Sonntag, 31. Mai 2015

Jake Djones und die Hüter der Zeit (Jake Djones 1) – Damian Dibben


Broschur, Jugendfantasy



Mit dem Thema Zeitreise kriegt man mich immer, deshalb konnte ich einfach nicht widerstehen. Leider konnte mich ‚Jake Djones und die Hüter der Zeit’ nicht so richtig begeistern. Das mag zum einen an der Rahmenhandlung liegen, denn da bietet sich wenig Neues. Zuerst hatte ich die Edelsteintrilogie vor Augen, dann ein bisschen Zeitenzauber. Nun gut, irgendwie muss man die Zeitreise begründen und das ist auch noch kein Grund, ein Buch nicht gut zu finden.

Allerdings ist diese Version des Bekannten trotz sehr, sehr spannender Szenen meiner Meinung nach ein leider eher uncharmantes Buch. So versteht es Damian Dibben zwar durchaus, phantastische Ideen zu entwickeln und sie logisch darzulegen, doch fehlte mir der magische Funke, der das Kopfkino starten lässt. So sind die Beschreibungen der Vorgänge oft bloße Aufzählungen, so, als würde der Autor einfach eine Liste abhaken. Übertrieben ausgedrückt: ‚dann sprang XY zu Seite, dann hob er den Arm, dann machte XY einen Schritt zur Seite’. Auch fehlte für mich das ganz besondere ‚Aroma’ einer früheren Zeit, der Geruch, die Geräusche, das Fehlen moderner Dinge.
Leider konnte ich auch keinen direkten Sympathieträger ausmachen, Jake Djones als Hauptprotagonist bleibt für mich eher blass.
Einzig Mr. Drake bringt ein bisschen Farbe ins Spiel, wenn auch eher durch übertriebene Vermenschlichung.

Auf der anderen Seite bietet ‚Jake Djones und die Hüter der Zeit’ allerdings auch einiges an Spannung und einen ziemlich großen Cliffhanger, weshalb ich erstens gestehen muss, dass ich mich trotz allem gut unterhalten gefühlt habe und unbedingt wissen muss, wie es weitergeht. Irgendwie ärgerlich! Ein wenig!

Fazit?
Ein Buch mit Unterhaltungswert, das jedoch meiner Meinung nach weit hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt. Aber ich möchte die Fortsetzung lesen.

‚Jake Djones und die Hüter der Zeit’ ist in der mir vorliegenden Ausgabe im Blanvalet Verlag erschienen.

Good boy bad boy – Anne Cassidy


Broschur, Jugendroman



Dieses Buch subbte schon ein paar Jahre bei mir rum, ich hab das damals bei den berüchtigten Mängelexemplare-Verkauf der Mayerschen gekauft, wahrscheinlich gab es da drei zum Preis von zwei oder so.
Und da ich ja bei der Verstaubte Bücher Challenge von Kastanie mitmache, hab ich es diesmal ‚entstaubt’ und gelesen.

Wirklich begeistern konnte es mich inhaltlich nicht. Die Geschichte ist einfach gestrickt und die Protagonisten eher distanziert dargestellt. Da war wenig mit Mitgefühl von meiner Seite, obwohl es doch ziemlich heftig zugeht.

Interessant aber fand ich den Aufbau, der mir sehr viel Spaß gemacht hat.
Die einzelnen Kapitel sind relativ kurz, dafür wird ständig die Perspektive gewechselt. Gegenwart, Vergangenheit, was Kenny erlebt, was Nat erlebt, ordentlich durcheinander gewirbelt aber doch auch sehr gut strukturiert. So hat der Leser erst am Ende das ganze Bild und kann sich vorher zwar schon was zusammenreimen, muss es aber nicht. Ich finde so etwas gut, weil es meiner Meinung nach schriftstellerisches Können beweist. Anne Cassidy hat ihre Geschichte völlig im Griff.
Für den Leser bedeutet das allerdings ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit. Und das schadet ja nicht!

Fazit?
Ein gut geschriebenes Buch, dessen Ende ich mir allerdings anders gewünscht hätte – und damit habe ich etwas für die Book Whisper Challenge im Juni! Gutes Buch!!!!

Samstag, 30. Mai 2015

Was esse ich beim Lesen?

Das war die Frage, die es diesen Monat bei der Book Whisper Challenge zu beantworten galt.

