Donnerstag, 26. Februar 2015

Nacht ohne Namen – Jenny-Mai Nuyen


Gebundene Ausgabe, Fantasy, ab 14 Jahren



‚Nacht ohne Namen’ hat mich durch das Feuerwerk an Phantasie überzeugt. Und mit der schönen Gestaltung (was natürlich eher zweitrangig ist).
Zuerst noch ein wenig undurchsichtig, erschließt Jenny-Mai Nuyen dem Leser eine interessante und faszinierende Welt und zeigt sehr viel stilistische Routine, die ich angenehm fand.
Im Grunde also ein solides Werk, das vergnügliche Lesestunden verspricht und einen ganz eintauchen lässt in eine fremde Welt. Leicht zu lesen, spannend, an manchen Stellen wirklich beängstigend. Ja, die Autorin versteht ihr Handwerk und hat Phantasie.

Und doch hat mich das Buch nicht restlos in seinen Bann ziehen können. Vielleicht, weil es für mich zu viele Ebenen gibt, zu viele Protagonisten, die dann auch noch ‚zweigeteilt’ sind. So habe ich des Öfteren zurückgeblättert zur Liste der auftretenden Personen, was natürlich eine praktische Angelegenheit ist, aber auch zeigt, wie verwirrend es war. Nun kann man einem Buch natürlich nicht die eigene Dusseligkeit vorwerfen, aber mich hat es halt auch aus der Geschichte gerissen. Was ein Eintauchen erschwert.

Fazit?
Insgesamt fand ich das Buch interessant und spannend, sehr phantasiereich und sehr gut geschrieben, konnte mich aber nicht völlig in die Geschichte begeben.

Wie ich aus Versehen eine Bank ausraubte – Simon Bartsch


e-Book, Roman



Selten habe ich ein Buch gelesen, dass mich dermaßen bedrückt hat – auch wenn es wohl eher humorig gedacht ist.
Natürlich ist es ‚lustig’, wie Jan Lehmann, zuweilen mit seiner Freundin Laura, durch die Welt stolpert und in zum Teil schon sehr haarige Situationen gerät. Diese meistert er durchaus auch, weil er derart naiv ist, dass es einem schon Tränen des Mitgefühls in die Augen steigen können. Denn wer so simpel gestrickt ist, ist auch sehr schnell Opfer. Und genau das hat mich bedrückt. Zumal mir Jan selbst eher unsympathisch ist. Das schafft ein bisschen schlechtes Gewissen, irgendwie. Das ist mein ganz persönlicher Eindruck und beruht auf meiner eigenen Geschichte.

Deshalb jetzt mal zur objektiven Sicht auf das Buch.
Stilistisch liefert Simon Bartsch ein rundes Werk ab, indem er in kurzen, einfach gehaltenen Sätzen aus der Ich-Perspektive ‚Jan’ erzählt. So wird dem Leser schnell klar, warum manche Dinge geschehen.
Weiterhin hält der Autor der Welt schon auch einen Spiegel vor, sei es nun der Boom um den Blog (erinnerte mich an ‚Der Messias hat einen Schuh liegen gelassen, das soll unser Zeichen sein’ – oder so ähnlich, oder auch das, was in einem anderen Film passiert, auf den sich Jan selbst bezieht), und leider eben auch da, wo es darum geht, wie Jan des öfteren über den Tisch gezogen wird (die Welt ist so böse!).

Und schon wird es wieder subjektiv: Nein, ich mag die Protagonisten nicht. Weder Jan noch Laura, deren Verhalten ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Einerseits fürsorglich und durchaus selbständig und kompetent, andererseits verschwindet sie im entscheidenden Moment.

So kann ich ‚Wie ich aus Versehen eine Bank ausraubte’ zwar als stilistisch gelungen bezeichnen und dem Autor auch bescheinigen, dass er etwas zu erzählen hat, was schon ziemlich viel mit ‚Botschaft’ und ‚Sozialkritik’ zu tun hat, aber insgesamt war es kein Lesevergnügen sondern eher damit zu vergleichen ist, was man über Unfälle sagt: ‚Es ist widerlich, aber man kann einfach nicht wegschauen’.
Was natürlich viel zu hart klingt. Aber tendenziell stimmt es schon.

Fazit?
Durchaus eine stilistisch runde und stimmige Angelegenheit, inhaltlich leider überhaupt nicht mein Fall, vielleicht auch, weil ich nicht lachen konnte, sondern es eher bedrückend fand. Ähnlich ging es mir bei ‚Forrest Gump’.

