angemessen. Mir gefällt so etwas sehr gut, ergibt sich daraus doch ein sehr rundes Gesamtbild. Doch trotz der eher behäbigen Sprache, ist es durchaus ein sehr spannendes Buch und ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen.

Fazit?
Ein literarischer Schatz, geschrieben in der Tradition von Sherlock Holmes und durchaus congenial!

Im Anschluss habe ich diese Geschichte gelesen:

Meiner Meinung nach hält Anthony Horowitz rein menschlich nicht sehr viel von Sherlock Holmes, was die Sache sehr interessant macht ;)
Da dieses e-Book umsonst ist, schaut es euch doch einfach mal selbst an.