Im Grunde esse ich beim Lesen So ziemlich alles. Ob Butterbrote, Obst, Chips und Schokolade, Kekse und auch mal eine warme Mahlzeit, Möhren, Tomaten und ein Stück Salatgurke, ich glaube, ich habe schon alles gegessen, wenn ich es mir auf dem Sofa gemütlich mache.

Aber seit ich die Frage gelesen habe, habe ich richtig Appetit auf meinen ganz speziellen Nudelsalat.
Wollt ihr das Rezept?

Hier ist es:

250 g gekochte Nudeln (am besten mit viel kaltem Wasser abschrecken, bis sie kalt sind)

1 kleines Glas Miracel Whip (ihr könnt die Mayonnaise natürlich auch selber machen)
Mit den weiteren Zutaten in eine Schüssel geben
1 Zwiebel fein würfeln
1 kleine Dose gesüßte Ananas in Würfel schneiden, den Saft aufheben
1 Dose oder 1 Glas (klein) Spargel in Stücke schneiden
1 kleine Dose Erbsen

Alles kräftig umrühren, den Ananassaft nach Belieben dazugeben, mit Salz abschmecken und die Nudeln dazugeben.

Fertig!

Das Rezept reicht für vier Personen, zum Beispiel, wenn man grillt.
Für mehr Personen einfach 500g Nudeln nehmen und von den anderen Zutaten größere Gläser/Dosen.

Und ich fahr dann gleich mal einkaufen, Menno, mir läuft das Wasser im Mund zusammen.

Guten Appetit!

Neuzugänge 30.05.2015

Auch heute erreichten mich drei Neuzugänge, diesmal allerdings ausschließlich Hörbücher!
Wer diesen Blog schon länger verfolgt, wird sich vielleicht ein wenig wundern. Da kommen ständig neue Hörbücher an, ich höre sie und schreibe auch Rezensionen, aber wer rechts und links und oben schaut, der wird feststellen, dass auf gedruckten Büchern einfach mehr Gewicht liegt.
Dieses Jahr wird das auch so bleiben, aber ich glaube, im nächsten Jahr wird es mal eine Hörbuch-Challenge geben.
Was haltet ihr davon?
Was würde euch daran reizen? Ein bestimmtes Thema im Monat? Gemeinsames Hören?

Jetzt aber zu den neuen Hörbüchern:
Zuerst ein Kinderbuch ab 10 Jahren:


Ja, ich habe reingehört und es hat mich einfach neugierig gemacht. Und ich mag Kinderbücher einfach, weil sie meist einfach entspannend sind.

Dann kam der vierte Teil (wo ist der dritte abgeblieben, hoffentlich noch unterwegs) der Serie um Nils Trojan.


Denn natürlich will ich sie jetzt ALLE hören ;) Und bei der Entwicklung der Reihe freue ich mich einfach auf das Hören!

Und schließlich noch dieses Kinderbuch ab 12 Jahren


Ich habe keine Ahnung, worum es genau geht, ich habe mir auch keine Hörprobe angehört, ich habe keine Ahnung von dem Film, nein, das war eine absolute ‚Blindbestellung’. Einzig der Anfang des ersten Satzes des Klappentextes ‚Der siebte Sohn des siebten Sohnes’ hat mich einfach gereizt.

Und jetzt noch etwas ganz anderes:
Im Juli wird dieser, mein ganz eigener Blog vier Jahre alt.
Leider hatte ich mit meinen bisherigen Verlosungen eher Pech, irgendwie haben sie nie euer Interesse geweckt. Soll ich jetzt die Hoffnung aufgeben, oder es noch einmal versuchen?
Und wenn versuchen, was würde euch hinter dem Ofen hervorlocken?
Vielleicht ein signiertes Bild von mir? (Das ist ein Scherz!)
Ernsthaft: Bücher kann jeder verlosen, ich möchte etwas ganz Besonderes für euch machen!

Jetzt aber einen schönes Wochenende :wave:

Freitag, 29. Mai 2015

Neuzugänge 28.05.2015

Da hieß es, die Post streikt, und ich habe trotzdem drei Neuzugänge im Kasten gehabt.

Zuerst ein Buch, das ich früher schon mal hatte - vielleicht ist es auch noch irgendwo, dann finde ich es bestimmt beim nächsten Umzug (der hoffentlich noch sehr lange auf sich warten lässt!).

Den zweiten Teil habe ich schon rausgesucht und freue mich sehr darauf, beide hintereinander zu lesen. Und zwar ziemlich bald.