Freitag, 20. Februar 2015

Was blüht den da? – Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle, Roland Spohn


Taschenbuch, Kosmos-Naturführer, Sachbuch



Wie oft läuft man durch Gärten, Parks und Wälder und fragt sich, was um Himmels Willen da denn nun gerade wächst, blüht und gedeiht.
Da kommt so ein Wälzer gerade recht und bietet auch wirklich einen guten Überblick – den man aber auch relativ schnell wieder verliert. Das System ist dabei sehr gut durchdacht, aber man muss sich schon ziemlich konzentrieren und sich genau erinnern, was man da gefunden hat. Oder man macht Fotos, rupft die ganze Pflanze raus oder nutzt das e-Book, denn das Buch ist schwer und man möchte es wohl eher nicht mit sich rumtragen. Das liegt allerdings in der Natur der Sache, ist also eher kein Kritikpunkt.

Insgesamt ist dieses Nachschlagewerk also eine durchaus gelungene Sache, die interessierten Menschen sicher sehr viele Erkenntnisse und Einblicke bietet.
Allerdings ist es mir nicht gelungen, Kapuzinerkresse zu finden – es gibt also anscheinend durchaus Pflanzen, die hier nicht aufgeführt werden. Das finde ich schade.

Fazit?
Durchaus umfangreich, leider nicht vollständig und gewöhnungsbedürftig.


Die drei ??? und das Gespensterschloß – Robert Arthur


Gebundene Ausgabe, Krimi




Dieser definitiv erste Teil der Serie rund um die drei Detektive aus Rocky Beach ist ein Buch, das ich vor etwa 35 Jahren zum ersten Mal las.
Letztes Jahr erschien im Kosmos Verlag ein Reprint, weil es aus irgendwelchen Gründen irgendwann zu Verwirrungen kam, sodass ‚Die drei ??? und das Gespensterschloß’ geändert wurde und nun nicht mehr als erster Teil galt. Das hat mich jahrelang ziemlich irritiert und nachvollziehen will ich es einfach nicht. Egal.

Dieser Reprint bietet nun den Fans die Möglichkeit, wieder zurück zum Ursprung zu gehen und das Buch so zu lesen, wie es gedacht war. Alfred Hitchcock als ‚Erzähler’, das Vorwort und einige durchaus spitze Bemerkungen bestreitet er, wirft ein ganz anderes Licht auf die drei Helden, als es in späteren Büchern und besonders in den Hörspielen der Fall ist.

Die stilistische Qualität ist hervorragend. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, kein Massenprodukt in den Händen zu halten, sondern ein liebevoll geschriebenes Buch, wohldurchdacht und irgendwie ruhig, wenn auch sehr kritisch und ironisch. Der erste Teil einer (sehr langen) Serie muss überzeugen – dieser tut es auf wunderbare Weise. Und zeigt den meisten Folgen damit eine lange Nase, weil diese an die Qualität nicht einmal annähernd heranreichen. Klingt hart? Nun, vergleicht selbst.

Leider konnte ich mich nur noch an ein Detail erinnern, allerdings hat mich dieses Buch bereits vor langer Zeit dazu bewogen, ein paar Folgebände zu kaufen (von meinem Taschengeld) und mir die ‚Liebe’ zu diesem Projekt zu erhalten.

Fazit?
Ich liebe es!

Kleine Cowboys ganz groß – The Bosshoss


Gebundene Ausgabe, Bilderbuch, Illustrationen von Daniel Ernle



Dieses Bilderbuch, geschrieben von zwei Musikern, hat eine große Botschaft: Lebe deinen Traum!
Und um das zu vermitteln, setzen die zwei auf kurze, witzige Texte und liebevoll gestaltete Bilder voller Humor, die zur längeren Betrachtung einladen, wie ich finde. Das Ende kam mir etwas zu abrupt, aber es ist halt ein Kinderbuch, da ist keine lange Handlung gefragt.

De Sprache ist angenehm und kindgerecht, ohne kindisch oder überdreht zu wirken. Ein Buch also, das ich gerne vorlesen würde und bei dem es Spaß macht, mit einem Kind die Bilder zu erkunden.

Fazit?
Meiner Meinung nach ein gelungenes Bilderbuch, das durchaus Potential zum ‚Lieblingsbuch’ hat.

Die Entführung der Delia Wright (Timothy Wilde 2) – Lyndsay Faye



Klappbroschur, historischer Krimi



Wie auch schon ‚Der Teufel von New York’ hat mich auch der zweite Teil dieser Krimireihe überzeugt. Historisch fundiert versetzt ‚Die Entführung der Delia Wright’ den Leser erneut in das historische New York, als vor der Hungersnot geflohene Iren die Stadt ‚überschwemmten’ und die städtische Polizei noch in den Kinderschuhen steckte.

Diesmal nimmt sich Lyndsay Faye eines Themas an, das erstens in mein Schema der letzten Monate passt, zum anderen aber – für mich – einiges Neues brachte. Und hier liegt meiner Meinung nach das, was mich an den Büchern reizt: Lyndsay Faye versteht es einfach, historische Begebenheiten so zu schildern, auch durch die Ich-Perspektive, dass es für den Leser eindringlich wird. Kein Schwelgen in unnötiger Brutalität, sondern eine menschliche Stimme, die zuweilen distanziert wirkt, aber doch voller Poesie zu Herzen geht. Und damit überzeugender, als es Usus ist, vor allem in diesem Genre.

Neben der durchaus spannenden Geschichte ist ‚Die Entführung der Delia Wright’ ein rundum gelungener historischer Roman voller stimmiger Charaktere und die Hoffnung, dass es selbst in schlimmsten Zeiten ein paar ‚Gerechte’ gab und gibt. Und es bietet Einblick in Vorgänge, die so weit auch nicht vom Hier und Jetzt sind. Vorurteile, Sklaverei, Entführungen, Diskriminierung – Themen, die aktuell sind, leider.

Fazit?
Ein wunderbarer zweiter Teil, dessen einzige Schwäche es ist, dass die Fortsetzung nicht sofort vorliegt.

Montag, 16. Februar 2015

Das unwahrscheinlich geheime Tagebuch vom kleinen Schwein – Emer Stamp


Gebundene Ausgabe, Kinderbuch, 8-10 Jahre



Eine nette Idee, ein Schwein erzählen zu lassen, wie es ihm auf einem Bauernhof geht. Und nett ist die Geschichte zuweilen auch, ohne Zweifel. Der moralische Zeigefinger ist dezent und doch vorhanden, was ich durchaus angemessen finde. Insgesamt ist es eine schöne Geschichte, die spannend und interessant ist.

Und trotzdem würde ich mein Kind (wenn ich denn eines hätte) dieses Buch weder vorlesen noch selber lesen lassen. Und zwar aus einem einzigen Grund: Die verwendete Sprache ist ‚unter aller Sau’.
Wer ein Kinderbuch herausbringt, hat die Verantwortung, ein Buch vorzulegen, das einem Kind kein falsches Deutsch beibringt!
Die stilistischen Verfehlungen in ‚Das unwahrscheinlich geheime Tagebuch vom kleinen Schwein’ sind derart groß, dass es mich Überwindung gekostet hat, es zu beenden! Sinnigerweise steht im Buch nicht der Name des Übersetzers.

Fazit?
Nette Idee, fehlerhafte Umsetzung, schade drum.

Sei mein Frosch – Julia Bähr


Taschenbuch, Chick Lit



Das Cover
Wer denkt sich bloß solche Cover aus?
Jemand, der mich kennt?
Grün, Hunde (ok, Möpse sind nicht wirklich Hunde, eher Menschen in hundischer Gestalt oder so), gehäkelte Mützchen und im Titel das Wort ‚Frosch’ – das sind mehr als genug Gründe für mich, dieses Buch zu lieben, ohne zu wissen, worum es geht.

Der Inhalt
Wunderbar unaufgeregt erzählt Julia Bähr eine schöne Liebesgeschichte, deren Ende natürlich vorhersehbar, nichtsdestotrotz aber interessant und sehr amüsant ist. Und so herrlich selbstironisch.

Meine Meinung
‚Sei mein Frosch’ ist ein wundervoll entspanntes Buch, das den Alltag vergessen lässt. So soll es sein. Trotz der verwendeten Klischees, fehlt es der Geschichte nicht an Bodenständigkeit, und das hat mir gut gefallen. Die Charaktere sind stimmig und wachsen einen richtig ans Herz, man kann mitleiden, -bangen, -hoffen und -lachen.
Der Stil ist charmant und natürlich, dabei nicht plump oder ordinär – leichte Kost auf sehr gutem Niveau.
Ein Buch also, das mir sehr vergnügliche Stunden bereitet hat, ein Wohlfühlbuch mit Humor, rundum gelungen und einfach schön!

Fazit?
Innen wie außen genau mein Fall!