Es ist unglaublich, was bei mir im Moment an Hörbüchern durchgeht. Sechs bis sieben Stunden am Tag höre ich und hab mir jetzt sogar die Harry Potter Bücher auf den mp3-Player geladen, damit ich genug Hörstoff dabei habe. Schließlich sind dieses Jahr ein paar Challenges zu Harry Potter und obwohl ich da nicht mit mache, ist das die Gelegenheit, sie mal wieder zu hören. Mache ich eh alle paar Jahre. Dazu schreibe ich aber mal extra was.
Aus der Angst heraus, mal nichts zu hören zu haben, habe ich nun dieses Buch:

Ich habe es kurz angelesen und eine Hörprobe gehört und weil die Meinungen darüber so auseinandergehen, bin ich einfach neugierig. Außerdem habe ich in letzter Zeit wohl auch einfach zu viele Thriller gehört, da muss mal was anderes in die Ohren.

Und der dritte Neuzugang ist schließlich dieses Hörbuch:

Ich fand den ersten Teil schon sehr witzig und werde diesen Teil zusammen mit meinem Bruder anhören. Vielleicht mache ich davon ein kleines Video, mal schauen, wie das mit dem Handy wird. Denn eines kann ich euch versprechen, wenn mein Brüderchen lacht, bleibt niemand ernst.

Der Mai neigt sich ja nun ganz gewaltig dem Ende und für den Juni habe ich schon einiges geplant. So gibt es jetzt ein Regalfach nur für den aktuellen Monat, von dem ich regelmäßig Fotos bei Instagram hochladen werde. Es ist schon erschreckend voll, aber das sollte kein Problem sein.
Außerdem nehme ich im Juni an einer Blogtour Teil, meine erste, und ich bin schon sehr gespannt auf diese Erfahrung. Und für euch wird es interessant, weil ich da mal so richtig aus dem Nähkästchen plaudere, ihr dürft also gespannt sein. Denn ja, auch ich habe eine Vergangenheit!

Ein schönes Wochenende und allzeit gute Bücher! :wave:

Dienstag, 26. Mai 2015

Ein Diktator zum Dessert – Franz-Olivier Giesbert


mp3-CD, ungekürzt, Roman, gelesen von Carmen-Maja Antoni



Die Geschichte des 20. Jahrhunderts aus Sicht einer 105jährigen Frau – ja, das ist der Inhalt von ‚Ein Diktator zum Dessert’. Obwohl es natürlich nicht ganz so einfach ist. Denn an den Stellen, an denen ich bei ‚Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand’ (kurz: Flucht aus dem Altersheim ;) ) herzhaft lachen konnte, macht mich dieses Buch eher traurig. Und natürlich kann man beide Bücher nur bedingt vergleichen.

Schon von den ersten Minuten an ist klar, dass dies die Lebensgeschichte einer ‚gebeutelten’ Frau ist, auch wegen Carmen-Maja Antoni, die im Ton der streitlustigen und zornigen Rose erzählt und ihre Geschichte mit mehr Leben füllt, als ich es oft ertragen konnte. Weil es einfach schrecklich ist! Nein, nicht der Vortrag, der ist genau richtig, sondern diese Lebensgeschichte, die mehr als einmal hautnah mit Genozid in Kontakt kommt und ungeschminkt zeigt, zu was der Wille zu überleben befähigt.

Rose ist vom moralischen Aspekt her keine nette uralte Frau, sie ist bösartig, mörderisch – und trotzdem ist sie mir sympathisch. Wegen ihrer Ehrlichkeit mit sich selbst. Sie beschönigt nichts, entschuldigt noch weniger und rechnet auch mit sich selbst ab. Das fordert Respekt und lässt mich ein wenig hilflos zurück.
Weil ich so gerne in schwarz-weiß denken möchte.
Weil ich mir gerne einbilden möchte, einen graden, aufrechten Weg zu gehen.
Und Rose, eine starke Frau, überlebt und lebt dabei sogar, auf einem durchaus verworrenen Weg – bleibt sich da aber trotzdem treu.

‚Ein Diktator zum Dessert’ ist ein schönes Buch, trotz all der Hässlichkeit, weil es ungeschminkt beschreibt. Und damit kaum ein gutes Haar am Tier Mensch lässt.
Und Carmen-Maja Antoni wird dem rundum gerecht, auch, weil sie den anfangs gewöhnungsbedürftigen zornigen Tonfall hat.

Fazit?
Ein ernsthaftes Buch, das mich tief beeindruckt hat. Und historische Ereignisse und Personen in einem etwas anderen Licht erscheinen lässt.

'Ein Diktator zum Dessert' ist im Hörverlag erschienen.

Montag, 25. Mai 2015

Tiefer Fall (Anna Kronberg 2) – Annelie Wendeberg


CD, gekürzt, historischer Krimi, gelesen von Esther Schweins



Nachdem ich von ‚Teufelsgrinsen’ wenig überzeugt war, vertieft sich dieser Eindruck bei der Fortsetzung ‚Tiefer Fall’ leider. Auch hier gelingt es Esther Schweins nicht, mich in den Bann der Geschichte zu ziehen, die sich phasenweise doch sehr hinzieht – obwohl es sich um eine gekürzte Fassung handelt. Einfach nur langweilig liest sie, weitestgehend emotionslos, obwohl es doch um viele Emotionen geht.
Auch ist für mich die Handlung nur schwer nachvollziehbar. Oder handelt es sich um eine Studie darüber, was ein Mensch macht, um zu überleben? Es ist müßig, sich um die Beweggründe der Autorin über die eigentliche Handlung hinaus Gedanken zu machen.

Wie dem auch sei, ‚Tiefer Fall’ ist natürlich eine eher ruhige Geschichte ganz im Stile der Sherlock Holmes Bücher im Verbund mit medizinischen Hintergründen, die durchaus interessant sind. Auch die Darstellung der politischen Entwicklung jener Zeit fand ich gut, und sie schaffen eine bedrohliche Atmosphäre, die mir gut gefallen hat, so aus der Sicht desjenigen, der weiß, wie es schlussendlich ausgegangen ist.

Gut gelungen fand ich die Einbindung der bekannten Sherlock Holmes Geschichte in die Handlung rund um Anna Kronberg. Für ‚Liebhaber’ ist das immer der Zeitpunkt, in dem ein Lächeln über die Lippen huscht, finde ich. Dieses Erkennen von Bekannten, mir gefällt das. Und es ist immer schön zu lesen oder zu hören, welche Gedanken sich andere Autoren zu den Klassikern gemacht haben.

So bleibt mein Verhältnis zu ‚Anna Kronberg’ auch eher gemischt. Einerseits überzeugt mich die Handlung nicht so richtig, andererseits finde ich diese neue ‚Definition’ des Bekannten sehr interessant und unterhaltsam.
Vielleicht aber sollte man diese Bücher einfach selbst lesen.

Fazit?
Interessant, doch durch den ‚Vortrag’ eher langweilig.

'Tiefer Fall' ist bei Random House Audio erschienen.


Feuer und Stein (Outlander 1) – Diana Gabaldon


Audible, ungekürzt, Zeitreiseroman, gelesen von Brigitta Assheuer



Ja, der Zauber war vom ersten Satz an wieder da.
Verlor sich dann aber über die Strecke von 37 Stunden ein wenig.
Inhaltlich war ich überrascht, wie viele Bettszenen es gibt – und wie oft das Gespräch auf Prügelstrafen kommt, deren Bewertungen mich schon ein wenig entsetzt haben. Auch hatte ich zwischendurch den Eindruck, Claire sei bloß durch die Zeit gefallen, damit sie Jamie ständig zusammenflicken kann.
Als ich das Buch vor etwa zwanzig Jahren las, haben mich drei Handlungsstränge begeistert: Zeitreise, Schottland und die Liebesgeschichte.
Jetzt fand ich den Charakter Claire am interessantesten.

Denn dieses Hörbuch hat neben der ungekürzten Form einen ganz großen Vorteil: Brigitta Assheuer, die mit ihrer ‚älteren’ Stimme eine reife Claire darzustellen vermag und damit überzeugt. Und die einfach ein Gespür für Stimmungen hat, so wenig sie auch variieren. Denn machen wir uns nichts vor, entweder lieben sie sich oder sie haben Schmerzen, Verletzungen, Folter, dazwischen gibt es wenig Raum für irgendetwas, obwohl sich die große Verschwörung schon abzeichnet.

So finde ich die Geschichte insgesamt eher lahm (der Geschmack hat sich halt geändert im Laufe der letzten zwei Jahrzehnten), die Hörbuchversion jedoch sehr gelungen und unterhaltsam.
Die Serie werde ich leider erst einmal nicht sehen können.

Übrigens war die ganze Geschichte dermaleinst als Trilogie geplant, letztes Jahr ist der achte Teil erschienen. Den gibt es auch als ungekürztes Hörbuch, allerdings von Daniela Hoffmann gelesen, die bereits die vorherigen als gekürzte Hörbücher gelesen hat.
Außerdem scheint es eine neue Übersetzung zu geben.

Fazit?
Lange Unterhaltung mit einer sehr guten Leserin. Ich hoffe, dass auch die Nachfolgebände von ihr eingelesen und veröffentlicht werden.

Übrigens gibt es die ungekürzte Fassung nicht exklusiv bei audible.de, sondern auch als 3 mp3-CDs im Argon Verlag. Ich habe mich nur für audible.de entschieden, weil ich das Hörbuch ‚jetzt und sofort’ haben wollte und ein Guthaben hatte.

Die Fänger des Himmels – Thomas Krüger


Gebundene Ausgabe, Fantasy



Thomas Krüger hat in ‚Die Fänger des Himmels’ ein phantasievolles, beinah episches Werk geschaffen, das in Konsequenz überzeugt und sehr viel mehr beinhaltet, als es auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Und doch hatte ich massive Probleme mir diesem Buch und musste mich zum Lesen zwingen.
Woran das liegt?

Erstens an der Lokalität und dem Hintergrund.
Ich konnte einfach keinen Ansatzpunkt für mich finden. Die Namen waren mir zu ‚exotisch’, die Welt von Nigrana nicht fassbar, nicht einzuordnen. Ich brauche einfach einen Fixpunkt, sei es historisch oder geographisch, um mich in einen Buch, in dem es um Menschen geht, wohl zu fühlen. Und da war es auch nicht hilfreich, wenn Einstein erwähnt wird. Denn was ist Nigrana? Ein Land in der Zukunft, ein Paralleluniversum, ganz woanders?
Dazu kommt noch die Mischung aus ‚mittelalterlichen’ Stukturen, die besonders bei den Berbern durchschimmern und dem Glauben an Drachen, und dem hohen technischen Standard. Das war für mich einfach nicht greifbar und in einer mir verständlichen Schublade zu verstauen.

Zweitens in der Brutalität.
Ich habe kein Problem mit brutalen Szenen in Büchern, aber was hier im Rahmen eines Jugendbuches verpackt wird, hat mir vor Entsetzen die Haare zu Berge stehen lassen (wer mich kennt, wird an dieser Stelle lachen müssen). Muss das sein? Dieses Schwelgen in Grausamkeit? Aus welchem Grund?
Vielleicht, um das Ganze als Parabel zu sehen?

Denn drittens bedient sich Thomas Krüger meiner Meinung nach in einigen Töpfen. Ein bisschen Lord Voldemort, ein bisschen Herr der Ringe und einiges an nationalsozialistischer Vergangenheit wird da munter durchgemischt, in einer bedrohliche Gesamtstimmung gepresst und mit einem Schuss Dystopie gewürzt. Meine Meinung, wie geschrieben, und vielleicht nur aus dem Bedürfnis heraus, einen Anhaltspunkt zu finden. Denn wenn Thomas Krüger auch in Beschreibungen ‚seiner’ Welt schwelgt, so erschafft er doch kein einheitliches Bild einer fremden Welt vor meinen Augen.

Viertens fand ich weder Alissa noch Tiras besonders sympathisch oder gar stimmig. Sicher erleben sie einige Abenteuer und sind Schlüsselfiguren, aber letztendlich blieb mir gerade ihr Verhältnis zueinander eher diffus und halbherzig.

Und schließlich fünftens der Stil.
Ich mag den Sprach- und Schreibstil von Thomas Krüger sehr, doch in ‚Die Fänger des Himmels’ fand ich ihn irgendwann zu übertrieben und pathetisch, zu viel Schema F. Natürlich trotzdem kraftvoll im Ausdruck, aber irgendwie abgenutzt.

Allerdings denke ich, dass dieses Buch durchaus für einen anderen Leser interessant sein kann und sogar durch mehrmaliges Lesen gewinnt. Also ein Kultbuch!?
Leider jedoch nicht für mich. Aber es ist auch einfach nicht mein Genre, ich brauche eben einen Bezug zur Realität – oder etwas völlig abgedrehtes, am liebsten mit Humor.

Fazit?
Ein interessantes Buch, gut geschrieben und mit Diskussionspotential – aber eben nicht mein Fall.

Danke Thomas für das Buch und die Widmung – ich freue mich auf den dritten Teil über Erwin und Lothar, das entspricht mehr meiner ostwestfälischen Seele ;)